Mittwoch, 22. November 2017

Review: Ökomisanthrop - I Deny (MC, Worship Tapes - 2017)

Aus dem Hause Worship Tapes stammt vorliegende Kassetten-EP. "I Deny" des deutschen Projekts ÖKOMISANTHROP bietet eine recht solide Mixtur aus Underground Black und Death Metal. Dabei handelt es sich bei der Person hinter dem Solo-Projekt keinesfalls um einen Unbekannten. Waheela dürfte dem einen oder anderen vielleicht bereits durch sein anderes alleiniges Projekt SIECHTUM bekannt sein, unter dessen Banner er vor noch nicht einmal so langer Zeit sein letztes Album "...durch die Augen einer gequälten Seele" veröffentlichte (eine Rezension zu diesem Werk lässt sich >>hier<< nachlesen)...




ÖKOMISANTHROP beschreitet musikalisch betrachtet einen etwas anderen Pfad, als Waheela es bei SIECHTUM macht. Während dort nämlich eher gequälte Klänge und eher depressive Grundstimmungen vorherrschen, zeigt man auf "I Deny" von Anfang Zähne. "Black Roots" beginnt stimmig mit einem kurzen Intro-Part, der, genügend Lautstärke natürlich vorausgesetzt, das Zeug dazu besitzt, dem Hörer eine wohlige Gänsehaut zu verpassen. Dann wird aber auch schon gnadenlos nach vorne geprescht und schnell wird klar: hier regiert der klassische Black/Death Metal. Brutal, kompromisslos, keine Gefangenen machend. Waheela versteht aber glücklicher Weise auch etwas von Spannungsbögen und atmosphärischem Aufbau (was er ja auch schon in der Vergangenheit gekonnt unter Beweis stellte) und so verläuft der erste Titel wie auch das gesamte Werk nicht in stupider Raserei, sondern offenbart dem Hörer auch einige morbide Details und Stimmungswechsel, die durch gezielte Tempowechsel erreicht werden. So hat das erste Stück Referenzen an alte MORBID ANGEL, während gerade "May I Rot In The Woods" in musikalischer Hinsicht klar auf alte MAYHEM oder MORBID (Rest in Pieces DEAD!) Bezug nimmt. Das ist vielleicht nichts Neues oder sonderlich originell und wird gerade die verwöhnte heutige Generation von Black Metal-Kiddies eher nicht hinter dem Ofen hervorlocken, verfehlt seine Wirkung aber nicht. An die von mir erwähnte Sparte von Parasiten richtet sich dieses Werk ohnehin nicht, und wenn ÖKOMISANTHROP für diese überhaupt Worte erübrigen würde, würde er ihnen wohl eher ein schmeichelhaftes "Fuck You All" ins Antlitz kotzen. Doch so wenig diese Musik sich auf eine Szene bezieht, die sich immer mehr gen Mainstream bewegt, so wenig ist sie für eine selbsternannte Elite gemacht. "I Deny" richtet sich, das macht der Titel ja unmissverständlich klar, gegen den Menschen an sich, gegen Weltanschauungen, gegen seine Religionen, seinen materiellen Konsum und entlarvt ihn als das, was er wirklich und letztendlich ist: ein parasitäres Geschwür, welches sich nach und nach, Stück für Stück selbst verzerrt und auf seinem Weg zum Untergang erbarmungslos alles mit sich reißt. Was auch das nächste Stück "Poison The Heavens" belegt, welches mit seinen neun Minuten Spielzeit nicht nur das längste ist, sondern auch einige weitere Details bereit hält. So gibt man sich vom Grundton her sehr Black 'n' Roll mit Death-lastigem Riffing, streut dann auch ein wenig Klargesang mit rein, der eine beinahe beschwörende Stimmung inne hat. Zum Ende hin betritt man dann sogar recht erhabene und beinahe schon als episch zu bezeichnende Ebenen. Der letzte Titel "Ökomisanthrop" präsentiert sich dann noch einmal wunderbar räudig und Hass erfüllt.

Fazit:
Was Waheela hier mit dem Erstling seines neuen Projekts präsentiert ist im Grunde genommen zwar vielleicht nicht gerade neu oder innovativ, dafür aber mehr als ehrlich und authentisch. Man spürt hier einfach, dass da jemand am Werk ist, der nicht nur über seinen Hass auf die Menschen und ihre Gesellschaftsformen singt, sondern diesen auch wirklich fühlt und dass dieser nicht nur aus einer Laune heraus entstand und weil es eben 'Trend' ist, anti zu sein, sondern dass er durchaus fundiert ist und von Überzeugung heraus gebildet wurde. "I deny" spiegelt damit genau das wider, was Waheela mit seinen Stimmungen aussagt und hält damit auch automatisch jedem Hörer einen Spiegel vor - in wie weit hat ein jeder seinen Hass nicht verdient?
Die Kassette ist auf 100 Exemplare limitiert, kommt in der üblichen Qualität mit Underground-Attitüde von Worship Tapes und kann über den Kontakt auf der Heimseite des Labels geordert werden, oder ihr fragt einmal direkt bei Waheela nach, ob er Exemplare hat.

Vielleicht kein perfektes Werk, aber ehrlich in seiner Präsentation und authentisch in seiner Aussage.


Darbietungen:
01. Black Roots
02. May I Rot In The Woods
03. Poison The Heavens
04. Ökomisanthrop

Laufzeit: ca. 27 Minuten



Montag, 20. November 2017

Review: Satanic - Architecture of Chaos (CD, Brutal Records - 2017)

Das aus Québec nicht nur genialer Black Metal kommt, beweisen die Death/Thrash Metaller SATANIC mit ihrem Debüt-Werk eindrucksvoll. Dieses erschien ursprünglich bereits im letzten Jahr in kompletter Eigenregie auf CD im Digipak und als digitale Version. Nun hat sich das brasilianische Label Brutal Records einem Re-Release von "Architecture of Chaos" angenommen und brachte erneut eine sehr limitierte Auflage auf CD heraus.






Fuck... eine Band mit dem Namen SATANIC steht ja eigentlich schon in der Pflicht, mehr als 0815-Gekotze zu fabrizieren. Und bei Luzifer... das tun sie auch! Schon das Gitarrenbrett zu Beginn von "Mephistophelian" macht gleich deutlich, was der geneigten Hörerschaft hier in den nächsten 40 Minuten erwartet: ein brutaler und von Grund auf ehrlicher Mix aus gnadenlos gebolztem Death Metal und old schooligem Thrash Metal. Mit "World of Chaos" bietet man dann auch gleich danach einen kurzen, aber schnellen brutalen Death Metal Overkill - was hier in gut zweieinhalb Minuten geboten wird, ist schon als recht heftig zu bezeichnen, wenn man sich aber auch durchaus Melodie betont gibt, was so ein wenig an die Sachen von DEATH denken lässt. Mit "Processing The Undead" verstärkt sich dieser Eindruck noch einmal, denn gerade die ausführlich eingebauten Gitarrensoli lassen an Arbeiten von Chuck Schuldiner zu Zeiten von DEATH's "Spiritual Healing", "Human" oder "Symbolic" denken. Ein begnadeter Künstler, der mit 34 Jahren leider viel zu früh von uns gegangen ist (im Dezember jährt sich sein Todestag zum bereits 16. Mal, so nebenbei). Aber wieder zurück zu SATANIC. Auch das nächste Stück "Architecture of Apocalypse" steht dem spiel-technisch in nichts nach, beinhaltet sogar noch einige Referenzen an Kombos wie CANNIBAL CORPSE oder SPEARHEAD aus UK. "Armageddon" stellt dann in meinen Augen den Höhepunkt des Albums dar. Ein brachiales Chaos. Ein vertontes Gemälde aus Blut und Gedärmen, Tod, Vernichtung und Krieg. Der Soundtrack zum Untergang der Menschheit, und damit wurde der Nagel wohl voll und ganz im Fleisch versenkt, denn wenn die musikalische Darbietung eines Songs es so gekonnt versteht, den Titel umzusetzen, wurde alles richtig gemacht! Gleiches gilt im Übrigen auch für "Tchernobyl 86" - ein Tod bringendes Manifest des realen (von Menschen geschaffenen) Horrors.

Fazit:
Es ist wirklich selten geworden, dass ich mir reine Death Metal-Werke anhöre, da mir das meiste dann doch eher zu technisch versiert und spielerisch zu verfrickelt ist. Das hat nichts mit meiner Anspruchslosigkeit zu tun, sondern eher damit, weil diese Art Musik für mich keine Substanz hat. Spielerisch ist das dann vielleicht das Non-plus-ultra, aber es hat für mich einfach zu selten wirklich eine Seele. Anders verhält es sich bei SATANIC, die mit ihrer Musik ehrlich authentisch rüberkommen und eine deutliche "Fuck you all!"-Attitüde besitzen. Die Herren beherrschen darüber hinaus auch ihre Instrumente und lassen spielerisch kaum Wünsche offen, zitieren hier und da sogar die Größen der Szene, jedoch nicht im Sinne einer Kopie, sondern eher als Hommage. Death / Thrash Metal wie er sein sollte! Die CD ist auf 50 Stück limitiert und kann unter dem Email-Kontakt von Brutal Records geordert werden, ansonsten gibt es auch die Möglichkeit, das Album über die Bandcamp-Seite von SATANIC zu beziehen.

Authentischer Death Metal-Brecher. Destroy the World and Fuck Off Mankind!


Darbietungen:
01. Mephistophelian
02. World of Chaos
03. Processing The Undead
04. Architecture of Apocalypse
05. Armageddon
06. Systematic Fear
07. Biotech Warfare
08. Tchernobyl 86

Laufzeit: ca. 40 Minuten



Freitag, 17. November 2017

Review: Dirty Grave - Evil Desire (GrimmDistribution / Todestrieb Records - 2017)

Traditionellen Heavy Doom zelebrieren die beiden Mannen von DIRTY GRAVE aus Brasilien. Deren erstes Album, welches auf den Namen "Evil Desire" getauft und ursprünglich bereits in digitaler Form Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, ist im letzten Monat durch den Underground-Vertrieb GrimmDistribution (Partner von Satanath Records) aus Belarus in Kooperation mit Todestrieb Records aus UK auf CD veröffentlicht worden. Am Schlagwerk nahm Arthur Assis Platz, scheint aber kein festes Mitglied der Band zu sein - jedenfalls gibt es kein Promo-Foto mit ihm.




DIRTY GRAVE gründeten sich bereits im Jahr 2013, veröffentlichten zeitnah eine erste selbst-betitelte EP, die es bisher jedoch nur in einer digitalen Version gibt. Im nächsten Jahr brachte man dann die Single "Vol. II" heraus. Nun folgt mit "Evil Desire" der erste Langspieler. Das Album präsentiert sich dabei von Anfang an ohne große Schnörkel, sondern kommt direkt zur Sache. Traditioneller, von dichten Rauchschwaden durchzogener, von paranoiden Träumen und drogengeschwängertem Rausch heimgesuchter Heavy / Doom Metal, der seine Einflüsse eindeutig in der Musik von Bands wie SAINT VITUS, den älteren ELECTRIC WIZARD oder BLACK SABBATH hat. Langsam und schleppend, mal etwas wilder, düster und mystisch, manches Mal sehr okkult und auch satanisch. Aber auch persönlich ("Remorse"). Vereinzelt tauchen auch ein paar chorale Gesänge auf, wie bei "Evil Desire" oder auch ein leichter Hauch düsterer Ambient ("Beyond the Door"), genauso wie eingestreute Solo-Passagen, die das allgemeine Geschehen etwas auflockern und auch interessant halten. Der Gesang ist ebenfalls sehr traditionell gehalten und gibt in Passagen gar verschiedene Facetten wider. Eins der Highlights des Albums ist dabei auf jeden Fall das Cover der Blues-Legende WILLIE DIXON, der zu Lebzeiten viele bedeutende Lieder des Genres verfasste und auch selbst mit diversen Künstlern interpretierte. DIRTY GRAVE haben aus dem Song eine einzige Hommage gemacht, denn auch wenn hier deutlich der Doom Rock dominiert, lässt man doch die Wurzeln des Blues erkennen.

Fazit:
Ein Album, welches keiner langen Worte bedarf. "Evil Desire" ist authentischer Old School Heavy Doom Metal, den man entweder mag oder es bleiben lässt. Die puristische Produktion tut ihr übriges dazu, dass das Werk für Genre-Einsteiger auch nicht gerade leicht zu verdauen sein wird, Anhänger der bereits oben genannten Bands werden sich hier aber auf Anhieb heimisch fühlen. Ein Werk zwischen schleppender Melancholie und düsterem Satanskult, welches sich ganz dem alten Weg verschrieben hat und sich auch gezielt an dessen Anhängerschaft richtet. Interessenten aus Deutschland wird hier wohl nicht viel mehr bleiben, als sich direkt an GrimmDistribution oder an Todestrieb Records zu wenden, welche die CD auch gerade im Angebot haben. Das Album selbst kommt im Jewelcase und ist auf 500 Exemplare limitiert. Indes ist mir bisher kein heimischer Mailorder aufgefallen, der die CD führt. Wer exotische Editionen in seiner Sammlung schätzt, kann jedoch auch sein Glück versuchen, um an eine Auflage aus dem Hause Doom Stew Records zu kommen, welche das Album als limitierte CD im Digipak und als Kassette für den amerikanischen Raum veröffentlichten.

Traditonal and Devil Worshipping Heavy Doom Metal. Richtet sich klar an die Puristen und Anhänger des alten Kultes!


Darbietungen:
01. Satan's Wings
02. Until The Day I Die
03. Evil Desire
04. Evil (Is Going On) (WILLIE DIXON Cover)
05. Beyond The Door
06. Remorse
07. You Dead
08. The Black Cloud Comes

Laufzeit: ca. 41 Minuten



Montag, 13. November 2017

Review: Joyless Euphoria - Joyless Euphoria (CD, Anthrazit Records - 2017)

Aus unserem Nachbarland Österreich stammt das Duo JOYLESS EUPHORIA. Die zwei Herren veröffentlichten vor einer Weile ihr erstes unbetiteltes Voll-Album, welches bei dem jungen deutschen Label Anthrazit ein zu Hause fand. Beim Blick auf den Namen, das Logo und das Cover wird man evtl. schon erraten können, was einen hier erwartet. Doch Obacht: wer hier vorschnell urteilt und glaubt, dass es sich hier lediglich um einen weiteren nichtssagenden Vertreter des 0815-DSBM handelt, der irrt gewaltig...




In textlicher Hinsicht nimmt sich das Werk einem durchaus interessanten und intimen Thema an, und tritt schon allein deshalb aus der Masse hervor. Die fünf Lieder widmen sich dem Verlust eines geliebten Menschen durch Selbsttötung. In diesem Fall handelt es sich um eine Tochter, das Album dient dem Vater dazu seine Gedanken nach außen zu tragen und seiner Trauer um den Verlust Ausdruck zu verleihen und zu verarbeiten. Dabei lassen sich die einzelnen Lieder in Kapitel einteilen (ein Interpretationsversuch): "Night Terrors" behandelt die Tat des Kindes, in "Pallbearer" beschreitet der Vater wohl den schwersten Gang seines Lebens, in "Blissful Oblivion" versucht er zu vergessen und flüchtet dabei vor dem Leben, was in "The Valley" gipfelt. Ich nehme stark an, dass es sich hierbei um den langen Weg aus dem Tal der Einsamkeit handelt. In "My Reveries" schließlich hat er den Tod des eigenen Kindes angenommen, weiß aber auch, dass das Leben niemals wieder so sein wird, wie vorher. Das erinnert mich von der emotionalen Kraft und Dichte des Konzepts her an das hoffentlich bald erscheinende nächste Werk aus der Feder von MÉLANCHOLIE SUICIDAIRE, welches sich der Thematik der Sternenkinder annehmen wird. Aber hier geht es schließlich um JOYLESS EUPHORIA. Musikalisch betrachtet bietet man hier einen gelungenen Mix aus melancholischem Post Rock, emotionalem Black Metal, etwas Dark Ambient und Sample-Collagen. Wenn man die Thematik bedenkt machen die Samples im Kontext mit dem Cover sogar ziemlich Sinn und der Hörer mag erahnen, welchen Pfad des Suizids das Mädchen gewählt hat... der Gesang klingt ebenso herausstechend: zum einen bietet er in den Black Metal-Passagen ein authentisches Maß an Wut und gleichzeitiger Verzweiflung, zum anderen lassen sich in vereinzelten Songs wie "Blissful Oblivion" emotionsgeladende Passagen mit Klargesang finden, die von einer tiefen Sehnsucht zeugen und das Gefühl 'vermissen' förmlich spürbar machen. Instrumental gesehen bewegt man sich zuhauf im schnelleren Midtempo, legt aber auch schon einmal regelrechte Gefühlsausbrüche hin, in denen der Frust einfach nur herausgekotzt zu werden scheint, um im nächsten Moment den Hörer durch ein gekonntes Break wieder auf den Boden zu holen. Dabei finden Chöre ebenso ihren Einsatz (etwa "Pallbearer") wie auch herzzerreißende Gitarrensoli (das bereits erwähnte Stück "Blissful Oblivion"). Einige Blackgaze-Momente sind ebenfalls zu verbuchen, wer also auf die Sachen von AMESOEURS, GRAUZEIT und ähnlichen Kombos steht, der wird sich hier nicht nur heimisch fühlen, sondern das Album, wenn einmal gehört, nicht mehr so schnell wieder aus der Anlage hervor holen...

Fazit:
JOYLESS EUPHORIA liefern mit ihrem Debüt-Album mal wirklich ein Werk ab, bei dem es leider wirklich schade ist, dass mir hier keine Texte zu vorlagen. Gerne wäre ich näher auf die Thematik eingegangen. Doch manchmal ist vielleicht weniger eben mehr und so kann sich ein jeder ein eigenes Bild von der emotionalen Kraft machen, die dieses Album versprüht. Auch regt es dazu an, sich mit ihm zu beschäftigen. Wie würde man als Vater auf den (gewollten) Tod seines Kindes reagieren? Wie würde man damit umgehen? JOYLESS EUPHORIA haben hier etwas geschaffen, was sich nicht nur in musikalischer, sondern auch in konzeptioneller Hinsicht weitab vom Durchschnitt bewegt. Großartig, und in meinen Augen definitiv eines der besten Depressive Black Metal-Alben des Jahres! Die CD im Jewelcase gibt es im Mailorder von Anthrazit Records für schlappe 9,- Euronnen und ist jeden Cent wert.

Höchst emotionales Machwerk. Authentisch, manisch und schmerzerfüllt - fernab der Lächerlichkeit von Durchschnitts-DSBM!


Darbietungen:
01. Night Terrors
02. Pallbearer
03. Blissful Oblivion
04. The Valley
05. My Reveries




Review: Ramihrdus - Eternity (CD, Anthrazit Records - 2017)

Aus dem Hause der noch jungen deutschen Tonschmiede Anthrazit Records erschien vor einiger Zeit das Debüt-Album der Ein-Mann-Kapelle RAMIHRDUS aus Amiland. Ramihrdus war ein Kirchenanhänger, der um die Jahre 1076/77 der Ketzerei bezichtigt und in der Gegend von Lambres verbrannt wurde. Ob sich das Projekt allerdings auch auf diese historisch belegte Figur bezieht, vermag ich nicht zu sagen.







Dieses erste Voll-Album stellt gleichzeitig auch das Debüt-Werk von RAMIHRDUS dar. Und es ist wahrlich nicht schlecht, was hier von Allein-Unterhalter Bryce Witt dargeboten wird. Nach einem kurzen Einklang, welcher dem Dark Ambient und auch dem Dungeon Synth zuzurechnen ist, erklingt atmosphärischer und episch erhabener Black Metal, der jedoch auch eine räudige und kalte Seite an sich hat. So weit, so gut, nichts wirklich Neues. "The Ethereal Forest" lässt mich dann zwar schon einmal aufhorchen, jedoch auch nicht so wirklich hinter dem Ofen hervorzulocken. Das liegt auch gar nicht an der Zelebrierung, die klingt in der Tat sehr authentisch, machtvoll und verträumt bis kämpferisch. Es liegt viel eher daran, dass man das dann doch schon alles irgendwie schon einmal gehört hat. Auch "Lake Evendim" mit seinen melancholischen Tastenklängen mutet zunächst so an, als könne er diesen ersten Eindruck nicht revidieren. Und dann auf einmal... ist es um mich geschehen. "Eternity" hat mich in seinen Bann gezogen. Ich schließe die Augen und sehe meinen Geist wandern durch düstere nebelverhangene Wälder und karge Landschaften. Der gediegene Midtempo entfaltet hier seine volle Stärke und lässt die Gedanken gleiten, das kurze Break zur Mitte hin inklusive Ambient-Intermezzo tut sein übriges zur Atmosphäre dazu. Klar, das macht die Angelegenheit jetzt keinen deut innovativer, aber wer hier wirklich noch Innovation von RAMIHRDUS erwartet, hat das Album wohl nicht verstanden, viel mehr macht auch das klassisch mittelalterlich Zwischenspiel "The Parcing Pony" deutlich, dass man hier einer Band lauscht, die es gekonnt versteht, Altbewährtes neu zu interpretieren. Den Höhepunkt findet das Werk dann in Form von "The Crypts of the Frost Storm", wo sich räudige Grimmigkeit mit melancholischer Nostalgie und hymnenhafter Atmosphäre paart. Nicht nur dieses Lied macht deutlich, dass die musikalischen Einflüsse des Protagonisten irgendwo zwischen alten SUMMONING, PAZUZU, alten MORTIIS und XASTHUR liegen müssen. Das Titel gebende Stück beginnt mit ambienten Klängen, steigert sich dann allmählich in einen Midtempo Black Metal mit doomigen Gitarren, bevor nach einem kurzen Break der Schwarzmetall die Szenerie dominiert und für sich einnimmt. Auch hier findet sich das hymnische Keyboard wieder, welches keinesfalls deplatziert, zu aufgesetzt oder dominant wirkt. Mit dem letzten Titel huldigt man noch einmal vornehmlich dem klassischen Dungeon Synth, aber auch dem winterlichen Dark Ambient.

Fazit:
RAMIHRDUS' erstes Album "Eternity" kann sich sehen und hören lassen. Nicht nur, dass es ein beachtliches Debüt-Werk darstellt, sondern es ist auch von einer derart intensiven und in sich stimmigen Atmosphäre durchzogen, wie man sie nur selten antrifft. Klar, einen Innovationspreis wird der gute Herr hiermit sicherlich nicht einfahren, doch dies scheint auch gar nicht die Intention hinter "Eternity" zu sein. Ich für meinen Teil bin dankbar über jedes neue Album, welches mich derart gefangen zu nehmen vermag, wie es sonst nur die vornehmlich älteren und längst vergangenen Werke all jener Bands tun, die heutzutage einfach nur noch Stumpfsinn am laufenden Band produzieren. "Eternity" ist ehrlich in seiner Darbietung und auf eine primitive Weise stolz und erhaben in seiner Machart. Zwecks einer Bestellung wendet euch direkt an Anthrazit Records, welche die CD im Jewelcase für 9,- Euronnen anbieten. Alternativ habt ihr die Möglichkeit, euch die CD auf der Bandcamp-Präsenz anzuhören und kostenlos herunterzuladen - jedoch gehört solch ein Werk in meinen Augen auf jeden Fall unterstützt!

Ein grimmiges Machwerk voll stolzer Erhabenheit und träumerischer Nostalgie. Gerade Anhänger der glorreichen Mitt-90er dürften mit diesem Album mehr als glücklich sein!


Darbietungen:
01. Cold Winds of the Wild
02. The Ethereal Forest
03. Lake Evendim
04. The Prancing Pony
05. The Crypts of the Frost Storm
06. Eternity
07. Closure

Laufzeit: ca. 31 Minuten




Sonntag, 12. November 2017

Review: Slowjoint & Gaia - Split (LP, Virkelighedsfjern / Vinyltrolden / Svensk Psych Aften / AUSI Records / Magisk Stat - 2017)

It's time to get high... die beiden Kapellen SLOW JOINT und GAIA aus Dänemark veröffentlichten Anfang des Monats eine gemeinsame Split und zelebrieren auf dieser eine psychedelische Mixtur aus Sludge, kosmischen Doom-Klängen, Stoner Metal und Psychedelic Rock mit jeder Menge Fuzz und Rauchschwaden. GAIA können bereits zwei Alben und eine Demo seit 2014 vorweisen, SLOWJOINT immerhin ein Voll-Album sowie eine Demo und zwei Singles.






Die ersten beiden Beiträge steuern die drei Mannen von GAIA aus Kopenhagen bei. Mit ihrer erhabenen Mischung aus atmosphärischem Doom in extra slow-motion und von Drogen geschwängertem Stoner wissen die Herren gleich von Anfang an zu überzeugen. "Wound Gratuity" kommt ordentlich schleppend und walzend daher, schwebt gleichzeitig aber auch in überirdischen Sphären, die man in diesem Genre nur selten antrifft. Letzteres ist nicht zuletzt dem Gesang geschuldet, welcher zwar sehr hintergründig aufgenommen zu sein schein, dabei aber den interessanten Effekt aufweist, dass er über allem zu schweben scheint. Das instrumentale Grundgerüst aus dröhnendem Heavy Doom, Stoner und Space Rock-Whatever zeigt sich dabei schlicht und gar etwas primitiv, erhält dadurch aber eine hypnotische und fast schon meditative Wirkung. Da zeigen sich Einflüsse von SAINT VITUS, wie ELECTRIC WIZARD oder auch FUZZ deutlich, aus denen GAIA aber dann letztlich ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Das zeigt sich dann auch in ihrem zweiten Song "There is Nothing Left", der zusätzlich gar noch eine ziemlich melancholische Aura aufweist. Wenn der Sänger verzweifelt ins Mikrofon brüllt wird deutlich, dass hier große Emotionen mit im Spiel sind - da ist die Gänsehaut inklusive!

Das Trio SLOWJOINT gibt sich die Ehre, und gleich der Beginn von "Beverage Joe" verspricht bereits, dass es hier ungleich dreckiger und matschiger zur Sache gehen wird. Sludge Stoner Doom Metal ist die Devise. Selbst bezeichnet man seinen Stil mit "Retarded Blues" und erinnert dabei teils recht stark an die ersten MONSTER MAGNET, an MAMMOTH MAMMOTH oder die Stoner Sludge-Pioniere BONGZILLA. Dreckig, hart, kompromisslos und stoned. Die Gesellschaftskritik bekommt man dann noch oben drauf.

Fazit:
Was diese beiden Kapellen, die mir zuvor noch total unbekannt waren, abliefern ist Stoner Doom in Reinkultur. Wenn die beiden dänischen Gruppen auch völlig andere Grundsteine für ihre Musik legen, so haben sie doch beide einen sehr ähnlichen Effekt. GAIA noch erhaben, kosmisch agieren und über allem schweben zu scheinen, so holen SLOWJOINT den Hörer schnell auf den harten Boden der Tatsachen zurück, um ihm ihren Sludge-Sound ins Gesicht zu werfen - um anschließend gemeinsam ordentlich einen durch zuziehen und abzufeiern. Die Split ist auf schwarzes Vinyl gepresst worden und kann über den Kontakt von Virkelighedsfjern bezogen werden. Solltet ihr einmal einen Ausflug nach Dänemark unternehmen, würde sich auch auf jeden Fall ein Besuch im Plattenladen Vinyltrolden lohnen, der die Scheibe mit veröffentlicht hat und der wohl auch ein paar Exemplare hat. Preislich beläuft sich das Ganze auf 120 DKK (etwa 16,- Euronnen).

Bong Worshipping Metal. Nothing for the weak!


Darbietungen:
Gaia:
01. Wound Gratuity
02. There's Nothing Left
Slowjoint:
03. Beverage Joe
04. Low and Slow
05. Politicks

Laufzeit: ca. 41 Minuten




Mittwoch, 1. November 2017

Review: Sombre Croisade - Balancier des âmes (CD, Pest Records - 2017)

Das kleine Label Pest Records aus Rumänien veröffentlichte Ende September das bereits zweite Voll-Album des infernalischen Duos SOMBRE CROISADE aus Frankreich., welche neben den beiden Werken ebenfalls zwei Split-Veröffentlichungen mit SUICIDAL MADNESS aus dem Jahr 2012 und mit AUGURE FUNÈBRE (2013) vorweisen können. Ehrlicher Weise muss ich gestehen, vor der Zusendung des Promo-Materials noch nie von der Band gehört zu haben, von daher stellt ihr aktuelles Werk gleichzeitig auch meinen ersten Kontakt mit ihnen dar.




Die beiden Mannen Malsain und Alrinack zelebrieren wie erwähnt Black Metal, und zwar in der Form der frühen Mitt-90er. Schnelle Riffs, peitschende Drums und doch weit entfernt von schierer Raserei, sondern vielmehr durchzogen von stolzer satanischer Erhabenheit. Dafür sorgen auf "Balancier des âmes" ("Der Seelen Pendel") gekonnt gesponnene Melodieführungen und schwarz-magische Rhythmen, die jedoch nichts an Härte einbüßen. So lassen sich getragene, beinahe epische Midtempo-Passagen ebenso ausmachen wie auch so manche instrumentalen Soli ("Balancier des âmes"), atmosphärische Breaks und akustische Momente ("Don Ténébreux"). Der Gesang präsentiert sich meist grimmig und kämpferisch, wagt aber Ausflüge in eher melancholische und atmosphärische Gefilde, auch werden neben dem typischen Schreigesang auch Growls verwendet oder auch Klargesang (eine wenn auch kurze Passage in "Midiane"). Der letzte Song "Souffles d'ailleurs" stellt dann noch einmal einen sehr atmosphärischen und majestätischen Abschluss dar. Insgesamt eine recht runde Sache.

Fazit:
Gut, die beiden Franzosen präsentieren mit ihrem neuen Album nun wirklich nichts, was man nicht schon zig Mal gehört hätte. Ein Album, welches sich den Transfer des Mid-90ies-Feelings in die Gegenwart auf die Fahne geschrieben hat, wird jedoch auch nicht die Intention haben, Neues schaffen zu wollen. Trotzdem halte ich "Balancier des âmes" für ein durchaus gelungenes Album: zum einen, weil ich die Sachen dieser Zeit einfach mag und mich an diesem typischen Stil nicht satt hören kann - zum anderen, weil SOMBRE CROISADE es tatsächlich schaffen, authentische Stimmungen zu erzeugen. Dem einen oder anderen wird das Werk aber wohl doch eine Spur zu unspektakulär ausgefallen sein, auch habe ich die Befürchtung, dass der Horde bei der schieren Masse an Veröffentlichungen heutzutage kaum die verdiente Aufmerksamkeit zuteil werden dürfte. Das Album wurde durch Pest Records im digitalen Format, sowie auf CD veröffentlicht. Bestellungen gehen direkt an das Label.

Solides Werk im Stile der Mitt-90er - geht eigentlich immer. Wer allerdings mehr erwartet, sollte einen Bogen um "Balancier des âmes" machen.


Darbietungen:
01. Renaissance
02. Balancier des âmes
03. Don ténébreux
04. Midiane
05. Voeux illusoires
06. Souffles d'ailleurs


Laufzeit: ca. 41 Minuten