Mittwoch, 25. Oktober 2017

Tyakrah - Wintergedanken (CD, Satanath Records / Slaughterhouse Records - 2017)

In Kooperation mit Slaughterhouse Records veröffentlichte das russische Label Satanath Records am 21. Oktober dieses unauffällig erscheinende Debüt-Album des noch jungen Duos TYAKRAH aus Münster, Deutschland. Die beiden Protagonisten J.R. (Gesang, Schlagwerk, Texte) und I.XII (Gitarren, Tasten, Bass) gründeten ihr Projekt im Jahr 2016 mit dem Vorhaben atmosphärischen und intensiven Black Metal zu spielen.






Etwas woran sich schon etliche andere versucht haben, die meisten jedoch dran scheiterten und die Essenz des Black Metal doch eher meist nur ankratzen und eher Genre fremde Klänge einfließen lassen. Doch wie verhält es sich im Fall des Erstlings der beiden Münsteraner? TYAKRAH machen nach dem der instrumentale Einklang "Auf kalten Wegen" mit seinem eindringlichen und melancholischen Klavierspiel verklungen ist, gleich deutlich, um was es ihnen hier geht. "Gefrorne Tränen" beginnt direkt mit einem sehr getragenem Stil, der voller epischer Sphären und gleichzeitiger Eiseskälte steckt. Für die andachtsvolle Reise durch melancholische Winterlandschaften sorgt dabei das erhabene Schlagwerk, welches nach dem einleitenden Part eine treibende Kraft bekommt und im Endpart gar noch einen, wenn auch kurzen, brachialen Solo-Einsatz erhält. Für die epischen Passagen zeichnet hingegen die sehr melodische Gitarre verantwortlich, die einen langgestreckten Solo-Part nach dem nächsten raushaut. Dazu passend auch der Klargesang in der letzten Hälfte. Einfach grandios und mehr als nur eine runde Sache. Man merkt bereits, dass mich das Album mit seiner Magie bereits fest in seinem Griff hat. Doch erst einmal weiter. "Wintergedanken" wäre wahrlich nicht das erste Werk, welches seine Magie bereits nach einem Song versprüht hätte und anschließend nur noch vor sich hin dümpelt. Doch beim darauf folgenden Titel gebenden Lied wird man schnell gewahr, dass diese Befürchtungen absolut unnötig sind. Dabei zeigt sich "Wintergedanken" etwas schleppender und düsterer als der Vorgänger, bis er dann zur Mitte hin noch einmal ordentlich Fahrt aufnimmt und Zähne zeigt. Ein eisiger Wirbelsturm aus düsteren Gedankenströmen und tiefer Verlorenheit. Hier finden sich im letzten Teil des Stückes auch ambiente Anklänge, gefolgt von einem erneuten Black Metal-Part mit einem tiefen Klargesang. Nach dem ambienten Zwischenspiel "Eisige Andacht" samt Glocken und Chören sowie erhabenem Klargesang aus jenseitigen Sphären geht es auch gleich weiter mit "Fährten im Schnee", dem persönlichen Favoriten der Band, wie es auf ihrer Visagenbuch-Seite vermerkt ist. Und beim hören, wird einem auch relativ schnell klar werden, warum das so ist. Es ist vielleicht der schnellste Beitrag des Albums, die Drums peitschen Sturmes gleich nach vorne, die Gitarren zeigen sich auch hier wieder sehr episch und erhaben. Zur Mitte hin wird dann die Geschwindigkeit gedrosselt, ein Klargesang setzt ein, dann ein Gitarrensolo, bis es dann in einen rhythmischen Midtempo-Black Metal weitergeht, bei dem sich der Gesang mal sehr grimmig zeigt. Das letzte Viertel ist dann rein instrumental gehalten und man darf einfach nur das perfekte Zusammenspiel zwischen Gitarren und Schlagzeug bewundern. "Erstarrende Nacht" schlägt in die gleiche Kerbe, es verhält sich bei dem Album also eher so, dass nach hinten hin sogar noch richtig drauf gelegt wird. Der Song hat eine gewisse Brachialgewalt, ist dabei aber gleichzeitig sehr machtvoll und erhaben, wie man es auf diesem Album erwarten darf. Auch lassen sich hier einige Parallelen zu anderen deutschen Kapellen wie RIMRUNA oder DRENGSKAPUR finden, als direkter Vergleich fallen mir auch die Österreicher HĀG ein, die jüngst ebenfalls mit ihrem Debüt glänzen konnten. Mit "Ende des Weges" findet das Werk dann einen würdigen Abschluss in Form eines sehr atmosphärischen Dark Ambient-Stückes mit Klavier, düsteren Chören und Samples.

Fazit:
Ein Album wie ein kalter, eisiger Sturm in einer kargen schneebedeckten Winterlandschaft. Die perfekte Symbiose zwischen traumhaften und epischen Atmosphären und grimmiger Finsternis. "Wintergedanken" klingt für ein Debüt-Album bereits sehr ausgereift und ich bin daher sehr gespannt, wie sich TYAKRAH in Zukunft noch entwickeln werden. Ja, es ist vielleicht nicht gerade neu, was hier geboten wird, doch bemüht man sich redlich um einen individuellen Klang und tut dies mit derlei viel emotionaler und spielerischer Hingabe, dass man sich vor den Herren nur verbeugen kann. Auch Leuten, für die es nach BURZUM's "Filosofem" kein gutes Black Metal-Album mehr gegeben hat, empfehle ich dringend eine Hörprobe! Die CD im Vinyl-look kommt im Jewelcase mit OBI und 8-seitigem Beiheft. Für Interessenten aus Deutschland empfiehlt sich der direkte Kontakt zur Band zwecks einer Bestellung.

Grim, Dark & Epic Atmospheric Black Metal. Ein Album, welches die Winterszeit vertont wie lange kein anderes mehr. Total Support!


Darbietungen:
01. Auf kalten Wegen
02. Gefrorne Tränen
03. Wintergedanken
04. Eisige Andacht
05. Fährten im Schnee
06. Erstarrende Nacht
07. Ende des Weges

Laufzeit: ca. 37 Minuten




1 Kommentar:

  1. Vielen Dank, wirklich sehr schön geschrieben. Freut uns, dass wir dich überzeugen konnten!
    Beste Grüße aus Münster.

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