Dienstag, 1. August 2017

Vorab-Review: Totensucht - Leitbild & Teufelswerk (CD, Wolfmond Production - 2017) - Teil 2

Der zweite Teil der als Gesamt-Rezension zu betrachtenden TOTENSUCHT-Besprechung widmet sich nun dem Album "Teufelswerk (Compilation of Confusion)", welches bereits 2013 komponiert wurde, aber nun nachträglich erst eingespielt wurde. Man sieht es bereits am eigentlichen Datum: auch dieses Werk war genau wie "Leitbild" noch vor dem eigentlichen Debüt-Album angedacht. Dies hängt wohl zum größten Teil damit zusammen, dass das die Band 2014 notgedrungen zu einem Solo-Projekt transformierte, und so die Aufnahmen erst einmal auf Eis lagen. Darüber hinaus hatte man mit seinem sehr experimentierfreudigen "Leitbild" ja schon nicht viel Glück bei Labels...


Nun, jene Labels, die TOTENSUCHT wohl mangels Interesses damals ablehnten, werden sich wohl aus heutiger Sicht extrem in den Arsch treten, denn meiner Meinung nach nimmt diese Ein-Mann-Kapelle im deutschen Underground eine absolute Ausnahmestellung ein. Innovativ, wie man Black Metal selten hört, gerade aus den untergründigen Gefilden - dabei zeigt sich Keltor jedoch auch durchaus traditionsbewusst. So verkommt die Musik auch nie zum Mittel zum Zwecks und stellt eher eine Hommage dar, als den Kult mit Füßen zu treten. Daran sollten sich so ein paar dieser hoch gefeierten BM-Revival-Bands heutzutage ein Beispiel nehmen. Aber wie schon erwähnt, das ist meine Meinung.

Wie steht es nun aber wirklich um dieses Album? Nun, mit "Teufelswerk" präsentiert TOTENSUCHT zunächst einmal ein Werk, welches auf den ersten Blick wesentlich mehr direkten Black Metal bietet und daher auch etwas leichter zugänglicher für Puristen erscheint. In der Tat zeigt man sich hier ein wenig eingängiger, was den Stil anbelangt, wenngleich natürlich das dargebotene Schwarzmetall sehr atmosphärischer Natur ist. Das zeigt sich auch gleich beim ersten Lied "The Hope is the First": epische Sphären paaren sich hier mit einer nihilstischen Grundstimmung, erneut muss man hier auch einfach die instrumentale Darbietung würdigen, die aus den limitierten Mitteln ein Maximum an Emotionen heraus holt. So finden sich hier wieder zahlreiche Tempowechsel und gezielte Breaks, die dem Stück die nötige Abwechslung verleihen, inklusive akustischem Zwischenspiel und anschließendem erhabenen Epik-Part, der sogar ein wenig in DSBM-Gefilde abgleitet im Gesang, bevor es wieder harsch nach vorne drescht. Auch "Die Rückkehr auf Sensus" steht dem in nichts nach und legt gar noch etwas an Geschwindigkeit zu, doch auch hier lassen sich wieder viele Details finden, die von der Hingabe zur Musik und zur Freiheit der Gedanken zeugen, die Glockenspiele gegen Ende sind da wohl besonders erwähnenswert, da sie doch recht ungewöhnlich sind. "Tanz der (Mi)Mösen" hat den Charakter einer persönlichen Abrechnung inne, und "Psycho Neumond" wandelt sich nach einem psychedelischen Beginn zu einem kompromisslosen Black Metal-Song, der mit zweistimmigem Gesang aufwartet. Ambient wird es dann am Anfang von "Conatum ad Videre", welches von einem Klavierspiel eingeleitet wird und in einen sehr rockigen schwarz angehauchten Metal übergeht, doch gerade in dem Riffing der Gitarren sehr viel Heavy Metal erkennen lässt. Die Gesellschafts- und Sozialkritik aus "Leitbild" kommt auch hier wieder zu tragen, wenn man da sich da etwa "The Walking Dead" anhört - präsent ist sie aber allgemein in dem Werk. Zum Abschluss geht es dann mit "Radjebalges" in Richtung Folklore und vermixt dies mit, für diese Thematik passend, typisch nordischen Black Metal.

Fazit:
"Teufelswerk" ist definitiv anders als "Leitbild". War das erst genannte Werk noch von einer gewissen Punk-Attitüde geprägt, so findet sich dieses Stilmittel in hier vorliegendem Album nicht wieder. Hier herrscht eher eingängiger Black Metal vor, der sich aber typisch für diese Band alles andere als gewöhnlich gibt. Die Musik ist gleichzeitig räudig, dann aber wieder verspielt und voller Details, die es zu entdecken gilt. Traumwandlerische Atmosphären paaren sich nicht selten mit Pest ausspeienden Hasstiraden. Die CD erscheint ebenso wie "Leitbild" aller Voraussicht nach im Laufe der nächsten zwei Wochen. Sie wird in einer Kartonstecktasche ausgeliefert und wird auf lediglich 50 Exemplare limitiert sein - schnell sein ist also alles. Preislich gehe ich auch mal wieder von den üblichen 5,- bis max. 8,- Euronnen aus. Bestellungen können direkt an Wolfmond Production entrichtet werden, sobald das Werk erhältlich ist.

Innovatives, alles andere als gewöhnliches Black Metal-Werk aus dem deutschen Underground. Trifft nicht ganz die Klasse von "Leitbild" in meinen Augen, ist aber immer noch mehr als empfehlenswert!


Darbietungen:
01. The Hope is the First
02. Die Rückkehr auf Sensus
03. Gilded Port
04. Tanz der (Mi)Mösen
05. Psycho Neumond
06. Conatum ad Videre
07. Der falsche Sadismus
08. Blutseuche
09. Slave in Heaven, God in Hell
10. The Walking Dead
11. Radjebalges

Laufzeit: ca. 65 Minuten




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