Montag, 13. November 2017

Review: Ramihrdus - Eternity (CD, Anthrazit Records - 2017)

Aus dem Hause der noch jungen deutschen Tonschmiede Anthrazit Records erschien vor einiger Zeit das Debüt-Album der Ein-Mann-Kapelle RAMIHRDUS aus Amiland. Ramihrdus war ein Kirchenanhänger, der um die Jahre 1076/77 der Ketzerei bezichtigt und in der Gegend von Lambres verbrannt wurde. Ob sich das Projekt allerdings auch auf diese historisch belegte Figur bezieht, vermag ich nicht zu sagen.







Dieses erste Voll-Album stellt gleichzeitig auch das Debüt-Werk von RAMIHRDUS dar. Und es ist wahrlich nicht schlecht, was hier von Allein-Unterhalter Bryce Witt dargeboten wird. Nach einem kurzen Einklang, welcher dem Dark Ambient und auch dem Dungeon Synth zuzurechnen ist, erklingt atmosphärischer und episch erhabener Black Metal, der jedoch auch eine räudige und kalte Seite an sich hat. So weit, so gut, nichts wirklich Neues. "The Ethereal Forest" lässt mich dann zwar schon einmal aufhorchen, jedoch auch nicht so wirklich hinter dem Ofen hervorzulocken. Das liegt auch gar nicht an der Zelebrierung, die klingt in der Tat sehr authentisch, machtvoll und verträumt bis kämpferisch. Es liegt viel eher daran, dass man das dann doch schon alles irgendwie schon einmal gehört hat. Auch "Lake Evendim" mit seinen melancholischen Tastenklängen mutet zunächst so an, als könne er diesen ersten Eindruck nicht revidieren. Und dann auf einmal... ist es um mich geschehen. "Eternity" hat mich in seinen Bann gezogen. Ich schließe die Augen und sehe meinen Geist wandern durch düstere nebelverhangene Wälder und karge Landschaften. Der gediegene Midtempo entfaltet hier seine volle Stärke und lässt die Gedanken gleiten, das kurze Break zur Mitte hin inklusive Ambient-Intermezzo tut sein übriges zur Atmosphäre dazu. Klar, das macht die Angelegenheit jetzt keinen deut innovativer, aber wer hier wirklich noch Innovation von RAMIHRDUS erwartet, hat das Album wohl nicht verstanden, viel mehr macht auch das klassisch mittelalterlich Zwischenspiel "The Parcing Pony" deutlich, dass man hier einer Band lauscht, die es gekonnt versteht, Altbewährtes neu zu interpretieren. Den Höhepunkt findet das Werk dann in Form von "The Crypts of the Frost Storm", wo sich räudige Grimmigkeit mit melancholischer Nostalgie und hymnenhafter Atmosphäre paart. Nicht nur dieses Lied macht deutlich, dass die musikalischen Einflüsse des Protagonisten irgendwo zwischen alten SUMMONING, PAZUZU, alten MORTIIS und XASTHUR liegen müssen. Das Titel gebende Stück beginnt mit ambienten Klängen, steigert sich dann allmählich in einen Midtempo Black Metal mit doomigen Gitarren, bevor nach einem kurzen Break der Schwarzmetall die Szenerie dominiert und für sich einnimmt. Auch hier findet sich das hymnische Keyboard wieder, welches keinesfalls deplatziert, zu aufgesetzt oder dominant wirkt. Mit dem letzten Titel huldigt man noch einmal vornehmlich dem klassischen Dungeon Synth, aber auch dem winterlichen Dark Ambient.

Fazit:
RAMIHRDUS' erstes Album "Eternity" kann sich sehen und hören lassen. Nicht nur, dass es ein beachtliches Debüt-Werk darstellt, sondern es ist auch von einer derart intensiven und in sich stimmigen Atmosphäre durchzogen, wie man sie nur selten antrifft. Klar, einen Innovationspreis wird der gute Herr hiermit sicherlich nicht einfahren, doch dies scheint auch gar nicht die Intention hinter "Eternity" zu sein. Ich für meinen Teil bin dankbar über jedes neue Album, welches mich derart gefangen zu nehmen vermag, wie es sonst nur die vornehmlich älteren und längst vergangenen Werke all jener Bands tun, die heutzutage einfach nur noch Stumpfsinn am laufenden Band produzieren. "Eternity" ist ehrlich in seiner Darbietung und auf eine primitive Weise stolz und erhaben in seiner Machart. Zwecks einer Bestellung wendet euch direkt an Anthrazit Records, welche die CD im Jewelcase für 9,- Euronnen anbieten. Alternativ habt ihr die Möglichkeit, euch die CD auf der Bandcamp-Präsenz anzuhören und kostenlos herunterzuladen - jedoch gehört solch ein Werk in meinen Augen auf jeden Fall unterstützt!

Ein grimmiges Machwerk voll stolzer Erhabenheit und träumerischer Nostalgie. Gerade Anhänger der glorreichen Mitt-90er dürften mit diesem Album mehr als glücklich sein!


Darbietungen:
01. Cold Winds of the Wild
02. The Ethereal Forest
03. Lake Evendim
04. The Prancing Pony
05. The Crypts of the Frost Storm
06. Eternity
07. Closure

Laufzeit: ca. 31 Minuten




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