Sonntag, 31. Mai 2015

Review: Eoront - Dhaar (CD, Wolfsgrimm Records - 2015)

Was haben wir denn hier? Atmosphärischen Black Metal aus Russland? Mein erster Gedanke war tatsächlich "nee, lass mal lieber", aber als ich mir das zweite Werk von Eoront anhörte, wurde ich doch recht positiv überrascht.










Denn wer hierbei an typisch russisches Keyboard-Black Metal-Rumgeflickere denkt, der irrt wie ich ganz gewaltig. Die Band zelebriert auf dieser CD zwei Lieder mit einer sagenhaften Gesamtlänge von etwas mehr als 40 Minuten. Das verrückte dabei: es wird nie langweilig! Zugegeben, die nahezu perfekte Produktion hat so überhaupt nichts Raues an sich, und dürfte Puritisten wohl eher nicht zusagen - doch auch denen empfehle ich ganz klar zumindest mal eine Hörprobe. Man sollte sich auch für genrefremde Einflüsse wie Klassik oder Folklore erwärme können, denn ansonsten wird man an "Dhaar" definitiv keine Freude haben. In diesem Fall kann ich aber sagen, dass es sich hier um ein exzellentes atmosphärisches Album handelt, was zwar modern klingenden Black Metal (KEIN Post Rock / Shoegaze / whatever Scheiß!) enthält, darüber hinaus noch Akustikgitarren, Kehlkopf-Gesänge, Ambient, Klargesang, Klaviermusik, Natursamples und vieles mehr bietet, und den Hörer so zu einer tiefgründigen und spirituellen Reise entführt, in eine Welt, in der man sich einfach nur verlieren will. Einen Traum, ohne Erwachen.

Fazit:
Absolut geniales Werk! Ich bin mit keinen Erwartungen an die Sache heran gegangen und letztendlich hat mich dieses Album total in seinen Bann gezogen. Wie erwähnt hat die Musik von Eoront nur sehr bedingt etwas mit Black Metal zu tun - dieser stellt hier lediglich das musikalische Grundgerüst, um welches sich die gesamte spirituelle Ebene dieser Band in all ihren Fascetten entfaltet. Übrigens ist das Album auch nur bedingt für Summoning-Anhänger empfehlenswert, obwohl das Cover etwas ähnliches suggerieren könnte und hat auch nichts mit Tolkien-Fantasy zu tun. Insgesamt klingt die Band erfrischend eigenständig und lässt sich auch nur in Teilen mit anderen Bands wie vielleicht Kroda, Horn, Schmerz oder Caladan Brood vergleichen. Die deutsche Schmiede Wolfsgrimm Records veröffentlichte das ursprünglich "Д'хаар" betitelte Album neu in einem edlen Digipak, welches auf 500 (nicht durchnummerierte) Exemplare limitiert ist.

9.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. the RITE
02. the SUN of the SPIRIT

Laufzeit: ca. 40 Minuten

Review: Drudensang - Prinzipien der Grausamkeit (MC, Black Blood Records - 2015)

Die Truppe aus Bayern, die anno 2013 aus der Asche von Ravnsvart empor stieg, meldet sich nach dem grandiosen ersten Rehearsal-Tape "Dunkle Tradition" endlich, zwei Jahre später, zurück.











Eingeleitet wird das Ganze durch einen Herrn Kinski, der Villon's "Die Lästerzungen" rezitiert (hatten wir so etwas nicht schon einmal im deutschen Underground?). Dazu ein wenig ritueller Ambient. Das geht dann gleich über in den ersten wirklichen Song "Metamorphose", der ziemlich brachial anmutet, gleichzeitig aber eine äußerst düstere und bedrohliche Atmosphäre inne hat - was nicht zuletzt auch an dem Part auf der Akustikgitarre liegt. "Parasit" kommt da eine Spur getragener, aber auch misanthropischer daher. Texte liegen leider keine bei, teilweise sind sie aber schon verständlich - auch wenn man hier schon eher davon sprechen kann, dass sowohl die Stimme als auch die Instrumente einen gewissen nichthumanen Klang aufweisen, was guten Schwarzmetall ausmachen sollte. So geht es auch in den Texten ganz typisch hauptsächlich um den Tod, das Böse, Misanthropie und alte Riten.

Fazit:
Ich könnte noch nicht einmal genau bestimmen, woran es liegt - aber insgesamt reißt mich das zweite Werk von Drudensang nicht mehr so mit, wie es noch ihre erste Kassette getan hat. Was nicht heißt, dass es sich bei "Prinzipien der Grausamkeit" um ein schlechtes Demo handelt - im Gegenteil greift man hier sogar aus den Vollen, was Aufmachung und Darbietung angeht, hat sogar wirklich hervorragende Lieder und bösartige Melodien zu bieten. Schon alleine dadurch hebt sich die Kassette von dem täglichen Einheitsbrei, der gerade aus Deutschland kommt, wohltuend ab. Limitiert ist die professionell aufgemachte Kassette auf 99 handnummerierte Exemplare - einigen ausgewählten davon wurden zudem Beigaben wie Tierknochen, -zähne, Krähenfüße oder dergleichen hinzugefügt, was die rituelle Thematik noch einmal untermauert und die ganze Angelegenheit zu einem in sich geschlossenem Ritual werden lässt. Inzwischen ist auch die LP-Fassung des Demos von der Pesttanz Klangschmiede veröffentlicht worden, in einer Auflage von lediglich 300 Stück.

8.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Prolog
A-02. Metamorphose
A-03. Parasit
B-04. Todesstoß
B-05. Epilog

Laufzeit: ca. 24 Minuten

Review: Tiil Sum - In Articulo Mortis (CD, Eastside / Dark Omen Production - 2013)

Aus Polen stammt dieses Ein-Mann-Kommando. Der Bandname stammt aus dem reichhaltigen Fundus des verstorbenen Fantasy-Autoren J. R. R. Tolkien - mehr hat die Musik des Polen aber nicht mit der Welt Mittelerdes zu tun. Vielmehr zelebriert man hier einen sehr melancholischen atmosphärischen Black Metal, der auch textlich gesehen genau das aussagt, was man bei dem Bandnamen erwartet, der in etwas so viel wie "Letzter Atemzug" bedeutet.






Mal abgesehen von dieser CD hier kann die Band auch bereits eine Kassetten-EP vorweisen, welche im Jahr 2011 über Depressive Illusions aus der Ukraine veröffentlicht wurde. Soll aber nicht Thema hier sein. "In Articulo Mortis" jedenfalls stellt ein waschechtes depressives Black Metal Album dar, welches zwischen diesem ganzen Rotz, der sich allgemein als "DSBM" schimpft, durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Das geht bei den Instrumenten und der dichten Atmosphäre los. Nihilistisch durch und durch, vielleicht sogar etwas monoton, aber gekonnt in Szene gesetzt. Auch klingt hier alles so typisch nach polnischem Schwarzmetall - und verdammt, das mag ich einfach! Soll jedoch jetzt nicht heißen, dass hier nicht die eine oder andere Überraschung in musikalischer Hinsicht geboten wird. Der Gesang von Legion erinnert mich derweil an die Schweden Algaion.

Fazit:
Das Album fängt zwar ziemlich zahnlos und typisch für depressiven Black Metal (wenn auch sehr atmosphärisch und erhaben) an, steigert sich aber nach einer Weile und wird richtiggehend aggressiv in seinem Klangbild, und bietet auch durchaus Passagen, die man in dieser Genrenische jetzt nicht unbedingt erwarten würde.

8.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Nadchodzi noc
02. Oplyn mnie, ciemny lesie
03. ...
04. Placz moj zalobny
05. W ciemnosci
06. Turpizm

Laufzeit: ca. 37 Minuten

Samstag, 30. Mai 2015

Review: Acherontas - Ma-Ion "Formulas of Reptilian Unification" (CD, World Terror Committee - 2015)

Nach der letztjährigen Split "Pylons of the Adversary" (mit u.a. Arditi und Puissance) erscheint nun endlich der Nachfolger des grandiosen Werkes "Amenti" und kann dem Ganzen sogar noch einmal ordentlich einen drauf setzen. So melden sich die Okkultisten aus Griechenland wort- und klanggewaltig zurück in bisher nicht dagewesenem Ausmaß...








So ist nicht nur festzuhalten, dass Ma-Ion über eine beachtliche Zahl an Liedern und folglich auch einer überlangen Gesamtspielzeit verfügt, sondern auch eine stolze Anzahl an Gastauftritten diverser namhafter Individuen aus dem Untergrund, so u.a. ar-Ra'd al Iblis von Nightbringer, TT von Abigor und Indra von Naer Mataron. Zelebriert wird innerhalb der vier Lieder eine atmosphärische Mischung aus mystischem Black Metal, Meditationsmusik und auch etwas Ambient. Das klingt zwar unspektakulär, verfehlt seine magische Wirkung jedoch - auch gerade dank der super Produktion - ganz und gar nicht. Okkulte Klänge wechseln sich mit erhabenen Schwarzmetall-Hymnen - Gnosis und Nacht... Kosmos und Antithese - und das Album entfaltet sich mit jeder Minute, jedem einzelnen Klangbild weiter und offenbart sich dem aufmerksamen Hörer auch erst nach mehrmaligem Hörgang in seiner ganzen schwarz-erhabenen Göttlichkeit. Die perfekte Symbiose aus Okkultismus, Meditation und Black Metal! Punkt.

Fazit:
"Ma-Ion" bringt vor allem eines: Erkenntnis! Erkenntnis darüber, dass Acherontas mit diesem Werk definitiv ihr Monument errichtet haben. Erkenntnis, dass Musik einer solcher Spielweise einfach nicht von dieser Welt stammen kann, sondern Sphären der menschlichen Seele kratzt, die lang vergessen schienen. Erkenntnis, dass Black Metal für einige Wenige halt doch noch mehr als nur Musik zu sein scheint. Acherontas gehören in meinen Augen zu einer Handvoll durchaus seriöser und ernst zu nehmender Bands, die es verdient haben, wirkliches Gehör zu finden, dass man sich mit ihrer Musik und ihrer Thematik auseinander setzt. Keine weitere 08/15-Band, die "Heil Satan" oder "Wir töten alle" propagiert, sondern ein wirklich durchdachtes und in sich schlüssiges Konzept verfolgt. Neben der normalen CD im Jewelcase gibt es das Album auch als auf 500 Stück limitiertes A5-Digipak, welches noch fünf Karten mit magischen Symbolen enthält, einige wenige Exemplare enthalten darüber hinaus Teile von Schlangenhaut und/oder Weihrauch (der Bestandteil alter Begräbnisriten der Hellenen war). Die Auswertung auf Vinyl soll auch bald noch erfolgen.

10 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Fires of Prometheus
02. Nereid Tide of Neptune's Rudra
03. Convolut-ion, Manifest-ion, Secret-ion, Karma-Iravatl the Thunders Emerged
04. Ma-Ion "Formulas of Reptilian Unification"
05. Permutation in the Aetheric Void (Ma-Ion Sacred Seal)
06. Shaman and the Waning Moon
07. Lunar Transcendence & the Secret Kiss of Nut
08. The Awakening of Astral Orphic Mysteries - Behind the Eyes of Irida
09. Copper Arcana
10. Therionic Transformation
11. Orgiastic Feast of Flesh, Beheld Thine Vicissitude

Laufzeit: ca. 70 Minuten

Donnerstag, 28. Mai 2015

Stellungnahme

Moin.

So, nun endlich melde ich mich offiziell - nach Wochen und Monaten der Abstinenz - zurück.
Und nicht nur dieser Blog stand still, sondern alles, was mich und mein Verhältnis zu dem Schwarzmetall-Kult betraf.

So habe ich mich eine ganze Weile zurückgezogen aus all' dem, um den Kopf frei zu kriegen und mir über gewisse Verhältnisse und Dinge klar zu werden. Meine Beziehung zu diesem Kult als Lebensinhalt und "Ideologie" zu überdenken. Wie sehr kann ich überhaupt noch den Black Metal leben?

Da kam der Umstand, dass mein PC geschrottet war (bzw. immer noch ist), gerade recht - so hatte ich auch erst gar nicht die Gelegenheit, meine Prinzipien zu verraten und den Blog weiterzuführen. Innerhalb dieser Zeit blieb auch so einiges auf der Strecke: Beziehungen, "Freundschaften", Kontakte, CDs und Platten (burn, baby). Auch liegt alles, was das Projekt "Sampler" oder Totensänge betrifft, auf Eis. Mir bedeutet diese verlogene, selbstdarstellerische Szene absolut nichts mehr! Und genau wie ihre ganzen Prollo-Bands mit ihren Rockstar-Allüren, die sie zuhauf auf Visagenbuch zu finden sind, gehen mir gediegen gesagt, am Allerwertesten vorbei. Keiner dieser Leute hat das verdammte Recht, sich als Black Metal zu titulieren. Mir ist auch durchaus klar, dass ich einige Leute enttäuscht und verletzt habe. Das nehme ich für mein Seelenheil in Kauf - denn letztlich bin ich auch nur ein Mensch, der in erster Linie erstmal an sich und die kleine Schar denkt, die ihm wirklich wichtig sind. Keine Entschuldigung. Für nichts. Für niemand.

In welcherlei Hinsicht dieser Blog noch Sinn macht, ist zwar durchaus fraglich - doch bin ich auch nicht gewillt, Unholy Black Art Of Ritual sterben zu lassen. Einfach aus dem Grund, weil ich Freude daran habe. U.B.A.O.R. war nie für eine Szene oder selbsternannte elitäre Wichtigtuer gedacht. Ich sehe mich wie erwähnt nicht als Teil einer Szene oder einer Elite an - ich schreibe für mich und lasse andere, interessierte Personen gerne daran teil haben. Und genau deshalb werde ich diesen Blog auch wieder dorthin bringen, für das er mal stand: geschriebene Wörter, zum Thema Schwarzmetall und artverwandte Themen, direkt aus dem Bauch und dem Herzen heraus! Und noch etwas, um dies noch einmal und ein für alle Mal zu erwähnen: dieser Blog ist NICHT politisch! Mir ist durchaus bewusst, dass ich auch durchaus Horden aus der "Grauzone" oder aber eindeutig zuzuordnende Bands bespreche (sei es aus dem einen oder anderen extremen Lager) - aber das hat für mich nichts mit einer politischen Gesinnung zu tun. Es geht hier in erster Linie um eines: Musik, und ich bespreche, was mich in irgendeiner Form emotional berührt (im Guten wie im Schlechten). Das mögen vielleicht manche für naiv und vielleicht inkonsequent halten - aber es ist nun einmal so. Punkt.

Mein Dank gilt allen Horden und Personen, die an diesen Blog, mich als Person und den Black Metal im Allgemeinen auch weiterhin glauben. Sowie an die wirklichen Kameraden, die mich in der Zeit dieser Erkenntnisfindung begleitet haben.
U.B.A.O.R. wird fortgeführt, evtl. bekommt der Blog gar noch ein oder zwei Schreiberlinge mehr. Meine Freizeit ist leider begrenzt und schließlich möchte ich auch eine alte Tradition dieses Blogs wieder ins Leben rufen: die Besprechung von Filmen - und wer weiß, vielleicht wird sich in Sachen Gemeinschaftstonträger ja doch noch einmal etwas ergeben.