Samstag, 14. Oktober 2017

Review: Helvetespine - Forheksede visjoner (CD, Self Mutilation Services - 2014)

Unglaublich, dass dieses Werk schon satte drei Jahre auf dem Buckel hat. HELVETESPINE zählen zu den Bands, die mal so absolut an mir vorbei gegangen sind - dabei zählt die Ein-Mann-Kapelle um Mastermind Wiik (Banehogg) zur Riege von Mysticism, welche das Debüt auf Vinyl veröffentlichten. "Forheksede visjoner" stellt das zweite Voll-Album dar, welchem noch eine frühe Demo-Präsentation sowie eine EP, die bereits 2005 unter dem Namen MARERITT schon einmal veröffentlicht wurde, vorausgingen.





Bei dem vorliegenden Werk des Norwegers handelt es sich schlicht und ergreifend um düsteren und traditionellen nordischen Schwarzmetall. Gleich das erste Lied "Døde toner - et drømmespill i tåke" macht deutlich, wohin die Reise auf dieser Scheibe geht. Atmosphärische, erhabene Black Metal-Musik, die ganz im Zeichen nordischer Mythologie steht und ihre Inspiration aus langen Aufenthalten an Norwegens Fjorden und in seinen Wäldern bezieht. Dunkelheit ist ebenso ein fester Bestandteil der Lieder als auch eine melancholische Nostalgie, die manches Mal gar in eine Art depressiver Stimmung umschlägt. Auch die Tatsache, dass sich das Album in seinen langsamen Spannungsaufbauten sehr viel Zeit (aber nicht ZU viel Zeit) nimmt, ist als definitiver Pluspunkt zu werten - Black Metal gegen den schnell-lebigen Zeitgeist.

Fazit:
Ein grandioses Werk, welches keiner großen Worte bedarf, gerade auch weil man es an sich selbst erfahren sollte. HELVETESPINE inszenieren tiefgreifende musikalische Landschaften, die ihre Stärke ganz klar aus der düsteren Kargheit, die ihnen innewohnt, beziehen. Passend dazu kommt die CD in einer edlen Aufmachung daher: stabiles ausklappbares Digipak aus Raukarton mit Silberdruck. Limitiert ist das gute Stück auf 500 Exemplare, die ersten 100 wurden mit einem schicken Logo-Aufnäher ausgeliefert. Deutsche Interessenten sollten sich zwecks einer Bestellung an Sol Records wenden, welche das Album im Distro führen.

Norsk Atmospheric Black Metal. Only for the Nostalgic Black Hearts!


Darbietungen:
01. Døde toner - et drømmespill i tåke
02. Choirs of the Last Aeon
03. ...og en navnløs engel steg ned, fra et rike langt bortenfor stjernene
04. Forheksede visjoner del I
05. Forheksede visjoner del II


Laufzeit: 31 Minuten



Freitag, 13. Oktober 2017

Zmora - Czarne otchłanie i martwe cienie (CD, Werewolf Promotion - 2017)

Neues gibt es auch aus Polen zu vermelden: die Kapelle ZMORA veröffentlichte nämlich bereits im März ihr neues Album "Czarne otchłanie i martwe cienie", was so viel wie "Schwarze Abgründe und tote Schatten" bedeutet. ZMORA heißt im Deutschen auch so viel wie "Fluch" - der Titel stellt zusammen mit dem Namen des infernalischen Trios eine Art Symbiose dar. Diesem gingen bereits zwei Alben voraus, von denen mir allerdings nur das Debüt "Popioły tego świata" ("Asche dieser Welt") bekannt ist, sowie eine erste Demo-Präsentation aus dem Jahr 2011.




Gleich zu Beginn wird deutlich, was den geneigten Hörer auf dem aktuellen Auswurf der Horde erwartet: exzellenter polnischer Black Metal der alten Schule. Dem bin ich persönlich ja bekanntlich auch nie abgeneigt, sofern er gekonnt in Szene gesetzt ist. Und das beherrschen die drei Mannen von ZMORA außerordentlich gut, auf "Czarne otchłanie i martwe cienie" wird das noch einmal deutlicher als auf ihrem Erstlingswerk. Das lässt sie ohne weiteres in einer Liga mit PLAGA, MGLA oder ARYMAN mitspielen - natürlich werden hier auch die alten (ehemaligen) Helden der polnischen Szene zitiert. Anklänge alter GRAVELAND lassen sich ebenso ausmachen wie VELES oder BEHEMOTH zu "The Return Of The Northern Moon" oder "...From The Pagan Vastlands"-Zeiten. ZMORA zelebrieren ihren Schwarzmetall einerseits also brachial, versetzen ihn jedoch mit reichlich hymnischen Sphären und klingen an manchen Stellen ziemlich okkult und mystisch. Auch akustische oder klassische Momente scheuen die Herren nicht. So bietet beispielsweise "Nienasycenie" ein eindringliches Klavierstück im ersten Drittel.

Fazit:
Ein durch und durch gelungenes Album, welches die Polen von ZMORA hier gezaubert haben. Eigentlich auch gar nicht mehr direkt mit den anfänglichen Werken der Horde zu vergleichen, was die Qualität angeht. Ob die CD limitiert ist, weiß ich nicht zu sagen, aber die Tatsache, dass sie bereits bei sämtlichen mir bekannten deutschen Mailordern ausverkauft ist, spricht schon für sich. Interessenten sollten sich daher am besten direkt an Werewolf Promotion aus Polen wenden, da mir auch sonst keine andere Bezugsquelle bekannt wäre. Der Versand von Polen ist ja auch nicht so teuer...

True Polish Black Metal the old way. Nothin' more to say! Support the Darkness!


Darbietungen:

01. Straszliwych widm nawoływanie
02. Tu cisza zalega głęboka...
03. Błądzę pośród umarłych
04. Północnego wiatru skowyt
05. Trujący oddech podziemi
06. Czarne całuny nocy
07. Nienasycenie
08. Pośród zimna gwiazd
09. Na zawsze śmierć


Laufzeit: ca. 44 Minuten



Mittwoch, 11. Oktober 2017

Review: Zepharnecron - Necro Catacombs From The Ancient Paths (CD, Caligo Arcanum Productions - 2017)

Einmal mehr Mexiko... das Label Caligo Arcanum präsentiert uns mit "Necro catacombs from the Ancient Paths" eine Zusammenstellung auf CD des vollständigen Werkes von ZEPHARNECRON. Die Horde hat sich inzwischen aufgelöst und bestand auch nur von 2007 bis 2011, was eigentlich schade ist, da ihr Black Metal im Gegensatz zu so vielen anderen Bands aus diesen Breitengraden deutliches Potential erkennen ließ...






Die ersten beiden Lieder "Woods ov aeternus desolation" und "Master black light storm" stammen von der ersten Veröffentlichung der Band, der 3-Wege-Split "Pact ov Lycanthropy Blood" mit WOLFHERR aus Brasilien und NIHIÜRBTRATH aus Venezuela.  Der Opener ist dann auch eher depressiver und irgendwie typisch für konsequenten Suicide Black Metal - der Gesang ist hier jedoch alles andere als jämmerlich, sondern mehr voller Verachtung gegenüber dem eigenen Leben und allem anderen, was lebt. Ein überraschend guter Einstieg. Lied Nummer zwei gibt dann mehr Gas, scheint auf Grund des leicht veränderten Klangbildes auch aus einer anderen Schaffensperiode / Aufnahme-Session zu stammen. "Master black light storm" ist lupenreiner Underground Black Metal mit einer sehr hymnischen Atmosphäre, die auch etwas Okkultes an sich hat. Geknüppelt wird hier vorwiegend im Midtempo, ein schnelleres Tempo scheut man allerdings auch nicht. "Thy dwell in the darkest flames" und "Unholy chaos" sind der Split mit KRYPTHALL (ebenfalls aus Mexiko) entnommen und bieten ebenfalls räudigen Schwarzmetall, dem trotzdem eine gewisse Erhabenheit inne wohnt. Alleine daran erkennt man, dass diese Horde ihre Musik nicht einfach nur eingeprügelt hat, sondern einen Plan von dem hatte, was sie tat. Was nun folgt sind Aufnahmen, die von alten, sehr raren oder auch unveröffentlichten Demos stammen und welche über die gesamte aktive Zeit der Band eingespielt wurden. Die Klangqualität schwankt dementsprechend auch von Lied zu Lied, klingt mal übersteuert und manchmal auch einfach zu stumpf in der Aufnahme - Freunde von unverfälschten Rehearsal-Aufnahmen dürften hier aber voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

Fazit:
Die Zusammenstellung "Necro catacombs from the ancient paths" ist ein mehr als stolzer Nachruf an diese leider aufgelöste Band aus Mexiko, die hier ihr gesamtes Portfolio bis zu ihrer Trennung darbieten. Kann sich verdammt noch einmal hören lassen und ist gehaltvoller als so vieles andere, was ich bisher aus Mexiko ertragen musste. Die CD kommt als Pro-CDr im Jewelcase und ist auf 100 hand-nummierte Exemplare limitiert. Wenn ihr das Album also noch irgendwo sichten solltet, zögert nicht lange, sondern greift zu... es lohnt!

ZEPHARNECRON are dead. Long live ZEPHARNECRON! Ein düsteres Vermächtnis par excellence!


Darbietungen:
01. Woods ov aeternus desolation
02. Master Black Light Storm
03. Thy dwell in the darkest flames
04. Unholy Chaos
05. Awaiting for the black dream
06. Black essence ov serpentis pestilence
07. Prayers
08. Reaper Of The Faith II
09. Advokun aquelarre
10. On spectris damnation
11. Wolves sorrow
12. Crossing the aeterious fire
13. Frozen inferi
14. Oblivion
15. When Our Visions Are Cold Ov Death

Laufzeit: 77 Minuten



Review: Tempers Creature - Schwäbisch-Fränkischer Sagenschatz (Lieder aus bayerischen Landen) (CD, Wolfmond Production - 2017)

Das Duo TEMPERS CREATURE existiert nun seit knapp 10 Jahren (die Gründung fand 2008 statt). 2011 folgte das Debüt "Thanatos", welchem eine Demo-Präsentation vorausging und dem im Laufe der Jahre noch zwei weitere Voll-Alben folgten, sowie eine Split mit ERDENTHRAENE. Genügend Stoff, um auf sich aufmerksam zu machen, ist also vorhanden - trotzdem sagte mir die Kapelle bis zu hier vorliegendem Werk absolut überhaupt nichts.






Das mittlerweile vierte Album der Mannen nennt sich "Schwäbisch-Fränkischer Sagenschatz (Lieder aus bayerischen Landen)" und lässt vermuten, dass es sich hier um volkstümliche Texte und Melodien handelt, die hier vertont und neu interpretiert wurden. Zum Teil ist trifft dies auch zu: so stammt gleich der Text zu "Der alte Barbarossa" aus der Feder des deutschen Dichters Friedrich Rückert (1788 - 1866), genau wie die Rieser Sagen und Volksmärchen "Der Schmied vom Niederhaus" und "D' Schnitere" oder das von dem deutschen Lyriker Graf Christian zu Stolberg-Stolberg (1748 - 1821) inspirierte Stück "Die weiße Frau von Bayreuth". In musikalischer Hinsicht vermischen TEMPERS CREATURE verschiedene Einflüsse zu einem ganz eigenen Stil. Die Band selbst benannte ihren Stil einmal selbst "Atmospheric Suedian Depressive Heathen Metal" und das passt auch irgendwie, wenn es der Sache auch nur zum Teil gerecht wird. Das erste Lied ist eher dem Folklore zuzuordnen und erinnert in seiner Machart ein wenig an EMPYRIUM's Werk "Where at Night the Wood Grouse Plays" oder im Gesang teilweise auch an "Weiland". Der erste wirkliche Metal-Song präsentiert sich in "Fiarlesfiaß". Die Musik ist minimalistisch produziert, offenbart aber gleich einmal die wichtigsten Elemente, die man im Verlauf des Albums noch öfter antreffen wird: hymnische und erhabene Melodiebögen, die sich mit räudigen und schnellen Passagen abwechseln. Der keifende Gesang erinnert hier etwas an andere deutsche Horden vom Schlage WOLFSMOND (und Bands, die mit diesem Projekt zusammenhängen) oder RAUHNACHT. Das bereits erwähnte "D' Schnitere" bietet indes wieder einige musikalische Anleihen an den nostaligisch-romantischen Dark Metal, während "Der Schmied vom Niederhaus" eher einen sehr räudigen und kompromisslosen Stil inne hat, der im Gesang wie auch in den Instrumenten beinahe typisch für Vertreter des NSBM klingt, wenn gleich TEMPERS CREATURE natürlich absolut nichts Politisch-Extremes an sich haben und trotz ihres deutlichen Patriotismus ganz klar nicht in eine rechts-extreme Ecke zu stellen sind! Es gibt einen Unterschied zwischen Heimatliebe und Nationalsozialismus, auch wenn das einige Gutmenschen vielleicht nicht wahrhaben wollen. Der "Kirchseeoner Perchtenlauf" handelt textlich gesehen von einer alten Tradition aus den südlichen Gefilden Deutschland sowie Österreichs, welches auch heute noch als Volksfest in der Zeit der Rauhnächte gefeiert und begangen wird. Franz Kugler's Text "An der Saale hellem Strande" wurde zu einer düsteren Folk-Hymne mit Metal-Elementen und abschließendem Chor. Den in seiner Darbietung wohl reinrassigsten Black Metal bietet man bis dahin jedoch mit "Die weiße Frau von Bayreuth". Hier geben sich hymnisches Midtempo und rasende Verzweiflung die Klinke in die Hand. Dieser Stil wird dann auch bei "Der Teufelstisch" fortgesetzt. "Hämann" beschäftigt sich mit der Sage um den Hämann, einen Wildling, der auf dem Döbra in Frankenwald gelebt haben soll. Daraus geworden ist eine sehr gute Heathen Black Metal-Hymne, inklusive erhabenem Solo. Mit "Pulschnitzglitzern" folgt der letzte eigene Song - eine Liebeserklärung an Bayern und seine Alpenlandschaften. "Ein Heimatlied" ist eine Nachspielversion der Niederländer HEIDEVOLK und basiert auf deren Lied "Een Geldersch lied" (zu finden auf dem Album "Uit oude grond"), wurde übersetzt und im Text angepasst. Den Schluss bildet wieder ein gemischter episch erklingender Chor. Würdiger hätte dieses Album wohl kaum enden können!

Fazit:
Beim ersten Durchlauf hatte ich noch so meine Zweifel, ob mir das wirklich gefallen könnte, nun rotiert die Scheibe bereits seit einigen Malen in meiner Anlage und ich muss sagen, dass ich doch ziemlich angetan von der Art dieser beiden Herren. Natürlich muss man bedenken, dass es sich hier um ein Werk aus dem Untergrund handelt, daher sollte man auch keine allzu großen Ansprüche an die Produktion hegen. Auch nicht alle Beiträge des Albums zünden, sondern sind eher schon etwas nervig - vor allem der recht eigenwillige Gesang wird nicht jedem gefallen. Auch der ganz eigene Stil von Aurgelmir (Gesang, Saiteninstrumente, Keyboard) und Náttfari (Schlagwerk) wird nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen, da bin ich mir sicher. Letztendlich ist den beiden aber ein meiner Meinung nach insgesamt sehr starkes Werk gelungen, welches von seiner Nostalgie und romantischen Heimatverbundenheit lebt. Aurgelmir's Definition von eben jener ging mir persönlich auch sehr nahe und bedarf eigentlich keiner weiteren Worte. Pro-CDr im Digipak, welches ein 12-seitiges Beiheft mit allen Texten und Illustrationen und Erläuterungen enthält. Leider hält das Digipak keinen Einleger für das Beiheft bereit, so dass es lose drin liegt - ein verschmerzbarer Schönheitsfehler. Für 10,- Euronnen könnt ihr euch die CD im Mailorder von Wolfmond Production bestellen.

TEMPERS CREATURE zelebrieren mehr als nur Musik. Sie stehen für ein Gefühl von Heimat und Verbundenheit, jenseits politischer Idiotie. Vielleicht genau das, was in dieser Zeit der innerlichen Zerrissenheit von Nöten ist.


Darbietungen:
01. Der alte Barbarossa
02. Fiarlesfiaß
03. Der Schmied vom Niederhaus
04. D' Schnitere
05. Kirchseeoner Perchtenlauf
06. An der Saale hellem Strande
07. Die weiße Frau von Bayreuth
08. Der Teufelstisch
09. Hämann
10. Pulschnitzglitzern
11. Bonusstück: Heimatlied (HEIDEVOLK Cover)

Laufzeit: 66 Minuten