Samstag, 2. Dezember 2017

Review: Gevlerkt - De grote sterfte (MC, New Era Productions - 2017)

Aus dem Hause der niederländischen Underground-Schmiede New Era Productions stammt hier vorliegende Kassette. Es handelt sich dabei um das Debüt "De grote sterfte" des infernalischen Duos GEVLERKT, welche ebenfalls aus den Niederlanden stammen und bereits eine Demo-Veröffentlichung namens "Vermolmd" aufweisen können, die ebenfalls über New Era unter's Volk gebracht wurde, ebenfalls auf Kassette.








Die beiden Herren MJWW (alle Instrumente) und Botmuyl (Gesang) machen gleich im Innencover deutlich, worum es ihnen geht: "Your cascadian, life-affirming, free-spirited, border crossing, genre expanding, politically correct and non-offensive castrated 'version' of black metal which is nothing more than a touristic approach endorsed by easy access social media that handles it as just another music genre, and is celebrated by spineless retards who finally can take their artsy girlfriends to a show to endure a 'life  changing ritual" is the fuel of our hate engine. FUCK OFF." Wow, was für ein Statement - ein solches ist wohl schon lange überfällig und spricht mir eigentlich direkt aus der Seele. Gerade was dieser ganze neu-modische lebensbejahende Nonsens im Black Metal sein sollte, entzog sich schon immer meiner Kenntnis. Schwarzmetall stand schon immer für die pure Essenz des Bösen, die Negativität und für Misanthropie in jeglicher Form und das ist es für mich auch weiterhin, weshalb ich persönlich solchen gehypten Sachen wie WOLVES IN THE THRONE ROOM nie etwas abgewinnen konnte. Wer es mag soll es halt hören, aber sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass hier vielleicht die musikalische Essenz des Black Metal angekratzt wird, die ideologische aber eher in ihr genaues Gegenteil verkehrt wird. Black Metal mag zwar erschaffen können, doch kann dieses Werk niemals auch nur in irgendeiner Hinsicht positiv für den Menschen sein. Auch die Spaß- und Konsumgesellschaft, welche in dem ganzen Kult nicht mehr als bloß Musik sieht, zu der man sich trifft und Biere trinkt, und sich einer Szene zugehörig fühlt, die sie niemals wirklich verstanden hat (mal ganz davon ab, dass eine 'Szene' in meinen Augen per se nicht existent ist), wird hier angeprangert. Dies trifft wohl auch am ehesten auf diese ganzen neu-modischen Hipster zu, doch auch Alteingesessene, die im Black Metal auch nicht mehr viel mehr sehen, als jede Woche Party mit ein paar Freunden und Alkohol zu machen, dürfen sich hier ebenfalls durchaus angesprochen fühlen.

(P.s. in eigener Sache: Wer nach dem lesen dieser Zeilen irgendwie zu der Ansicht gelangt sein sollte, ich wäre ein elitärer Wichtigtuer, dem muss lasse ich seinen glauben. Leute, die mich kennen, werden aber verstehen, was ich hier zum Ausdruck bringen wollte.)

So viel nun zum ideologischen Hintergrund. Dass GEVLERKT dann mit ihrer Musik auch nicht unbedingt Experimente eingehen, dürfte wohl mehr als deutlich geworden sein. Die beiden Herren, die auch beide u.a. bei WEDERGANGER aktiv sind (dass diese Band bei Ván veröffentlicht, führt den oben aufgeführten Text eigentlich auch ad absurdum meiner Meinung nach), setzen hier auf einen räudigen Old School Black Metal, der auch ein paar stimmungsvolle Samples und Dark Ambient-Passagen enthält - ganz im Stil der seligen 90er. Allein schon der Beginn mit dem etwas ranzigen Ambient-Intro macht schon deutlich, wohin die Reise geht, wenn dann auch die ersten Klänge von "Het boze oog" erklingen, wird man gewahr: die Musik von GEVLERKT lässt den Worten Taten folgen, zeigt sich roh, ungeschliffen und primitiv, lässt aber auch ein Gespür für grimmige Rhythmen erkennen. GEVLERKT speihen dem Hörer ihren Hass unvermittelt und kompromisslos hart entgegen und das weiß auf Anhieb zu gefallen. "Klauwen, snavel en hoorns" beginnt dann mit einer rhythmischen Gitarre und recht rotzig-rockig, wandelt sich dann aber auch dank seines dezenten Keyboard-Einsatzes zu einer wahren Black Metal-Hymne (muss ich hier wirklich noch alte GRAVELAND als Vergleich anführen?), die Tod und Pest in sich birgt. Die Dunkelheit altertümlicher Grüfte und der Gestank verrotteter Knochen steigt einem hier förmlich in die Nase. "Zwavelhart" dagegen entpuppt sich als ein kurzer räudiger Beitrag, der sich ganz der alten niederländischen Schule verschrieben hat. Auch "De Nacht" geht in die Richtung, hält aber noch eine melancholischere Stimmung parat und nimmt beinahe schon eine hypnotische Stimmung an, bis im letzten Teil noch einmal an Fahrt aufgenommen wird. "Gifstekel" erweist sich als Zwischenstück, in welchem sich ein kranker Gesang mit Dark Ambient- und Dungeon Synth-Collagen abwechselt. "Vermolmd" folgt darauf und bietet noch einmal stolzen satanischen  Black Metal. Das abschließende Titel gebende Stück rundet das Album dann noch zur Gänze hin ab, präsentiert sich räudig und trotzdem auf eine kranke Art und Weise erhaben. Die Gitarrenarbeit ist hier noch einmal gesondert hervorzuheben.

Fazit:
Um einmal aus NARGAROTH's "Black Metal ist Krieg" zu zitieren: "Für manche ist Black Metal Spaß. Für manche eine Epoche in ihrem Leben. Für manche aber auch nur Zeitvertreib. Für mich ist es Hass, ist es Kraft. Für mich ist Black Metal Blut." Man mag über jenen Künstler und seine Werke denken, was man möchte, doch trifft er mit den Aussagen in seinem Album direkt ins sprichwörtliche Schwarze. Eine Schwärze, die GEVLERKT mit "De grote sterfte" verinnerlicht zu haben scheinen. Black Metal ist ein Krieg, der zunächst einmal im Geiste stattfindet... auch '...for all evil in man' ist in diesem Sinne mehr als ein bloßer Slogan. Es gibt heutzutage einfach zu viele Kiddies, die 'Black Metal ist Krieg' auf Konzerten und in den Internet-Foren dieser Welt schreien, doch nur selten scheint dies aus Überzeugung heraus und mit wirklichem Verstand zu geschehen. Auch viele Bands halten sich wohl eher oberflächlich mit einer solchen Thematik auf, ohne die Essenz derer zu erfassen, zu begreifen oder nach außen tragen zu können. GEVLERKT sind da anders, und das liegt nicht vornehmlich an ihrem mehr als sympathischen Statement, sondern lässt sich in ihrer Musik regelrecht herauslesen. Das Album erschien bei New Era Productions als Kassette (schwarzes Pro-Tape mit silbernem Druck) in einem Säckchen aus Leichentuch (derer gibt es 100 Exemplare und nur direkt über das Label erhältlich), als LP in purple vinyl (ebenfalls auf 100 Stück limitiert) und als CD im Jewelcase. Die Preise sind, bis auf bei der CD, recht hoch angesetzt, über einen Kauf sollte man hier trotzdem nachdenken. Bestellungen gehen am besten direkt an New Era Productions.

True Evil Black Metal without any compromises! Für Maniacs und Überzeugungstäter!


Darbietungen:
01. Het boze oog
02. Klauwen, snavel en hoorns
03. Zwavelhart
04. De Nacht
05. Gifstekel
06. Vermolmd
07. De grote sterfte

Laufzeit: ca. 37 Minuten




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