Freitag, 29. April 2016

Review: Utstøtt - Hjørungavågr (Digitales Album - 2015)

Bei der Band mit dem äußerst nordischen Namen handelt es sich wider Erwarten nicht um eine norwegische Kapelle, sondern um ein Projekt aus Amiland, welches aus zwei Leuten besteht und sich thematisch mit norwegischer Folklore auseinandersetzt. Musikalisch schlägt man dabei atmosphärische Töne an und folgt den Pfaden von Bands wie den Landsleuten CALADAN BROOD, SUMMONING aus Österreich oder MYSTIC SHADOWS aus Brasilien.






Klar, dass auch UTSTØTT nicht an dem Vergleich mit den Urvätern des atmosphärisch-hymnischen Black Metals SUMMONING vorbei kommen. Die musikalischen Vorbilder werden auch gar nicht erst verleugnet, ganz im Gegenteil wird dieser Stil hier ausgiebig zelebriert. Epische Atmosphären, ausgedehnte Klangwelten - das ist genau das, was diese spezielle Unterart des Schwarzmetall ausmachen sollte. Dabei klingen die beiden Herren mit ihrer Musik noch erfreulich ungeschliffen und bieten allein mit ihrem ersten Lied mehr Black Metal als SUMMONING auf ihrem gesamten letzten Album. Daher orientiert man sich wohl auch eher an den bereits erwähnten Landsleuten von CALADAN BROOD, die zwar mit ihrem großartigen - immerhin schon knappe drei Jahre altem - Debüt-Album "Echoes of Battle" eine wesentlich fettere und saubere Produktion aufweisen können, aber nichtsdestotrotz lassen sich beide Werke von ihren Grundprinzipien sehr gut vergleichen. Die Lieder auf "Hjørungavågr" weisen allesamt Überlänge auf, der kürzeste Beitrag geht gerade einmal vier Minuten und 18 Sekunden, der längste über 11 Minuten. Zwei Lieder sind auch rein instrumental gehalten. Eingefangen werden viele verschiedene Stimmungen: die ersten Lieder sind eher kämpferischer Natur und gleichen Kriegshymnen, dann wird es allmählich etwas verzweifelter und melancholischer, getragener und sphärischer. So beschreibt das Album als Ganzes auch die Geschichte eines heidnischen Kriegers, die in der Seeschlacht zu Hjørungavågr beginnt, ihn bis zu seinem Tod begleitet und ihn schließlich auf seiner Reise durch Freyja's Reich Folkvangr begleitet.

Fazit:
Ein lohnenswertes Album! Selten spreche ich für digitale Medien eine Kaufempfehlung aus, aber in diesem Fall sollte man die Band wirklich durch die Investition von ein paar Kröten unterstützen. Wer zunächst einmal reinhören möchte, kann das auf der offiziellen Bandcamp-Präsenz von UTSTØTT gerne tun. Dort kann man auch das Album in seiner digitalen Form, sowie eine frühere EP herunterladen - wenn man mag, auch kostenfrei. Das Album wurde neben der digitalen Version auch auf CD aufgelegt - diese wurde von Celestial Oak Productions aus Amiland in einem schicken Digipak veröffentlicht.

Ein großartiges, atmosphärisch dichtes Epic Black Metal-Machwerk. Meine Empfehlung!


Darbietungen:
01. Hjørungavågr
02. Hagl over stekende skip
03. Skrotter under bølgene
04. En hedensk død
05. Etterlivet
06. Skjønnhet av Fólkvangr
07. Storsalen av eik
08. Klippene over og skogen under
09. Uskadd ved menneskeheten


Laufzeit: ca. 70 Minuten

Donnerstag, 28. April 2016

Review: Neige et Noirceur & Daughters of Sophia - Ascension Split (CD, Obscure Abhorrence Productions - 2016)

Aus dem Hause der deutschen Tonschmiede Obscure Abhorrence stammt die neueste Split-Veröffentlichung der beiden Bands NEIGE ET NOIRCEUR aus Québec, Kanada und DAUGHTERS OF SOPHIA aus Frankreich. Erst genannte kenne ich allerdings auch nur von ihrer Split mit MONARQUE, die damals ebenfalls bei Obscure Abhorrence erschien. Der Franzose ist mir mit seinem letzten Werk allerdings noch gut im Gedächtnis geblieben, konnte es mich doch durchaus überzeugen.





Gut, Splits sind ja immer solch eine Sache... manchmal hat man schon den Eindruck, als ob da wahllos mal zwei EPs aus Kostengründen zusammengelegt werden, von Bands, die in dieser Konstellation so überhaupt nicht zusammenpassen wollen. Dann gibt es aber auch immer noch diese Veröffentlichungen, die den Namen 'Split' auch wirklich verdient haben, bei denen sich die Labels oder die Bands selbst oder im günstigsten Fall sogar alle zusammen wirkliche Gedanken gemacht haben. "Ascension" reiht sich da (mit Abstrichen) in zweite Kategorie ein. Präsentiert werden insgesamt vier Lieder, wobei die Kanadier die ersten zwei darbieten und der Franzmann die letzten beiden Beiträge stellt.

Beginnen wir mit "Automne Astral", dem ersten Lied von NEIGE ET NOIRCEUR. Dieser beginnt mit einem Flüstern, unterlegt mit einer akustischen Gitarre, langsam vernimmt man vereinzelte Schreie im Hintergrund, die aus tiefen Wäldern zu stammen scheinen. Das hat irgendwie etwas von EMPYRIUM, wie ich finde. Nach guten fünf Minuten dann aber der Umschwung und das ganze Klangbild geht in eine sehr schwarzmetallische Richtung, die im weiteren Verlauf oberflächlich betrachtet etwas chaotisch anmutet, was mich an die letzte NIGHTBRINGER Platte denken lässt. Doch steckt hinter diesem Chaos ein System, eine klare Linie. Die Atmosphäre schwankt zwischen Melancholie, Naturverbundenheit, Erhabenheit und Okkultismus. Die Instrumente sind gut gespielt und verleihen dem ganzen eine ergreifende Stimmung. Und so endet "Automne Astral" nach knappen 13 Minuten auch wieder so, wie er begonnen hat. "Hiver 1898" wandelt sich nach dem kurzen elektronischen Einspieler am Anfang zu einem verträumten Neo Folk-Song, der mit flüsterndem Sprechgesang unterlegt ist und dabei abermals stark an die Werke von EMPYRIUM erinnert. Nach fünf Minuten gesellt sich dann eine verzerrte E-Gitarre hinzu und hebt das Ganze in Sphären, die jenseits von Gut und Böse liegen. Fast schon als psychedelisch zu bezeichnen.

Die beiden Titel von DAUGHTERS OF SOPHIA sind unter dem Arbeitstitel "Qulielfi (19.0)" zusammengefasst und rein instrumentaler Natur. "Orchestration Océanique" geht mit seinen über 13 Minuten Spielzeit schon in die Vollen und bietet erhabenen und hymnischen Black Metal, der nicht selten an die Landsleute von ALCEST auf ihrem Album "Écailles de lune" erinnert. Ein Lied, welches seinen Titel auch ein bisschen zu Recht trägt, da hier einem wirklich Bilder von wilden und stürmischen Wässern vor dem geistigen Auge auftauchen können. Sogar den Gesang vermisse ich hier nicht wirklich. "Déluge 218" bildet den krönenden Abschluss und beginnt auch etwas melancholisch, einem Abschied gleich. Allerdings muss ich hier sagen, dass es durch den fehlenden Gesang schon etwas in die Länge gezogen wirkt und durch den abrupten, ungewollt wirkenden Abbruch hinterlässt das Ganze eher einen halbgaren und unfertigen Eindruck bei mir.

Fazit:
Insgesamt bleibt hier doch eine tolle Split-CD zweier sehr guter atmosphärischer Black Metal-Bands, wobei NEIGE ET NOIRCEUR eindeutig die Fraktion mit Hang zur Folklore ansprechen, während DAUGHTERS OF SOPHIA eher die Anhänger von atmosphärischen Post Black Metal-Klängen ansprechen dürfte. Von den beiden Herren aus Québec bin ich auch angenehm überrascht, da ich ihre Musik bis auf erwähnte Split mit MONARQUE gar nicht kenne, während ich von dem Franzosen etwas enttäuscht bin - hier habe ich mir nach dem sehr guten letzten Album eindeutig mehr erhofft. Neben der CD ist das Werk auch auf Vinyl erhältlich und am besten direkt über Obscure Abhorrence zu beziehen.

Solide Split mit zwei recht unterschiedlichen Bands, die allerdings auch einige Schwächen aufweist.


Darbietungen:
Neige et Noirceur
01. Automne Astral
02. Hiver 1898
Daughters of Sophia
03. Orchestration Océanique
04. Déluge 218

Laufzeit: ca. 39 Minuten

Samstag, 23. April 2016

Review: Nécropole - Nécropole (CD, Northern Heritage - 2016)

Mal wieder Black Metal aus Frankreich. NÉCROPOLE existiert seit 2013 und aus drei Leuten zusammen (mittlerweile sind es nur noch zwei). Diese CD wiederum stellt eine Zusammenstellung der beiden bisherigen Demos "Atavisme..." und "Ostara" dar. Veröffentlicht wurde unter dem Banner der finnischen Schmiede Northern Heritage. Damit wäre diese Band neben PESTE NOIRE die zweite Franzmann-Kombo, die Northern Heritage bislang veröffentlicht haben.






Immerhin steht das Label ja mittlerweile für eine gewisse Qualität im Untergrund-Sektor: DEATHSPELL OMEGA, BAPTISM, KADOTUS, MGLA, PHLEGEIN oder auch SATANIC WARMASTER (ich oute mich nun als Anhänger diverser Werke des Finnen) haben in der Vergangenheit dort veröffentlicht oder lassen ihre Werke sogar heute noch unter dem Banner von NH produzieren. Aber darum geht es jetzt und hier ja auch gar nicht.

Kommen wir also zur vorliegenden CD: die Franzosen NÉCROPOLE liefern hier etwas ab, was ich schon längere Zeit aus dem französischen Raum nicht mehr vernommen habe. Unkonventionelle, okkulte Schwarzmetall-Atmosphäre, die einfach auf alles scheißt. Keine Trends. Keine Kinderkacke. Keine Experimente. Keine Kompromisse. Schlicht und ergreifend Black Metal, der keine Zugeständnisse macht. Mystisch, geisterhaft, erhaben und majestätisch sind ebenso Begriffe wie misanthropisch, kalt, okkult und auch desolat, die mir auf Anhieb beim hören in den Sinn kommen. Die ersten drei Lieder, welche von der "Atavisme..." Demo stammen sind da noch eher simpel gehalten, besitzen aber trotzdem das gewisse Etwas. Diesen Spirit. Den wahren Geist. Mit den Liedern von "Ostara" merkt man dann auch, dass es sich hier um ein anderes Werk handeln muss, da man eine deutliche Steigerung an den Instrumenten erkennen kann, auch bewegt man sich hier zuhauf im schnelleren Midtempo und kann mit einer dichten Atmosphäre punkten.

Fazit:
Diese Zusammenstellung zweier alter Demo-Werke der mir bisher völlig unbekannten Band kann sich mehr als nur hören lassen und vermag es, den Geist alter Legion Noir-Zeiten einzufangen, ohne diesen primitiven Stil zu kopieren. Es gibt sie noch im Underground: die Erben der 90er in Frankreich... man muss sie nur suchen. Deutsche Interessenten sollten sich zwecks einer Anschaffung am besten an Amor Fati Productions oder an Iron Bonehead wenden, die beide das Werk in ihren Shops haben.

Mystisch-erhabener Schwarzmetall aus Frankreich. Unbedingt empfehlenswert!


Darbietungen:
01. Le Ver Immonde
02. Perdition de l'Atavisme Cristallin
03. Souveraineté du Maudit
04. Immanence
05. Trahison Fratricide
06. Nécropole

Laufzeit: ca. 44 Minuten

Nostalgie-Review: Ophthalamia - To Elishia (CD, Necropolis Records - 1997)

Anno 1997 veröffentlichte die schwedische Kombo OPHTHALAMIA, ein Projekt, welches sich aus ganz unterschiedlichen Musikern der (damaligen) nationalen 'Szene' zusammensetzte, diese Zusammenstellung aus bekannten Songs der letzten beiden Alben "A Journey in Darkness" und "Via Dolorosa". Das Besondere, und damit auch der Grund, warum ich mich für diese Nostalgie-Rezension für ausgerechnet diese Scheibe entschieden habe, ist einfach der, da die Aufnahmen allesamt aus Rehearsal-Session stammen, mit wechselnder Besetzung und Aufnahme-Qualität - den Stücken wurde quasi ein ganz neues Gesicht auf "To Elishia" gegeben...


Aber zunächst einmal noch ein wenig über die Hintergründe des Projektes. OPHTHALAMIA setzte sich vom Grundaufbau her aus den beiden ehemaligen ABRUPTUM- und WAR-Mitgliedern It und All, sowie dem Schlagzeuger Mourning zusammen. Ab "Via Dolorosa" war dann auch Night (Emil Nödtveidt, der jüngere Bruder des inzwischen verstorbenen Jon Nödtveidt), welcher damals auch Gitarrist der Band SWORDMASTER war und heute im Industrial/Goth Rock heimisch ist mit seiner Band DEATHSTARS, mit von der Partie. Von Album zu Album gab es aber auch teils wechselnde Besetzungen und Gastauftritte, u.a. von Legion (MARDUK), Shadow und Bone (DISSECTION) oder Winter (EDGE OF SANITY). Das führte allerdings auch dazu, dass die Band nie wirklich über den Status eines reinen Projektes hinaus wuchs. Interessant ist auch, dass bis auf Legion alle Musiker unter anderen Pseudonymen als die bekannten auftreten. Einige der genannten Musiker sind auch in verschiedenen Sessions auf diesem Tonträger zu hören, welches sich über einen Zeitraum von 1990 - 1994 erstrecken. Der Name der Band geht auf das Fantasy-Reich Ophthalamia zurück, welches von It erdacht wurde. Elishia ist die oberste Göttin. Es existiert auch eine eigene Sprache mit Schriftzeichen, die beide auch vereinzelt in den Werken Verwendung finden.

Die Musik an sich ist hier nicht, wie man es vielleicht von der Band gewohnt ist. OPHTHALAMIA ist für viele ohnehin ein unbeschriebenes Blatt, wie meine Erfahrungen im Bekanntenkreis zeigen. Gehört hat man den Namen vielleicht einmal, aber wirklich damit auseinander gesetzt scheinen sich die wenigstens wirklich zu haben. Oder aber diejenigen, die die Band kennen, können mit der Musik einfach nichts anfangen, was mir persönlich ziemlich schleierhaft ist. Musikalisch sind OPHTHALAMIA über jeden Zweifel erhaben: Melodisch, erhaben, kämpferisch, hymnisch oder nihilistisch minimal - diese Gruppe deckte ein ziemlich weites Spektrum des Black Metal und vor allem von emotionalen Eindrücken ab. Das war / ist vielleicht auch gerade das Problem - die Musik lässt sich schwer in eine Schublade packen und allgemein waren die Werke (vor allem "Via Dolorosa") ihrer Zeit weit voraus. Was man damals in einem Mix aus typisch schwedischem Black Metal und klassischem Heavy Metal mit progressiven und psychedelischen Einflüssen präsentierte, war damals gewagt - heute ist das in manchen Kreisen mehr als angesagt. So wies die Band Parallelen zu DISSECTION genauso auf wie zu (alten) MARDUK, BLACK SABBATH, IRON MAIDEN und THE DOORS. Das ist auch auf dieser Compilation spürbar, die zwar alles andere als professionell aufgenommen wurde, sprich ein wirkliches raues Klanggewand trägt, einen nihilistischen Flair versprüht und gar den einen oder anderen instrumentalen Verpatzer und Verspieler beinhaltet, aber trotzdem - oder aber gerade deshalb, einen unglaublich authentischen Charme vermittelt.

OPHTHALAMIA existierte als Projekt-Band von 1989 an und löste sich kurz nach der Aufnahme des letzten Albums "Dominion" und noch vor dessen Veröffentlichung im Jahr 19998. Indes lässt sich die CD "To Elishia" vereinzelt noch auf verschiedenen Verkaufs-Portalen im Netz finden, mal mehr, mal weniger teuer. Solltet ihr es irgendwo ergattern, empfehle ich, direkt die beiden Werke "A Journey in Darkness" (bzw. auch die Neuaufnahme / Neuinterpretation "A Long Journey aus dem Jahre 1998 - es lohnt sich beide zu kaufen!) und "Via Dolorosa" mit einzusacken. Die beiden Alben sind auch inzwischen neu aufgelegt worden und sollten daher ohne Probleme überall erhältlich sein.


01. A Cry from the Halls of Blood / Empire of Lost Dreams
02. A Lonely Ceremony / The Eternal Walk
03. Journey in Darkness / Entering the Forest
04. Castle of No Repair / From a Blackened Heart
05. Shores of Kaa-Ta-Nu / The Eternal Walk (Part II)
06. Nightfall of Mother Earth / Summer Distress
07. Enter the Darkest Thoughts of the Chosen / Agony's Silent Paradise
08. Deathcrush (Mayhem Cover)
09. Sacrifice (Bathory Cover)
10. I Summon Thee Father / Death Embrace Me


Freitag, 22. April 2016

Review: Sale Freux - Demain, dès l'aube... (CD, France d'Oil Productions - 2016)

Die im Januar veröffentlichte CD EP von SALE FREUX wurde im Alleingang von Dunkel eingespielt und beinhaltet zwei Lieder, die lyrisch auf Gedichten zweier bedeutender französischer Lyriker: Victor Hugo und Alphonse de Lamartine.










Die Texte sind in ihrem ursprünglichen Zustand belassen, soweit ich das sagen kann, die Musik wurde im Jahr 2014 von Dunkel geschrieben und eingespielt. Beide Stücke können darüber hinaus mit einer beachtlichen Länge aufwarten, so dass der poetische Flair der geschriebenen Worte direkt ins Musikalische übertragen wird. Die instrumentale Interpretation von Victor Hugo's "Demain, dès l'aube..." (so viel wie "Morgen, schon...") ist eher trist gehalten, fast ein wenig depressiv. Schließlich geht es in dem Gedicht auch um den Tod eines geliebten Menschen und die Verarbeitung des selbigen. So ist auch immer ein Gefühl von Einsamkeit in jeder Sekunde spürbar. Momente an der Akustikgitarre unterstreichen die Atmosphäre und machen das Stück zu einem der besten, die ich bisher von SALE FREUX gehört habe. Das zweite Lied beschäftigt sich mit "L'isolement" (kurz: "Isolation") aus der Feder von Alphonse de Lamartine (im Beiheft wurde doch tatsächlich ein Buchstabe außen vor gelassen). Gleich zu Anfang des rund 23-minütigen Stückes wird klar, dass man hier eine etwas andere Richtung einschlägt. Spontan kamen mir beim hören NARGAROTH mit ihrem "Geliebte des Regens" in den Sinn. Hier geht es sehr atmosphärisch, melancholisch und ja, auch etwas erhaben zur Sache. Fast schon episch zu nennende Gitarrenparts wechseln sich mit tristen Momenten ab, die eine tiefe Sehnsucht atmen. Nicht viele Lieder schaffen es, das Gefühl von gewollter Einsamkeit wirklich tiefgreifend zu erfassen, doch dieses hier zählt eindeutig dazu.

Fazit:
SALE FREUX' "Demain, dès l'aube..." ist ein kleines Meisterwerk, mehr bleibt eigentlich nicht zu sagen. Wer von Schwarzmetall mehr erwartet als Standard-Atmosphäre, -Musik und -Thematik, der ist mit diesem Mini-Album mehr als gut bedient. Emotional, tiefgründig, selbstreflektierend. Und Herr Dunkel's Gesang macht einmal wieder deutlich, dass die Band ihren Namen nicht ohne Grund trägt. Genial! Die CD kann über den Kontakt von France d'Oil Productions aus Frankreich erworben werden.

Unbedingt empfehlenswert - Gefühlsbetonter Black Metal für Leute, die das Fühlen noch nicht verlernt haben!


Darbietungen:
01. Demain, dès l'aube...
02. L'isolement

Laufzeit: ca. 32 Minuten

Donnerstag, 21. April 2016

Review: J'ai si froid... - J'ai si froid... (CD, Eigenproduktion)

Mit ihrer Band präsentieren uns die beiden Protagonisten Dunkel (SALE FREUX) und Brouillard (BROUILLARD) ein gemeinsames Projekt, welches im Jahr 20009 gegründet wurde, aber erst im vergangenen Jahr wurde das hier vorliegende Debüt veröffentlicht. Was es kann, und ob es womöglich genau so klingt wie die beiden Hauptprojekte des Duos lest ihr im folgenden...






J'AI SI FROID... ist der Name, und dieser Name ist absolut Programm. "I'm so cold" ist nämlich genau das: instrumental dargebotene Kälte, gepresst auf einen Silberling, der in einer hübschen Digi-Hülle haust. Das mehrseitige Beiheft beinhaltet die Titel mit einem Text und, wie die Hülle an sich, Impressionen von winterlichen, kargen Landschaften. Alles gehalten in einem kalten, aber natürlichen Blau-ton. Musikalisch gesehen wird es natürlich auch wieder recht atmosphärisch, was bei der Aufmachung und vor allem auch bei den Beteiligten nicht weiter verwunderlich sein dürfte. Jedoch sollte man J'AI SI FROID... nicht einfach als ein weiteres Projekt abtun - mit diesem vorschnellen Urteil würde man der Musik in keinster Weise gerecht werden. Im Gegensatz zu den Hauptgruppen der beiden Streiter ist dieses Werk nämlich weniger vom französischen Stil, denn eher vom norwegischen Schwarzmetall der Mitt-90er geprägt. Parallelen zu BURZUM sind nicht von der Hand zu weisen, aber die Franzmänner verstehen es auch, dem Ganzen eine eigene Note zu verleihen. Etwas Dark Ambient im Stile von bspw. VINTERRIKET aus Deutschland lässt sich ebenso ausmachen.

Fazit:
Ein sehr hörenswertes Album und bedenkt man, dass es sich hier um ein Debüt-Werk eines relativ jungen Projektes handelt, wenn auch die Beteiligten schon einiges aufweisen können, ist das doch recht beachtlich. Das schicke Digipak kommt in einer Auflage von 500 Exemplaren daher und kann meines Wissens nach ausschließlich über das Label von Dunkel - France d'Oil Productions bezogen werden.

Französisches Werk mit nordischer Prägung. Kaufen!


Darbietungen:
01. Première neige
02. J'ai si froid
03. Transi dans mon cocon
04. Manteau de neige
05. Hibernacle

Laufzeit: ca. 46 Minuten

Review: Sale Freux - Crèvecœur (CD, France d'Oil Productions - 2015)

Lange ist es her, seit dem sich ein Album aus der Feder des Franzosen Dunkel in diesen Reihen wiederfand. SALE FREUX haben ja in letzter Zeit wieder vermehrt Sachen veröffentlicht, von denen sich die aktuelleren Sachen auch noch in künftigen Rezensionen finden lassen werden.








Genau der einleitenden Worte. Wer meine vergangenen Rezensionen zu den Alben "Subterraneus" und "La Mélancolie des pennes" gelesen hat, wird wissen, dass ich diese beiden Werke mit zum besten zähle, was der französische Untergrund in den letzten 15-20 Jahren hervorgebracht hat. Hinzu gesellen sich da lediglich eine knappe Handvoll anderer Bands und Alben. Nun also nach dem letzten, ich möchte schon fast sagen, genialen Isolationisten-Epos "L'Exil" aus dem Jahr 2012 und einer wirklich als nihilistisch einzustufenden LP-Split mit dem unbekannten Projekt ZÉPÜLKR (ebenfalls aus Frankreich) mit dem Namen "Les Fables Immorales et Fuites Improbables de Crapefreux en Morterat" aus dem Jahr 2013, folgt nun das neue Album "Crèvecœur". Das Album aus dem letzten Jahr ist mal sehr atmosphärisch ausgefallen, bewegt sich stilistisch irgendwo zwischen Isolation, Melancholie, Verzweiflung und Dunkelheit. Die Instrumente sind gut gespielt, wirken nichtsdestotrotz aber rau und unbändig. Zusammen mit den Fotos im Beiheft entstehen so Bilder im Kopf des Hörers von endlosen Weiten, Wäldern, Feldern, Bergen... ein Gefühl von unberührter Natur und menschenloser Schönheit. Ein Isolationist scheint Herr Dunkel auch irgendwie zu sein, so wie es im Beiheft herüber kommt. Aber ich glaube, auch nur solche Menschen sind im Stande, solch' ergreifende Musik zu erschaffen.

Fazit:
SALE FREUX zeigen hier einmal mehr, dass man immer noch mit dem französischen Schwarzmetall rechnen muss, und dass dieser immer noch mehr als vital ist. Fernab politischer Ideologien und fernab von Mainstream, wie man es beides so oft aus diesem Land erfährt. Allerdings wird "Crèvecœur" bei weitem nicht jedem gefallen, da gerade auch der sehr eigenwillige Gesang von Dunkel, der sehr gekrächzt und wütend keifend präsentiert wird, wohl manche eher abschrecken wird. Das ist alles andere als eingänglich oder leicht konsumierbar. Man muss sich auf dieses Werk einlassen, sich mit ihm beschäftigen, um ihm etwas abgewinnen zu können. Das Album ist direkt über das Label France d'Oil Productions erhältlich, die paar Euronnen Versand aus Frankreich sollte man also ruhigen Gewissens investieren.

Ein emotionales Black Metal-Album, welches sich vor allem an diejenigen richtet, die die Musik nicht nur hören, sondern auch fühlen - Sehr zu empfehlen!


Darbietungen:
01. La pluie du matin réjouit le pèlerin
02. Sois ton propre oiseau
03. Irancy
04. Les jours sans
05. Drache
06. Octobre
07. Crèvecœur
08. Vesper, ce dernier soir où je me noircirai comme un corbeau
09. La pluie du soir séduit le cafard


Laufzeit: ca. 67 Minuten

Review: Wulkanaz - Paúrpura Fræovíbôkôs (CD, Altare Productions - 2013)

Mal wieder Zeit für etwas Obskures... WULKANAZ ist ein weiteres Solo-Projekt des Schweden Kumulonimbus, einigen vielleicht besser bekannt von seiner Band TOMHET. Wie die jedoch klingt, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich diese tatsächlich noch nicht gehört habe (als mir ein Freund von berichtete, verwechselte ich die schwedischen TOMHET doch glatt mit dem Projekt aus Kanada, welches ich jedoch - um es nett auszudrücken - Scheiße finde).




Nun, da ich zu der eigentlichen Band nichts sagen kann, möchte ich mein Hauptaugenmerk auch direkt und ohne Umschweife auch auf WULKANAZ' zweites Voll-Album legen. Dieses erschien im Jahr 2013 - und zwar auf CD, Vinyl und Kassette. Die hier vorliegende CD haust in einem äußerst hübschen, wenn auch schlicht gehaltenen Digipak. Ein Beiheft gibt es nicht, obwohl für dieses ein Fach bereitstehen würde. Sei es drum. Kommen wir zum obskuren Teil der ganzen Angelegenheit: die endet nämlich nicht nur mit dem Cover, sondern legt sich vor allem in der Musik nieder. Die Titel, sowie die Texte selbst sind in einer Art Protogermanisch verfasst. Instrumental geht man auch weit über die Grenzen des eigentlichen Schwarzmetall hinaus. Bitte sowohl ambiente als auch schamanistische Züge, bietet mal rituell anmutende, dann aber auch wieder eher psychedelische Atmosphären. Der Black Metal könnte ranziger nicht sein und wirkt auf den ersten Augenblick einfach nur stümperhaft - doch mit zunehmenden Hörgängen wird klar, dass dieser raue, fast physisch destruktive Stil mehr als gewollt ist und aus Überzeugung heraus dargeboten wird. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, verwendet Kumulonimbus nicht nur Genre-typische Instrumente, sondern auch volkstümliches Equipment.

Fazit:
"Paúrpura Fræovíbôkôs" ist mitnichten ein leicht zugängliches Album, und erst recht keins, was man auf Anhieb mögen wird. Puristen sollten trotz der genrefremden Einflüsse einmal reinhören, da die Musik sich im Prinzip genau an die Anhänger des ursprünglichen Schwarzmetalls richtet. Das ist vielleicht aus instrumentaler Sicht nicht gegeben, aber diese Atmosphäre. Die Essenz dieses Werkes ist Black Metal durch und durch. Es wäre allerdings nicht schlecht, wenn man noch einen leichten Hang zum Obskuren hat. Die CD gibt es aus Deutschland aktuell noch bei Amor Fati Productions zu erwerben. Iron Bonehead haben auch noch zwei weitere Alben im Laden stehen (auf CD und LP).

Gewiss kein Album, welches auf Anhieb zündet. Wenn aber, dann richtig! Musik, nur für diese gewissen dunklen Stunden.


Darbietungen:
01. Erþo Upanaz - Jaúrhtjawúrts / Haifstjan Dauri Diupiþa
02. Ôgan
03. Aggwiz Agisiz
04. Gadiliggs - Þagkjan Hulundi Seþ / Lubjê Leuhada
05. Þistilê Swa Þaurnôz
06. Air Uhtwôn Bloms Wahstiz
07. Paraskaiwe Paúrpurôn
08. Friô Skafts Fraþi - Fulliþê Ufargudja / Þerh Merkwisôms Stigilôz
09. Tregôn Ferhwaz


Laufzeit: ca. 33 Minuten

Sonntag, 17. April 2016

Review: Азъ Есмь Огонь - Своевременно и благомоментно (Digitales Album - 2016)

Hier handelt es sich um ein neues Projekt des Protagonisten Thunderer. Der Russe ist vor allem durch seine Teilnahme in der Band MERKNET bekannt. Zudem wird dem einen oder anderen OCCULTUS etwas sagen, deren Werk "Nuctemeron" von dem deutschen Label Nachtgnosis (Nihil Nocturne) veröffentlicht wurde. Letztlich dürften auch NECROGOD keine allzu Unbekannten sein, hießen sie doch früher WARLOCK 666 und hatten ihre Split mit SATANIK GOAT RITUAL...






Auf "Своевременно и благомоментно" erwartet einen dann auch nicht dieser typische Black Metal-Einheitsbrei, sondern zunächst einmal sehr okkult wirkende Klangspiele, die sich auf Pfaden zwischen Meditation, Ambient und einem industrial angehauchten Black Metal bewegen. Das ist jedoch lediglich das Intro. Der nächste Beitrag fängt ruhig und gemächlich an, steigert sich dann aber zu einem düsteren Okkult-Black Metal Geschrammel und hält am Ende noch einen echten 'Aha'-Effekt für Freunde von Film-Klassikern bereit. Dagegen gefällt mir der dritte Song "EA,Absu"  sehr gut. Dreckig, räudig, düster, irgendwie chaotisch und gleichzeitig doch auf seine Art rhythmisch. Der Gesang wirkt meist finster und okkult mit einem militanten Hauch. Auch beschwörenden Singsang gibt es hier und da zu vernehmen. In erster Linie handelt es sich hier jedoch um reinen atmosphärischen Underground Black Metal, der nicht selten auch an alte XASTHUR erinnert. In ähnlichem Stil geht es auch weiter, lediglich der letzte Song stellt noch einmal eine Ausnahme dar, da er in vielen Passagen getragener und finsterer dargeboten ist. Auch weist er einen hymnischen Charakter auf, was Anhängern von viel Atmosphäre durchaus gefallen dürfte.

Fazit:
Wie soll ich es nun am besten beschreiben? Das erste Werk von Азъ Есмь Огонь ist bei Leibe kein wirklich gutes Album geworden. Die beiden ersten Lieder schwächeln enorm und hinterlassen bei mir eigentlich keinen sehr guten Eindruck. Bis diese überwunden sind, dauert es dann auch etwas. Allerdings wird man ab Lied Numero drei für das Ausharren entlohnt. Underground Black Metal mit Fokus auf Atmosphäre und okkulte Stimmungen, fernab einer sauberen Produktion. Das kann man sich durchaus öfters geben. Das Album liegt derzeit nur im digitalen Format vor, welches ihr über die offizielle Bandcamp-Seite zu einem Preis von 7$ (ca. 6,20/6,30€) herunterladen könnt. Ob man da das komplette Werk benötigt oder sich nur die letzten drei Songs besorgt, sei jedem wie immer selbst überlassen.

Solider Okkult-Black Metal aus Russland, allerdings mit einigen Schwächen, welche das Gesamtwerk eher zu einem (guten) durchschnittlichen Album verkommen lassen.


Darbietungen:
01. Инвокация Хаоса (Intro)
02. Врата в бездну вечности
03. EA,Absu
04. Дорога знаний
05. Ритуал очищения


Laufzeit: ca. 37 Minuten

Samstag, 16. April 2016

Review: Fänggen - Geist des Waldes (Digitales Album - 2016)

Die Gruppe FÄNGGEN aus Österreich (mit einem deutschen Mitglied) existiert nun schon seit 2014, jedoch erblickte erst vor etwa einem Monat ein erstes wirkliches Lebenszeichen die Dunkelheit dieser Welt. Diese erste Demo wurde sowohl in digitaler Form als auch auf CD veröffentlicht. Das Quartett besteht darüber hinaus teilweise aus keinen Unbekannten: so zeigt Count Grimthorn (Vobiscum, Grimthorn u.a.) für das Schlagwerk verantwortlich






"Geist des Waldes" nennt sich das Ganze und beim Titel kamen mir gleich Parallelen zum zweiten Machwerk der Deutschen Drengskapur, klingt der Titel ihres ersten Voll-Albums doch ähnlich. Auch musikalisch lassen sich Vergleiche finden: so suggeriert nicht nur das Logo eine tiefe Verbundenheit zur Natur, sondern auch die Musik an sich. So beginnt das Titelstück etwa mit leisen Akustikgitarren, bevor sich das ganze zu einem schnelleren Black Metal wandelt. "Abschied" dagegen fegt gleich zu Anfang wie ein Sturm alles weg, bis man dem Hörer zur Mitte hin und durch ein Gröllen eingeleitet eine kleine Verschnaufpause gönnt, in dem man Akustikgitarren einfügt, denen dann ein sprechartiger Black Metal-Gesang samt kompletter Instrumentalisierung folgt, und der Song letztlich eigentlich genau so endet, wie er begann. Der Gesang ist dabei recht facettenreich ausgefallen und deckt eine ganze Palette an Emotionen, Stimmlagen und Atmosphären ab. Mal wird eher gekeift, dann geschrien und zwischendurch ertönt auch mal ein netter Growl. Es geht mal melancholisch zu, dann wird es wieder düster, kalt und unheimlich - verachtend und erhaben.

Fazit:
"Geist des Waldes" aus der Feder von FÄNGGEN aus Österreich kann sich definitiv hören lassen und sollte jeden Anhänger ursprünglichen Schwarzmetalls mit Hang zur Naturmystik faszinieren und zufrieden stellen. Die vier Lieder umfassende Demo könnt ihr euch, bei Bedarf kostenlos, auf der offiziellen Bandcamp-Präsenz von FÄNGGEN in digitaler Form herunterladen, oder aber ihr ordert direkt über die Horde ein Exemplar der limitierten Demo-CD.

FÄNGGEN beweisen mit ihrem Erstlingswerk, dass der österreichische Untergrund noch durchaus vital ist. Meine Empfehlung!


Darbietungen:
01. Geist des Waldes
02. Abschied
03. Diener der Nacht
04. Morgen

Laufzeit: ca. 27 Minuten

Review: Wintergeist - Der schwere Weg (Digitales Album - 2015)

Das ursprünglich bereits im Jahr 2013 veröffentlichte Debüt-Album des Duos (welches dem einen oder anderen vielleicht bereits durch ASCHEREGEN bekannt sein dürfte) aus Stuttgart wurde in seiner Urform auf CD gepresst und war auf gerade einmal 100 Exemplare limitiert. Knapp zwei Jahre später, 2015, war es dann auch ausverkauft und die Band gab daraufhin freundlicher Weise die Möglichkeit, sich das Album in digitaler Form herunterzuladen. Aus der Sicht eines Anhängers von Limitierungen, die auch ruhig als solche bestehen bleiben sollten, natürlich weniger gut. Für den Rest sicherlich eine gute Gelegenheit in den Genuss dieses Machwerks zu kommen.


Aber genug der Vorrede. Mit der Scheibe "Der schwere Weg" präsentieren uns WINTERGEIST ganz dem Namen entsprechend, ein lupenreines deutsches Schwarzmetall-Album. Räudig, wild und düster. Die nicht ganz saubere und im ersten Augenblick etwas dumpf wirkende Produktion verfehlt ihre Wirkung nicht: das Werk klingt untergründig, gerade der Gesang hat etwas Jenseitiges und die Atmosphäre schwankt immerzu zwischen misanthropischer Kälte, Verzweiflung, Melancholie und absoluter Finsternis. In Bruchstücken kann man als Referenz vielleicht das erste Werk der Gruppe Zorn heran ziehen. Instrumental gesehen bewegt man sich meist im getragenen Midtempo, legt aber auch gerne schon einmal ein oder zwei Schippen oben drauf (gutes Beispiel: das recht kurze "Die dunkle Seite", welches auch ein wenig rotzig daherkommt). Man gibt sich zudem auch sehr Instrumental-betont, wie bei "Fjell og is", in welchem quasi die letzte Hälfte ein reiner Instrumental-Song ist. Durch die solide Spielweise wirkt dies aber in keinster Weise irgendwie plump, einfallslos oder gar unnötig in die Länge gezogen - ganz im Gegenteil hätte man den Song ruhig noch etwas länger machen dürfen. Der Titelsong dagegen stellt einen Beitrag zum DSBM-Genre bei, beginnt eher ruhig mit Akustikgitarren und einem verzweifelten langgezogenen Schreigesang, geht dann aber in einen schnellen Suicide Black Metal über, bis es zum Ende wieder ruhiger wird. Aber keine Panik: no Emo-Core inside! Bei dem letzten regulären Lied "Wintersonne" wird es dann noch einmal richtig erhaben und... winterlich. Mit seinen knappen sechs Minuten weist der Titel auch genau die richtige Länge auf. Es folgt noch ein Bonus-Stück, welches eine etwas schnellere Gangart einschlägt und beinahe schon einen Hauch Punk-Rock versprüht und weist daher auch eine eher rotzige, aber stolze Black Metal-Atmosphäre auf.

Fazit:
Tja, gute Dinge lernt man manchmal wirklich erst im Nachhinein kennen. Im Falle von WINTERGEIST hätte mich ihr "Der schwere Weg" schon als Original auf CD gereizt. Dem Debüt der beiden Herrschaften fehlt es eigentlich nicht an vielem, was ein wirkliches Werk Schwarzmetall ausmachen sollte. Die Musik zeigt sich facettenreich und auch gesanglich ist man in der Lage, verschiedene Stimmungen und Atmosphären zu erzeugen. Der Fokus liegt aber ganz klar auf den Instrumenten, die hier und da sicherlich noch spielerisch ausbaufähig sind, aber nichts desto trotz gerade für ein Debüt-Werk aus dem Untergrund gekonnt in Szene gesetzt sind. Falls euch also einmal die Gelegenheit bieten sollte, günstig an das physische Werk dran zu kommen, solltet ihr nicht zögern. So lange gibt es wie schon geschrieben, die Möglichkeit, sich das komplette Album herunterzuladen und zwar auf der offiziellen Visagenbuch-Seite der Band. Dort gibt es auch das aktuelle Album zum anhören mit Verweis auf Youtube. Eine Rezension meiner Seits wird mit Sicherheit auch noch folgen.

Schnörkelloser deutscher Black Metal. Ob misanthropisch, okkult oder depressiv - hier sollte für jeden etwas dabei sein. Unbedingt anhören.


Darbietungen:
01. Wintergeist
02. Vereinsamung
03. Seelenbrand
04. Unwirklichkeit
05. Fjell og is
06. Die dunkle Seite
07. Der schwere Weg
08. Wintersonne
09. Bonus

Laufzeit: ca. 42 Minuten

Samstag, 9. April 2016

Review: Steingrab - Live in Nürnberg (MC, Wolfsgrimm Records - 2015)

Ich hatte schon länger vor, dieses Album zu besprechen, kam jedoch erst kürzlich in den Besitz der Tape-Version aus dem Hause Wolfsgrimm Records. STEINGRAB, welches in erster Linie das Solo-Projekt des Protagonisten Mahr (ex-Nargis) ist, präsentiert mit "Live in Nürnberg" eben genau das: ein Live-Album. Dabei wird Mahr von zwei weiteren Mitstreitern am Bass, zweitem Gesang und am Schlagzeug unterstützt.








Die Aufnahme dieser Kassette entstammen einem Mitschnitt des "Monumente des Nichts" in Nürnberg, welches am 20. März 2015 stattfand. Die Nachbearbeitung der Aufnahmen erfolgten im Microcosmos Studio, mit welchem die Band ja auch schon mehrmals zusammenarbeitete. Der Klang ist daher natürlich bombastisch und kann sich hören lassen, lässt dafür aber auch leider das Publikum völlig außen vor - was für mich aber auch einfach zu einer Live-Aufnahme dazu gehört. Ansonsten lässt sich aber ein gewisser Live-Flair innerhalb der Lieder wiederfinden. Die Setlist umfasst dabei sowohl Stücke aus dem "Die Reise ins Ungewisse" Tape, sowie der "Äon" LP. Der Song "Phönix" findet sich leider nicht auf dem Album, dafür werden ganze vier neue Lieder geboten, die auf den bisherigen zwei Werken keine Veröffentlichung erfuhren.

Fazit:
Ein durchdringendes und atmosphärisches Machwerk deutschen Black Metals. Mit Verlaub gehört STEINGRAB in meinen Augen mit zum Besten, was der deutsche Untergrund derzeit hergibt. Emotional, mystisch, erhaben und irgendwie unnahbar und nicht-irdisch, so lässt sich die Musik vielleicht am besten in Worten umschreiben. Die auf 100 Stück (nicht sichtbar) limitierte Kassette kommt mit Pro-Cover und als rotes Pro-Tape (direkt bedruckt, nicht gelabelt) daher. Bestellungen gehen an Wolfsgrimm Records, bei denen man das Album für 5,50 Euronnen käuflich erwerben kann. Auf dem Bandcamp-Profil der Gruppe gibt es auch die Möglichkeit, in das digitale Album reinzuhören und sich dieses, bei Bedarf kostenlos, herunterzuladen. Jedoch gehört STEINGRAB eindeutig zu jenen nationalen Bands, die man auf jeden Fall mit ein paar Euros unterstützen sollte!

Trotz Defiziten hinsichtlich einer wirklichen 'Live'-Atmosphäre ein gelungenes Album, was ich jedem nur empfehlen kann!


Darbietungen:
01. Einklang - Reise ins Ungewisse
02. Stern des Nordens
03. Verflucht
04. Rachewalzer
05. Mystik
06. Der Schwur
07. Geist der Menschheit
08. Der letzte Schein des Mondes
09. Hildebrands Reise
10. Styx
11. (Voran) in die Tiefe
12. Zum Ende

Laufzeit: ca. 54 Minuten

Review: Sargeras - Whorelocaust (Digitales Album - 2016)

Eine Black Metal-Truppe aus Bremen, die sich nach einem Dämon aus der Gurke World of Warcraft benennt? Auweia. Mein erster Gedanke: ist das hier evtl. so etwas wie Nerd Black Metal? Immerhin: wäre ein völlig neues Subgenre. Doch weit gefehlt... im Falle von SARGERAS' "Whorelocaust" handelt es sich um lupenreinen deutschen Schwarzmetall der alten Schule.








Ja, das Album ist nicht nur von seinem Namen her total fuckin' old school, sondern auch von der zelebrierten Musik. Dreckig und rotzig, mit jeder Menge Arsch-tritt-Rock und einer Spur Thrash Metal. Politisch und moralisch unkorrekt, so wie es sein soll. So ein wenig erinnert mich das an einen Mix aus den Landsleuten Paria mit Ewig Frost aus Österreich, Nattefrost und Darkthrone. Das ist also nicht wirklich schlecht, lässt die Innovation jedoch weitestgehend auf der Strecke, da hier im Grunde nichts Neues geboten wird. So rauscht das Album eigentlich in einem Stück an einem vorbei, ohne dass man eine großartige Bindung zu dem Gehörten aufbaut.

Fazit:
Musikalisch gesehen durchaus passabel, allerdings hätte das Album durchaus etwas eigenständiger ausfallen können - das Potential hierfür wäre jedenfalls vorhanden, so wie die Herren ihre Instrumente beherrschen. So jedoch vermag "Whorelocaust" es nicht, wirklich aus der Masse hervorzustechen. Neben der digitalen Version des Albums, die man, wenn man möchte kostenlos, auf der offiziellen Bandcamp-Seite der Truppe beziehen kann, existiert auch eine auf 100 Stück limitierte Fassung auf Kassette, die für Sammler natürlich von mehr Interesse sein dürfte und die man über gleiche Quelle für 5,- Euronnen ordern kann.

Rotziger Black Metal mit Thrash- und Rock-Einschlägen. Mir persönlich aber zu durchschnittlich.


Darbietungen:
01. Purification (intro)
02. Sargeras
03. Predator
04. Blutrausch
05. Whorelocaust
06. Witching Speärbreaker
07. Sluts of Hell (Nattefrost Cover)

Laufzeit: ca. 31 Minuten

Review: Moonblood - The Unholy (EP, Misanthrophia Discos - 2015)

Etwas neues Altes aus dem Hause MOONBLOOD: die im Dezember vergangenen Jahres veröffentlichte 12''-EP "The Unholy" stellt ein separates Release der beiden Lied-Beiträge der vorher erschienen Split CD mit ENSOM SKOGEN und FORGOTTEN SPELL (ebenfalls 2015) dar. Für die reinen MOONBLOOD Anhänger, die wie ich ohnehin nur auf die beiden Lieder scharf waren und ihre Tonträger doch noch eher auf Vinyl bevorzugen, ganz klar die bessere Wahl.






Die Musik der beiden Beiträge "Slave of Eternity (Nachzehrer)" und "The Unholy" stammt bereits aus dem Jahr 1999 und ist somit schon um die 17 Jahre alt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... der Gesangspart wurde dann 2015 aufgenommen. Für das finale Mastering zeichnet einmal mehr Patrick W. Engel vom Temple of Disharmony verantwortlich, der mal wieder eine sehr gute Arbeit geleistet hat. So steht "The Unholy" in der Tradition alter MOONBLOOD, bietet daher aber auch nichts wirklich Neues - was allerdings auch keiner ernsthaft erwartet hätte. So hat "Slave of Eternity (Nachzehrer)" gerade auch durch den akustitischen Intro-Part eine eher getragene und melancholische Grundstimmung inne, bietet musikalisch gesehen den typischen Stil der Band: räudig, wild, erhaben und auch irgendwie obskur krank vom Gesang her. Das Gitarrenspiel ist ebenfalls lobenswert. "The Unholy" kommt von der Instrumentierung her etwas hymnischer und erhabener daher, geht mehr in Richtung des epischen Midtempo, wirkt aber nicht minder düster als sein Vorgänger.

Fazit:
MOONBLOOD scheinen doch nicht so wirklich tot zu sein. Scheinbar ist die Band ebenso zeitlos existent wie ihre Musik. Da scheint wirklich noch einiges an unveröffentlichtem Material in den Archiven zu lagern, was nur auf ein postmortales Release wartet. "The Unholy" ist in zwei Version erschienen: die ersten 150 Exemplare als Clear Vinyl mit Sticker (bereits ausverkauft) und die restlichen 375 Stück im Black Vinyl. Das einfache Klappcover enthält beide Texte, sowie Fotos und Artwork. Bestellungen sind am besten direkt an Misanthrophia Discos zu entrichten. Im Online-Shop von Iron Bonehead sollte es die Platte aber auch noch geben.

MOONBLOOD - das ist zeitlose Schwarzmetall-Musik mit Atmosphäre und Überzeugung!
Nothing more to say.


Darbietungen:
01. Slave of Eternity (Nachzehrer)
02. The Unholy

Laufzeit: ca. 12 Minuten

Review: Uprising - Uprising (CD, Wolfsgrimm Records - 2016)

Bei der 2014 gegründeten Band UPRISING handelt es sich um ein junges Projekt des Solo-Musikers W. aus Bayern. Dabei stellt das titellose Werk die erste Scheibe der "Band" dar, welche gleich den Umfang eines Voll-Albums besitzt und unter dem Banner des Labels Wolfsgrimm Records erschien.









Aufgenommen wurde in den Schattenschmiede Studios (u.a. auch Hersbtklagen und Waldgeflüster), das finale Mastering erfolgte im Irsins Sound Studio (Nargis etc.). Für das richtige Klangbild ist also auf jeden Fall schon einmal gesorgt. Sämtliche Instrumente wurden von W. selbst eingespielt, der Information im Beiheft nach zu urteilen handelt es sich bei den Drums allerdings nur um ein Programming, was jedoch als sehr gut zu bezeichnen ist und sehr vital wirkt (was vielleicht auch an der soliden Produktion liegt). Und auch sonst ist das Erstlingswerk von UPRISING eine klare Kampfansage an die Gesellschaft, Stupidität, Mitläufer und sonstige Herdentiere. So ist auch eine wiederkehrende Thematik in allen Titeln des Werkes, sich zu erheben und sich aus den Ketten des Lebens zu befreien. Und das wird (und kann) auf vielfältige Art und Weise interpretiert (werden). Einerseits in Zusammenhängen wie (Anti-)Religiosität, Satanismus, das Leben und den Tod, andererseits aber auch in einem gesellschaftskritischen Kontext. Passend dazu ist das Album auch kein reinrassiges Black Metal-Werk, sondern beinhaltet auch einige rockige Einflüsse, wobei gerade im Gesang immer ein gewisser Hang zum Post-Hardcore besteht, der immer mal wieder latent durchscheint. Aber der Gesang bietet noch mehr: chaotische klare Passagen oder sogar als Chor zu bezeichnende Abschnitte. Die Instrumente halten sich meist im getragenen Midtempo, legen aber auch schon einmal einen Gang zu, so dass Lieder wie "Behold the Eternity of Stars" oder "Uprise" neben dieser kraftvollen Atmosphäre noch etwas regelrecht episches bekommen. Passender Weise lassen sich dann teilweise auch ein paar Samples finden (laut Information aus Filmen / Serien wie "Mr. Robot", "Spartacus" und "Cosmos").

Fazit:
Ein gelungenes Debüt. UPRISING ist hier ein sehr gutes und für Underground-Verhältnisse sehr gut produziertes Album gelungen, welches aber auch nicht zu sauber und steril klingt. Mit traditionellem Schwarzmetall hat es allerdings auch nur bedingt etwas zu tun - der Sound klingt erfrischend modern und auch irgendwie anders, bietet einige Einflüsse aus anderen Genres und auch thematisch widmet man sich mehr, als die meisten 08/15-Bands. Sehr passend ist auch das Logo, welches im Übrigen aus der Feder von Lukas Wezel stammt, der bereits das Logo der Band Scarcross zeichnete. So rate ich den Puristen unter euch auch erst einmal zu einem Antesten, bevor ihr einen Kauf in Erwägung zieht. Die CD erschien im Digipak und kann entweder direkt über die Band oder aber über Wolfsgrimm Records für jeweils 10,- Euronnen exklusive Versand bezogen werden. Zudem existiert die Möglichkeit, auf der offiziellen Bandcamp-Präsenz von UPRISING in das komplette Album reinzuhören und sich ggf. eine digitale Kopie gegen eine Gebühr von 7,- Euronnen herunterzuladen.

Gelungenes deutsches Black Metal-Album, welches erfrischend anders klingt!


Darbietungen:
01. Introduction
02. Uprise
03. Thrones to Overthrow
04. Gather the dark Spirits
05. Ravens in dark Skies
06. Nihilistic Chants
07. Behold the Eternity of Stars

Laufzeit: ca. 39 Miunten

Dienstag, 5. April 2016

Review: Ch'ahom - The Raid of the Tzitzimime (MC, Penetration Hammer - 2016)

(Da ich momentan keinen funktionierenden Scanner habe, muss das offizielle Promo-Foto als Cover erhalten - wird natürlich ausgetauscht, sobald ich das wirkliche Cover habe) Bei CH'AHOM handelt es sich um ein Trio aus NRW, die Beteiligten stammen aus Essen, Bochum und Düsseldorf. Super, dass auch der lokale Underground immer noch derart aktiv ist. "The Raid of the Tzitzimime" stellt das erste Werk der Kapelle dar, die sich allerdings auch aus nicht ganz unbekannten Gestalten zusammenfügt, so fallen bei Betrachtung der bisherigen / parallelen Aktivitäten der Mitglieder Namen wie Blasphemous Blood Revenge oder auch Morbid Blood Kult, alles also auch eher kurzlebige Projekte.



Ob es sich bei CH'AHOM genau so verhalten wird, dass nach zwei Demos einfach Schluss ist, darüber möchte ich jetzt allerdings nicht spekulieren. Auf der Kassette zelebriert man einen Mix aus Black und Death Metal. Es ist also mal wieder rüppelhafter Goat Metal angesagt, getreu dem Motto 'Knüppel aus dem Sack'. Thematisch dreht sich alles um alte Kulte und Rituale, das Cover und die Aufmachung sagen da eigentlich schon alles. Musikalisch ist das Ganze natürlich wenig innovativ ausgefallen, dafür aber gekonnt traditionell und reißerisch in Szene gesetzt, sogar ein paar feine Details haben die Herren eingearbeitet, so ertönen dann und wann sehr gute Gitarren-Soli oder auch mal eine Atempause versprechende Zwischenspiele.

Fazit:
Black Metal of Death. Wer Bands wie etwa Proclamation oder Satanize schätzt, dem wird das hier sicherlich auch mehr als gefallen. CH'AHOM schaffen es tatsächlich innerhalb der sieben Lieder eine sehr drückende Atmosphäre aufzubauen, die wirklich gefällt. Andererseits vermag es die Musik aber auch nicht so recht aus dem Gros der ganzen Goat Metal-Horden hervorzustechen, wenn sie durch die bereits erwähnten eingefügten Details auch deutlich aufgewertet werden. Unter'm Strich bleibt ein überdurchschnittliches Werk, welches aber zumindest bei mir keinen allzu langanhaltenden Eindruck hinterlässt. Trotzdem sollte man hier einen Kauf in Erwägung ziehen, gerade aus dem Prinzip heraus, den lokalen Untergrund zu unterstützen. Die Kassette ist auf 150 Exemplare limitiert und kommt als weißes Pro-Tape, umschlossen von einem goldfarbenen Cover, daher. Bestellungen können direkt an das Label Penetration Hammer entrichtet werden - dort gibt es auch die eine oder andere interessante Kleinigkeit zu entdecken.

Solider Goat Metal. Nothing more. Nothing less.


Darbietungen:
01. Prophecy of the Chilam Balam
02. Noh Ek
03. Camazotz Cult
04. The Breath of Mictlantecutli
05. Raid of the Tzitzimime
06. Tlacaxipehualiztli
07. Ch'ahom


Laufzeit: ca. 21 Minuten