Mittwoch, 27. Januar 2016

Review: Mort aux Gueux - Vaurien (Digitales Album - 2016)

Bei Mort aux Gueux handelt es sich mit Wahrscheinlichkeit um ein Ein-Mann-Projekt, welches, und so viel steht fest, aus Kanada stammt. Genauer gesagt aus Québec, der Nation innerhalb Kanadas. Der Bandname bedeutet so viel wie "Tod den Bettelrn" oder auch "Tod der Bettler" und diese ist auch erst in diesem Jahr wirklich aktiv geworden.








"Vaurien" stellt neben einer Vorab-Single das erste Lebenszeichen des Ein-Mann-Kommando dar. Die digitale EP umfasst fünf Lieder, wobei eines lediglich ein kurzes akustisches Zwischenspiel darstellt. Musikalische klingt man typisch kanadisch, oder besser gesagt nach einer Band, die auch Québec stammt. Dieser Stil aus rauer Atmosphäre, die trotzdem eine gewisse Erhabenheit und Epik in sich trägt, bringen einfach nur Bands aus diesen Breitengraden zustande. Gesanglich klingt man dagegen etwas nordisch. Teilweise ist das hier dargebotene Material aber noch ziemlich chaotisch im Klangbild und hingt somit den Größen Forteresse, Monarque, Csejthe oder Sorcier des Glaces weit hinterher. Trotzdem erkennt man nach mehrmaligen Durchläufen einige nette Details, die mit eingebaut wurden, wie die Soli in "L'héritage".

Fazit:
Für Liebhaber der kanadischen Szene um Québec durchaus interessant und lohnenswert, wenn hier auch nicht wirklich sonderlich Neues geboten wird. Aber es ist doch immer auch mal wieder erfreulich, wenn man eine neue Band mit Potential entdeckt, die vielleicht nur noch eine ordentliche Produktion bräuchte, um wirkliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die EP, sowie auch die Vorab-Single kann man sich beide auf dem Bandcamp-Profil des Projektes herunterladen.

7.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Vaurien
02. Le festin sans remord
03. Homme ou bête
04. À découvert (Instrumental)
05. L'héritage

Laufzeit: ca. 15 Minuten

Dienstag, 26. Januar 2016

Review: Nekro Warfare - Unholy Mass (Digitales Album - 2015)

Eigentlich hätte es mir beim Bandnamen schon klar sein müssen, was hier für ein Wind weht. Was verdammt noch eins... bei diesem Solo-Projekt aus Amiland handelt es sich um um eine noch blutjunge 'Kapelle'. Dieses erste Werk stammt aus dem letzten Jahr. Nun gut, allgemein ist ja auch bekannt, was grundsätzlich von Bands zu halten ist, die ohne irgendwelche Vorab-Demos direkt ein komplettes Album einknüppeln. Ob sich dieser Eindruck auch wieder hier bestätigt?





Wie eingangs schon erwähnt: ich hätte es eigentlich wissen müssen. Der Name. Der Titel. Die grottige Cover-Gestaltung... all' das waren schon einmal Warnhinweise, die förmlich schreien: Lass die Finger davon! Aber ich bin ja neugierig. Nun, das habe ich jetzt davon. Mit "Unholy Mass" schrammelt uns Nekro Warefare aka Avery Acid acht uninspirierte Underground Black Metal Songs um die Ohren. Die Produktion ist grausig und bietet außer brachialem Geschrammel, welches sich ohnehin irgendwann zu einem undefinierbaren Soundbrei entwickelt, und schon dutzende Male gehörte Riffs, nichts aber auch gar nichts Besonderes bietet. Dazu gesellen sich noch so unglaublich abgedroschene und klischeehafte Songtitel, dass es beinahe schmerzhaft ist.

Fazit:
Leider langweilig und dadurch völlig belanglos. Wenn schon auf 90er machen, dann bitte richtig. Black Metal ist einfach mehr als böse Titel und uninspiriertes Geknüppel. Braucht wirklich niemand! Wer's trotzdem brauchen sollte oder auch einfach einmal reinhören und sich selbst überzeugen will, wird auf der Bandcamp-Seite des Herren fündig.

1.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Funeral Rain
02. Crypt Of The Reaper
03. Blood For Baphomet
04. A Thousand Winters
05. Crucify They Holy
06. Coffin Fog
07. Murder Moon
08. At Hells Gates

Laufzeit: ca. 46 Minuten

Review: Old Man of the Desert - Reversal (Digitales Album - 2016)

Auf meiner ständigen Suche nach neuen Eindrücken, bin ich im weltweiten Netz jüngst über dieses im Jahr 2013 gegründete Projekt aus Russland gestoßen. Es handelt sich hier um ein Solo-Ding des Herren S.A. (keine Sorge, die Initialen haben nichts Politisches, sondern stehen einfach nur für den realen Namen des Protagonisten - aber vielleicht soll es ja auch provozieren in der Form, wer weiß das schon).







"Reversal" stellt auch den neuesten Auswurf von Old Man of the Desert dar. Immerhin war man von der Gründung bis heute nicht unproduktiv. So kann man bereits vier Demos, zwei Splits und diese EP aufweisen - zudem hatte sich ein kleines Label der Ein-Mann-Kapelle angenommen und eine Compilation in CD-Form zusammengestellt, welche so ziemlich die gesamte Demo-Ära bis dahin abdeckte. Bei dieser digitalen EP handelt es sich um - man erahnt es vielleicht bereits anhand des Titels - Neuinterpretationen von zwei älteren Liedern, die der Demo "MMXV" entnommen wurden. Das Besondere daran: die Lieder sind rein instrumentaler Natur, also komplett ohne Gesang. Und was soll ich sagen? Es geht tatsächlich auch ohne. Der Black Metal, der hier zelebriert wird, ist sehr atmosphärischer Natur, kommt aber durchweg ohne viel Bombast und ohne Tasteninstrumente aus. Durchaus begrüßenswert. Ein klein wenig Post Rock, sowie Einflüsse aus dem Shoegaze lassen sich hier ebenso ausmachen, etwas progressiv darf es auch ruhig schon einmal werden. Der reine Black Metal-Anteil ist aber stets dominant und erinnert an die besten BM-Momente im zweiten Alcest-Werk "Écailles de lune".

Fazit:
Ein durchaus ambitioniertes moskauer Projekt. Atmosphärisch, ein Gefühl von Sehnsucht versprühend, versteht es die Musik einen in seinen Bann zu ziehen. "Reversal" und auch Old Man of the Desert muss sich in keinster Weise vor Genre-Größen verstecken. Klar, das Ganze ist noch ausbaufähig, aber dafür, dass keine großes Label hinter solch einer Produktion steckt, ist das mehr als nur ordentlich! Die EP, sowie alle weiteren Demos, die Beiträge der Splits und die Compilation könnt ihr euch in digitaler Form auf der Bandcamp-Seite herunterladen. Kostenlos. Ein Support in Form einer kleinen Spende wäre hier aber auch durchaus angebracht.

7.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Part I
02. Part II

Laufzeit: ca. 22 Minuten

Sonntag, 24. Januar 2016

Review: Summum - Benedictus Qui Venit In Nomine Domine - Redeamus Ad Mort Domine (LP, Mysticism Proudctions - 2016)

Auch das Debüt-Album des okkultistischen Black Metal-Projektes Summum aus dem Jahr 2014, welches ursprünglich nur auf Kassette vertrieben wurde, erfährt dieses Jahr durch Mysticism eine Auswertung auf Vinyl. Multitalent Swartadauþuz (u.a. auch Grav, Azelisassath, Bekëth Nexëhmü, Svartrit und Urkaos, sowie Ancient Records und Mysticism Productions) zeichnet auch für dieses noch eher unbekanntere Projekt von ihm verantwortlich. Dem Album ging im Jahre 2013 die 7'' Vinyl EP "Orchestra Mali, et Devotionem" voran, die mit ihrem verstörenden Stil schon für einiges Aufsehen unter 250 Eingeweihten sorgen konnte.


Der Stil wird hier auch gnadenlos fortgeführt. Letztlich ist es schwer in Worte zu fassen, was einen hier wirklich erwartet. Wohl am zutreffendsten wäre der die Umschreibung 'vertonte Anbetung des Totenkultes', was wohl auch irgendwie die Intention der Band treffen würde. Hier wird weit mehr als Black Metal geboten. Eine nihilistische Atmosphäre trifft hier auf Minimalst-Instrumentalisierung und ähnlich wie schon bei Bekëth Nexëhmü muss man Summum zugestehen, aus minimalsten Mitteln das Maximum an beängstigend-beklemmender Atmosphäre zu erzeugen. So kommt einem beim Hören des Werkes in seiner Gesamtheit unweigerlich das "Projekt Misanthropia" der Niederländer Stalaggh (wer es nicht kennt, einfach mal im Weltnetz recherchieren) in den Sinn. Mal abgesehen davon, dass dies hier musikalisch betrachtet wertvoller und wesentlich mehr nach Black Metal klingt. So gibt es auch keine wirklichen Songs - nur Seite A und Seite B, die das Gesamtwerk beinhalten und deshalb auch gleich nacheinander gehört werden sollten.

Fazit:
Absolut krank - mehr fällt mir dazu einfach nicht mehr ein. Ein mehr als obskures Werk, was man entweder genial findet oder es hasst, aber auf jeden Fall einmal erlebt haben sollte (deshalb auch vornehmlich mein oben geschriebener Vergleich). Das war schon mit der vergangenen EP so, für die ich mich nicht wirklich begeistern konnte. Hier verhält es sich aber anders, was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass der Black Metal hier wesentlich deutlicher zum tragen kommt. Wenige Exemplare sind, neben den beiden aktuellen Bekëth Nexëhmü-Platten, im Online-Shop von Amor Fati Productions erhältlich.

9.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Part I
B-02. Part II

Laufzeit: ca. 42 Minuten

Review: Funeral Ghoul - Under the Forest (Digitales Album - 2016)

Ok, dieses noch recht junge Ein-Mann-Kommando aus Ungarn präsentiert mit "Under the Forest" ihr siebentes Demo - innerhalb von noch nicht mal einem halben Jahr. Ja, die Band existiert erst seit 2015 und stellte im September vergangenen Jahres ihre erste Demo-Veröffentlichung zum freien Download bereit. Was man davon halten mag, lest ihr im folgenden...







Zunächst einmal sei erwähnt, dass dies ja nun bei weitem nicht das erste BM-Projekt mit einem solch umfangreichen Output ist. Ich denke da nur an die Hochzeiten von Bands wie Drowning the Light, Vinterriket oder gar Moloch aus der Ukraine. Was alle diese Kombos gemeinsam haben: ihre Quantität ist hoch, jedoch lässt die Qualität in mehr als 75 % ihrer Veröffentlichungen mehr als zu wünschen übrig. Bei DtL kommen auf 10 Releases vielleicht zwei bis drei wirklich gute und herausragende, bei Moloch gefallen mir bis heute lediglich alleine zwei Werke der bisherigen Schaffensperiode. Der Ungar von Funeral Ghoul versteht es aber zumindest auf diesem Release so etwas wie eine boshafte Atmosphäre zu erzeugen und erinnert in seinem Stil etwas an die Rehearsals von Moonblood oder die ebenfalls deutsche Kapelle Frostfinsternis (kennt die noch jemand?). Das war's aber leider auch schon.

Fazit:
Ja, um es ganz ehrlich zu sagen, fehlt mir neben diesem ganzen misanthropischen Geschrammel die wirkliche Emotion, vor allem die Stimme kommt meist in nur einer Tonlage daher und lässt emotionale Ausbrüche in Form von verzweifelten oder kämpferischen Schreien vermissen. Und spätestens nach dem vierten Song habe zumindest ich auch einfach das Interesse verloren. Gleiches hat man einfach schon von zu vielen anderen - mal in besserer, mal in schlechterer Qualität - einfach zu oft gehört. Für mich zwar kein Totalausfall, aber auch kein Werk, dass sich jetzt wirklich aus dem Mob des Durchschnitts erheben kann. Interessenten können das ganze ja trotzdem mal auf der Bandcamp-Seite antesten und bei bedarf kostenlos herunterladen.

4.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. My Silent Grave
02. The Fog
03. 1239
04. Misanthropic Dreams
05. Under the Forest
06. Altar
07. Black Freezing Winter
08. IV. Bloodmoon

Laufzeit: ca. 39 Minuten

Review: Morar - Walheim (CD, Nebular Winter Productions / Apocalyptic Art Records - 2016)

Wer hätte gedacht, noch einmal etwas von Morar zu hören. Liegt die erste und bisher einzige EP-Kassette ja schon geschlagene drei Jahre zurück (was jetzt zugegebener Maßen auch nicht sonderlich lange in dieser 'Szene' ist, aber trotzdem). "Chants of Ossian" entpumpte sich damals für mich als absoluter Glücksgriff - manches Mal hat man halt doch Erfolg bei Blindkäufen - und hat heutzutage bereits einen gewissen Geheimtipp-Status. Nun also das erste vollwertige Album.





Nun, viel Informationen sind es nicht, die zu Morar existieren. Es handelt sich wohl um eine Ein-Mann-Band. Ob dies allerdings zutrifft, oder woher die Band eigentlich stammt, ist nicht gänzlich bekannt. Immerhin schafft es Morar in sämtlichen sozialen Geschwüren des Weltnetzes aufzutreten und doch noch diese Geheimnisse zu bewahren. Hut ab. Das Werk "Walheim" bietet indes einmal mehr großartigen erhabenen und atmosphärischen Black Metal. Gänzlich ohne den Einfluss von Ambient-Teppichen oder ausschweifender Epik ala Summoning und co. wohlgemerkt. Lediglich ein paar Anleihen an die Folklore scheint hier und da durch. Auch benutzt man Chöre und sonstige Samples. Aber dies geschieht wie bereits erwähnt in einem vertretbaren Rahmen und nimmt niemals zu ausschweifende Züge an.

Fazit:
Ein sehr atmosphärisches, nichtsdestotrotz aber spielerisch direktes Werk 'anspruchsvoller' Black Metal Tonkunst. Die sieben Lieder von "Walheim" dürften daher auch jeden Freund erhabener Klänge mit Naturmystik vollends zufrieden stellen. Die CD im Jewelcase umfasst auch noch ein 8-seitiges Beiheft. Interessenten aus Deutschland sollten zwecks einer Bestellung direkt an das Label Apocalyptic Art wenden.

8.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Embrace the Torrent
02. Torn by Thorns
03. Afflications
04. Lake Creek Valley
05. Thee to Scorn
06. 'Tis Night
07. Lonely Mountains

Laufzeit: ca. 47 Minuten

Review: Bekëth Nexëhmü - Dauþuz (LP, Mysticism Productions - 2016)

Das Jahr fängt ja bereits gut an. Da ist noch nicht einmal ein Monat vorbei, und schon winken zwei neue Veröffentlichungen der Schweden von Bekëth Nexëhmü. Wobei neues Material enthalten die beiden jüngst erschienen LPs nicht. So wurde neben diesem ersten Demo, welches ursprünglich auf Kassette in einer Stückzahl von gerade einmal neun veröffentlicht wurde und sich nun zum ersten Mal auf Vinyl vorliegt, auch eine Neuauflage des längst vergriffenen Debüt-Albums heraus gebracht - ebenfalls unter Mysticism. Die Besprechung zu der Scheibe findet sich hier, weshalb ich im Falle "De dunkla herrarna" auch auf eine Rezension verzichten werde.


Widme ich mich also ausschließlich hier vorliegendem Werk "Dauþuz", welches original im Jahr 2010 veröffentlicht und wohl für diese Veröffentlichung auf Platte etwas klangtechnisch bearbeitet wurde. Wenn man bedenkt, dass es sich bei dem Teil um eine erste Demo auf wahrscheinlich nicht professioneller Kassette handelte, die sowieso nur den engsten Kreis erreicht haben dürfte, mehr als verständlich. Gerüchte erreichten mich gar, dass es sich bei dieser Demo um ein reines Instrumental handeln sollte, was ich mit dem Erwerb dieser Platte allerdings widerlegen kann. Sir N. hat laut Angabe nur das Schlagzeug neu eingespielt. Geboten werden dann auch sechs Lieder (Seite "ëth" umfasst die ersten drei, die letzten befinden sich auf Seite "Hmü") im alt-bewährten Stil - wer die Band also bisher ob ihrer mystischen, kalten Atmosphären zu schätzen gelernt hat, wird auch von dieser Platte nicht enttäuscht werden. Hypnotische Black Metal Tonkunst, die einfach nicht von dieser Welt abstammen kann.

Fazit:
Damals wie heute stellt Bekëth Nexëhmü für mich ein Phänomen dar. Kaum eine andere mir bekannte Kapelle, versteht es so gut mit minimalsten Mitteln das Maximum an Atmosphäre zu erzeugen. Alte Helden sind längst tot, haben sich dem Kommerz preisgegeben und Prinzipien über Bord geworfen oder leben einfach nur noch in ihrer Scheinwelt und spielen immer noch Musik, die mehr und mehr in der Belanglosigkeit versinkt. Doch was diese Horde hier mit jedem Werk neu erschafft, ist Schwarzmetall in seiner puren, kalten Essenz. Hässlich, desolat und gleichzeitig erhaben. Große Kunst!

8.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. I
A-02. II
A-03. IV
B-04. III
B-05. V
B-06. VI

Laufzeit: ca. 39 Minuten

Review: Tötenwolf - Fullmoon Bastärds (MC, Eigenproduktion - 2015)

Wieder einmal hatte ich die letzten Wochen kaum Gelegenheit, mich wirklich mal an eine Rezension zu setzen - dabei stapeln sich wieder die ein oder andere würdige Veröffentlichung bei mir. Das erste Tape der Horde Tötenwolf aus Spanien, die einen räudigen Mix aus Blackened Heavy, Doom Metal und Punk zelebrieren liegt nun auch schon seit einiger Zeit bei mir auf dem Tisch.








Bei "Fullmoon Bastärds" handelt es sich um eine Veröffentlichung in Eigenregie. Ich erwähne das hauptsächlich deshalb, um der Qualität dieses Releases Rechnung zu tragen. Denn hier hat man nicht einfach mal eben eine Kassette veröffentlicht, sondern diese kommt auch mit einem professionellen Cover daher, zudem ist das Tape selbst nicht etwa ein bloßer Rohling, sondern eine bedruckte Werkskassette. Edel, edel. Das Ganze kommt in einer VHS-Hülle daher, welche noch einen Patch aus Leder ("Fullmoon Bastärds" Logo), ein Poster, sowie einen Pseudo-Flyer und sonstiges Werbematerial wie ein ausklappbares "Fullmoon Bastärds" Comic-Cover enthält. Hier wird auch die Detailverliebtheit der Kombo deutlich: schon allein die Gestaltung des VHS-Covers und die Inhaltsangabe auf der Rückseite lassen an gute alte 80er Horror-Streifen erinnern und ist somit wohl als Hommage an eben jene zu deuten. Das Tape-Cover erinnert von seinem Stil her an wohlige 60er/70er Grusler, wie sie vornehmlich aus dem britischen Raum zu kommen pflegten. Das Comic-Cover hingegen lässt an die Reihe "Tales of Fear" aus den 50ern oder besser auch "Tales from the Crypt" denken. Das ist einfach geballte Jugend-Nostalgie pur.

Aber lasst mich zum wichtigsten Teil der Veröffentlichung kommen: der Musik. Die Titel sind in eine Art Horror-Anthologie zusammengefasst. Die Grundstory handelt von fünf Fremden (die Band), die durch alte Katakomben streifen. Dort treffen sie einen ominösen Mann, der ihnen sieben Geschichten erzählt... hört sich in der Tat wie aus einem alten Horror-Schinken an. Die Titel sprechen auch eine deutliche Sprache: "Fullmoon Bastärds", "A Gang ov Bloodsuckerz", "Sex Blood & Metalpvnk" oder "Covens of London" etwa. Inhaltlich geht es um Horror und okkulte Themen - Vampire, Werwölfe, Hexensabbate, Rituale. Das alles erinnert dann auch nicht nur stilistisch an alte Misfits, die auf Iron Maiden und Black Sabbath treffen und zusammen mit Venom und Coven (!) ein Ständchen vortragen, sondern ist zudem auch handwerklich sehr gut und vor allem authentisch und mit hörbarer Hingabe umgesetzt.

Fazit:
Tötenwolf ist hier ein mehr als solider Einstand gelungen. Für ein erstes Lebenszeichen in Form einer 'einfachen' Demo, kommt dieses Release erstaunlich professionell daher. Wichtiger noch als die Aufmachung ist aber die Tatsache, dass Tötenwolf es tatsächlich schaffen, etwas aus diesem (wie ich finde) ziemlich abgenudelten Genres des Heavy/Thrash/Punk-Gedöns zu machen... das meiste, was ich aus der Sparte kenne, ist einfach nur langweilig - hier ist es anders, da die Band auch viel mit anderen Einflüssen spielt. So kommen im Stück "A Gang ov Bloodsuckerz" auch Orgeln zum Einsatz, die zusammen mit dem recht harschen Gesang eine schaurige Black Metal-Atmosphäre erzeugen. Das Box-Set ist auf 50 hand-nummerierte Exemplare limitiert, enthält einen exklusiven Bonus Song, der auf späteren Auflagen nicht mehr enthalten sein wird und ist direkt über die Bandcamp-Seite der Truppe zu beziehen (für schlappe 10,- Euronnen, exklusive Versand). Absoluter Geheimtipp!

8.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Channelling
A-02. 650
A-03. Fullmoon Bastärds
A-04. Thevrgia
A-05. A Gang ov Bloodsuckerz
B-06. Sex Blood & Metalpvnk
B-07. Covens ov London
B-08. Hematodixia
B-09. Un Dia en Texas (Parálisis Permanente Cover)

Laufzeit: ca. 20 Minuten

Sonntag, 3. Januar 2016

Review: Okkultokrati - Night Jerks (LP, Fysisk Format - 2014)

Die norwegischen Progressive Doom / Sludge Metal Band Okkultokrati präsentierte mit "Night Jerks" aus dem Jahr 2014 ihr bisher drittes (und immer noch aktuelles) Album. Ich bin erst vor kurzem in den Besitz der Vinyl-Ausgabe gelangt, was mehr ein reiner Glücks- und Zufall war.









Geboten wird hier, wie schon auf ihrem (mir noch bekannten) Debüt-Album "No Light for Mass" wieder sehr progressiver Doom Metal, der sich mit dem matschigen Klangbild von Sludge verbindet und dazu gibt es dann und wann auch noch eine Prise Hardcore Punk um die Ohren geblasen. Aber alles in allem geht es hier doch eher gemächlich zu. Die Musik ist nihilistisch melodisch ("Dazeripper") und doch gleichzeitig rau und unschön ("Night Jerks"). Gar ein wenig psychedelisch hier und da (besonders hervorzuheben wäre hier das Instrumental "Zero Kulto") oder hoffnungslos verzweifelt hypnotisch wie bei "Rose Crux". Die B-Seite enthält die beiden letzten Lieder "The Ladder (Punched Out)" - dreckiger Sludge Rock und den mit über 16 Minuten längsten Song "Cosmic Wynter" - eine Ansammlung von Metal, Ambient und Industrial - gewagt, aber effektiv. Music, that fucks your mind. Again and again and again and again...

Fazit:
Man muss diese Art von Musik schon mögen, um ihr etwas abgewinnen zu können. Diese raue Mischung der Instrumente erzeugt einen fiesen hässlichen Bastard, den noch nicht einmal eine Mutter lieben kann. "Night Jerks" hat so überhaupt nichts Schönes an sich und macht es daher zu einem wunderbar verstörenden und kranken Album. Die Vinyl-Auflage gab es als blaue und schwarze Edition (beide enthielten auch eine CD mit dem kompletten Album), beide sind inzwischen restlos ausverkauft, jedenfalls beim offiziellen Händler Tigernet.no, bei dem lediglich die CD und die Kassette noch erhältlich sind.

8.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Intro
A-02. Dazeripper
A-03. Night Jerks
A-04. Zero Kulto
A-05. Moon Daggers
A-06. Rose Crux
B-07. The Ladder (Punched Out)
B-08. Cosmic Wynter

Laufzeit: ca. 42 Minuten

Review: Mayhem - Live in Leipzig (CD, Peaceville Records - 2015)

Gut. Zugegebenermaßen ist dieses Release alles andere als aktuell, dennoch wurde im November vergangenen Jahres das (ok)kultige "Live in Leipzig" Album anlässlich des 25. Jubiläums des Konzertes erneut über Peaceville veröffentlicht. Nichts wirklich Besonderes erst einmal - vor allem, weil es ja auch erst die x-te Auflage des '93 Werkes ist. Was diese Ausgabe aber für mich relevant macht, ist das Gesamtpaket, welches neben der titel-gebenden Live-Aufnahme zum ersten Mal eine offizielle Veröffentlichung des "Live in Zeitz" Konzertes enthält.




Ich möchte euch daher auch nicht lange mit großartigen Fakten zur Geschichte der Veröffentlichungen langweilen oder mit den Anekdoten zu diesem legendären Auftritt (und den Umständen, unter welchen dieser stattfand), der leider lange vor meiner Zeit im Black Metal zurückliegt. Also werde ich über die erste der beiden CDs auch nichts schreiben. "Live in Leipzig" setze ich bei jedem, der sich mit diesem Kult ernsthaft auseinandersetzt als bekannt voraus. Ich möchte daher vielmehr auf die Aufmachung und besonders die zweite CD eingehen.

Zur Aufmachung:
Die Edition kommt in der mir vorliegenden CD-Auflage (eine auf Vinyl gibt es ebenfalls - diese enthält allerdings nur den "Live in Leipzig" Gig und ist aus dieser Warte heraus eher uninteressant) als mehrfach ausklappbares Digipak mit einem 24-seitigen Beiheft, welches Liner-notes, Auszüge aus Briefen und zum Teil rare Fotos enthält. Für eine Jubiläums-Ausgabe also durchaus edel. Die Vorderseite zeigt das Cover der Vinyl-Erstauflage von 1993, welche allerdings etwas digital modifiziert wurde. Die Rückseite zeigt ein Foto, den Titel, die Inhaltsangaben beider CDs und die Line-ups, sowie eine kleine Dankesliste.

"Live in Zeitz":
Die zweite CD enthält dann die Aufnahme "Live in Zeitz". Der Mitschnitt war nie offizieller Bestandteil der offiziellen Diskographie Mayhem's, geistert aber schon seit Jahrzehnten in Form zahlreicher Bootlegs durch die 'Szene' (ähnlich wie "Dawn of the Black Hearts" - mit dem Unterschied, dass "Dawn..." auf Grund seinen historisch relevanten Hintergrundes, man beachte die Umstände zur Entstehung des Covers, in die Diskographie aufgenommen wurde). Das Konzert stammt aus der Periode der selben Tour und fand gerade einmal zwei Tage vor Leipzig statt. Daher gibt es in der Setlist auch kaum Unterschiede: es werden gar haargenau die gleichen Songs präsentiert, abzüglich der Leipzig-Zugabe "Pure Fucking Armageddon". Zur Aufnahme bleibt eigentlich nur zu sagen, dass sie relativ schlecht ist. So hört sie sich wie bereits x-mal von Tape kopiert und dann nochmal durch den mp3-konverter gejagt an. Auf einer Anlage von 2.1 aufwärts klingt es aber zumindest erträglich. Da wurde also technisch nochmal ein wenig getrickst. Die Atmosphäre indes ist stark, reicht aber nicht an "Live in Leipzig" heran.

Fazit:
Ob man diese '25th Anniversary Edition' jetzt unbedingt braucht, sei einmal dahin gestellt - zumal Mayhem-Die-Hard-Maniacs sowieso schon beide Werke im Plattenregal stehen haben werden. Für Neulinge aber, die sich erst noch im Black Metal zurechtfinden wollen, und einen Eindruck von dem bekommen möchten, was wahrer Black Metal einst für eine Kraft und Bedeutung hatte, sei diese edel aufgemachte, verhältnismäßig preisgünstige Edition wärmstens empfohlen.

Ich enthalte mich hier einer Punktevergabe.


Darbietungen:
1-01. Deathcrush
1-02. Necrolust
1-03. Funeral Fog
1-04. The Freezing Moon
1-05. Carnage
1-06. Buried by Time and Dust
1-07. Pagan Fears
1-08. Chainsaw Gutsfuck
1-09. Pure Fucking Armageddon
2-01. Deathcrush
2-02. Necrolust
2-03. Funeral Fog
2-04. The Freezing Moon
2-05. Carnage
2-06. Buried by Time and Dust
2-07. Chainsaw Gutsfuck
2-08. Pagan Fears

Laufzeit: ca. 185 Minuten

Samstag, 2. Januar 2016

Preview: Centipede - Sarnath (CD, Inverse Records - 2016)

Neues Futter aus Finnland. Auch wenn das Logo und das Cover vielleicht darauf schließen lassen: es handelt sich hier eindeutig nicht um Death Metal (auch keinen post-modernen), sondern viel mehr um klassischen Stoner Rock mit Heavy Metal versetzt. Centipede präsentieren mit "Sarnath" nach zwei EPs und einer Split-Veröffentlichung ihr Debüt-Album. Was es bringen wird, lest ihr im folgenden...







Centipede agieren als Trio. Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug. Mehr braucht es ja auch nicht. Musikalisch setzt man vor allem auf eine dreckig-rotzige Stoner Rock Variante mit Asi-Rock-Attitüde, die an Bands wie Mammoth Mammoth aus Australien oder auch die unterschätzten Schweden Odyssey erinnert. So zeigt sich auch gerade der Gesang ziemlich rau und abgefuckt dreckig. Das ganze ist auch mit reichlich Heavy und Doom Metal versetzt und gibt dem Album noch einmal die richtige Härte, Melodie und Tiefe, die es benötigt. Sehr gut kommt dies bei "Frostbite" zur Geltung oder auch im Instrumental "Abyssal". "Black Mead" weist gar eine etwas okkulte Note auf - geht aber nicht den konsequenten Weg von Huata. "Beacon of the Profane" ist dagegen wieder richtig heavy und tritt ordentlich Ärsche. Genauso übrigens wie "Midwinter Wolves", der durch seinen satten Gitarren-Einsatz überzeugt. Den Abschluss macht das namens gebende Titelstück, welches Dank seiner Instrumentalisierung als auch durch seine Länge das epischste Stück der Scheibe ist. Geil!

Fazit:
Mit "Sarnath" ist den drei Finnen ein sehr gutes Debüt-Album geglückt. Die richtige Mixtur aus Stoner Rock/Metal mit der korrekten Dosis Heavy Metal und Doom-Passagen. Die fette Produktion und die epische Inszenierung tun ihr übriges dazu. Ein Album zum genießen und abgehen. Wer auf gut produzierte Gitarren-orientierte Musik abfährt, kommt an diesem Album ohnehin nicht vorbei. Wobei Centipede wohl nicht jedermanns Geschmack treffen werden, wenngleich das Werk natürlich nicht so extrem "hässlich" rüber kommt, wie etwa das letzte Werk "Abysmal Despair" der von mir bereits erwähnten Odyssey aus Schweden. Das Album wird am 04.03.2016 veröffentlicht werden und in drei Varianten erscheinen: zum einen in digitaler Form als Download, als limitierte Auflage auf CD und als 12'' Vinyl-Single, welche neben den beiden ersten Liedern auf Platte noch eine Code-Karte zum Download des vollständigen Albums enthalten wird. Diese Veröffentlichungs-Politik erinnert etwas an das erste Album der Black/Doom Metaller Usnea, die bei der Vinyl-Auflage ihres Debüts auch nur zwei Titel auf der Platte hatten und den Rest mittels Download-Code bereitgestellt.

8.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Drown
02. The Unspoken
03. Frostbite
04. Abyssal
05. Black Mead
06. Beacon of the Profane
07. Midwinter Wolves
08. Sarnath

Laufzeit: ca. 37 Minuten

Review: Sjodogg - Ode to Obscurantism (CD, Osmose Productions - 2010)

Willkommen, werte Leser, im neuen Jahr. Lasset uns dieses mit einem bereits etwas älteren Werk beginnen. Es handelt sich hier um das vorletzte Album (das jüngste stammt aus dem vergangenen Jahr, welches ich mit Sicherheit bei Zeiten auch noch besprechen werde) der mir bis dato unbekannten norwegischen Kapelle Sjodogg.








"Ode to Obscurantism" macht seinem Namen schon alle Ehre, wenn man sich nur schonmal den Anfang anhört. Ungewohnt, unharmonisch, irgendwie chaotisch und sehr obskur. Mit anderen Worten eher schwer zugänglich. Willkommen in der musikalischen Landschaft der Progressive Black Metaller Sjodogg. Nicht nur das Cover wirkt irgendwie merkwürdig minimalistisch und beängstigend, sondern auch die kakophonischen Darbietungen der Herren. Einerseits hat man hier nihilistischen Black Metal, andererseits aber auch viele eher genre-fremde Einflüsse, sowohl in den Instrumenten als auch im Gesang. Wohl dosiert platzierte Tempowechsel, akustische Passagen, wie auch eher komplett progressive Stellen durchziehen das Geschehen genau so wie Stimmungswechsel in den Vocals, der mal schreiend, mal keifend, mal flüsternd, gröllend oder klar daherkommt.

Fazit:
Alles in allem ein durchaus gelungenes Album, auch wenn es schon die ein oder andere Länge aufweist. Aber immer, wenn man denkt, dass es zu monoton wird, passiert wieder etwas Unverhofftes, was "Ode to Obscurantism" eindeutig über das Mittelmaß hervorhebt. Man muss sich allerdings auf die Musik, die wirklich alles andere als eingängig ist, einlassen können/wollen und gewillt sein, etwas über den Tellerrand zu schauen, auch wenn Sjodogg hier mehr ursprünglichen Black Metal bieten als andere progressive Schwarzmetall Kapellen wie etwa die jüngst bewerteten Ekstasis.

7.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Dehicence
02. Winter Sickness
03. Black Locust Solace
04. Cordylobia the Emasculator
05. Day of the Centipedes
06. The Unmolested
07. Rhegma
08. In the Pungent Mires of Aholibah

Laufzeit: ca. 44 Minuten