Samstag, 15. März 2014

Review: Thromos - Dematerialisation (CD, War Against Yourself / Self Mutilation Services)

Das deutsche Duo Thromos mausert sich ja auch langsam zu Dauergästen auf meinem kleinen Review-Blog. Und das wohl auch zurecht. Mit "Dematerialisation" ist mir nun eine CD der Band in die Hände gefallen, die laut Informationen aus dem weltweiten Netz 2012, noch vor dem "Haures"-Album, veröffentlicht wurde. Allerdings ist das Werk weder im VÖ-Katalog der Mexikaner S.M.S., noch im Katalog der Italiener W.A.Y. zu finden. Lediglich der Methorn Mailorder hat sie vor ein paar Tagen/Wochen in sein Programm mit aufgenommen.





Und zum Glück wurde ich da relativ zeitnah drauf aufmerksam, denn die CD scheint schon wieder vergriffen zu sein. Nun denn, kommen wir also endlich zur Musik. Die bietet natürlich wieder einmal Black Metal in seiner ursprünglichsten Form, wie man ihn von Thromos gewohnt ist. Schlicht und ergreifend rau, nihilistisch, desolat, kalt und leer. Hinzu kommen natürlich die recht okkult anmutenden und schwarzmagischen Titel ("Magie des Mondes", "Vollmondritual", "Dematerialisation", "Nebulae" oder auch "Die schwarze Flamme Satans" lassen da doch recht deutlich vermuten, worum es hier geht), die das Herz eines jeden Puritisten akut höher schlagen lassen werden. Vergleiche zu den Pionieren des deutschen Underground Black Metal Moonblood sind auch hier nicht von der Hand zu weisen - auch die hatten schon diesen Rehearsal-typischen rauen und trotzdem sehr erhabenen, fast epischen Klang. Wohlgemerkt darf das Wort 'Epik' in diesem Zusammenhang nicht als das verstanden werden, was man allgemein mit diesem Ausdruck verbindet. Ausgedehnte Keyboard-Teppiche sucht man hier ebenso vergeblich wie ein sauber produziertes Klangbild. Aber jeder, der für die Musik Moonblood's empfänglich war und ist, wird verstehen, was ich meine. Was auch hier natürlich wieder nicht fehlen darf, ist der nicht betitelte und aufgeführte letzte Song, der wie schon bei den vorangegangenen Veröffentlichungen nur ein paar Sekunden Länge aufweist und daher auch genau so abrupt endet wie er begann. Anders als beispielsweise bei Nargaroth's "Fuck off nowadays Black Metal" scheint es sich aber nicht um vereinzelte Bruchstücke eines kompletten zusammenhängenden Songs zu handeln, der mit jedem neuen Release mehr Form annimmt oder gar erst komplettiert wird, indem man alle Bruchstücke einer Auflage zusammenfügt. Wäre aber ne nette Idee gewesen, das mit jeder neuen Veröffentlichung weiter auszubauen.

Fazit:
Thromos stellt für mich ein absolutes Phänomen in der deutschen Black Metal 'Szene' dar. Natürlich ist das, was die Band hier zelebriert alles andere als neu. Aber tut sie das spürbar mit so viel Herzblut, dass es eine wahre 'Freude' ist, ihnen zuzuhören. Dabei gelingt es der Band auch durchaus, ähnliche Sphären zu erzeugen, wie es schon lange keine deutsche Band mehr vor ihnen geschafft hat. Auch rein musikalisch betrachtet handelt es sich hier um das wohl bisher ausgereifteste Album der Band. Anhänger der Musik von Moonblood, Tha-Norr, Dying Fullmoon oder neuerer Kombos vom Schlage Shroud of Satan dürfen hier mal wieder bedenkenlos zugreifen. Bleibt zu erwähnen, dass ich persönlich dieses Album wieder wesentlich gelungener als "Haures" finde.

9.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Die schwarze Flamme Satans
02. Magie des Mondes
03. Gestürztes Kreuz
04. Pentagramm
05. Hörner
06. Nebulae
07. Ich folge Satan
08. Vollmondritual
09. Dematerialisation
10. hidden Track

Laufzeit: ca. 57 Minuten

Review: Evocation of Despair - Auf ewig mit Dunklem vereint (MC, Urtod Void)

Evocation of Despair haben sich als Band zwar aufgelöst, jedoch gibt es durchaus immer noch Leute, die den Geist dieser Band bewahren. Letztlich sind es nur noch Sänger Sjelskrig und Schlagzeuger Czarnobôg, denen wir es zu verdanken haben, dass diese Band aufrecht erhalten wird. Letztgenannter ist auch der Inhaber des kleinen Labels Urtod Void, welchem wir auch die Veröffentlichung der Evocation of Despair Demo auf Kassette zu verdanken haben.




Machen wir es kurz, da sich eine doch recht ausführliche Besprechung der eigentlichen Demo auf CD von mir bereits hier finden lässt. Wirklich neu bei dem Tape ist die geniale Aufmachung. Das Artwork ist zwar relativ schlicht gehalten, wie man auf den ersten Blick vielleicht annehmen möchte, aber es verfehlt seine Wirkung nicht. Auf der Außenseite des beidseitig bedruckten Covers lassen sich zudem noch die Liederliste, Informationen zur Aufnahme, zur Neubearbeitung der Demo-Songs und zur Intention hinter dieser nochmaligen Veröffentlichung von "Auf ewig mit Dunklem vereint", sowie die individuelle Widmung finden. Auf der Innenseite dann ein kultiges Poser-Foto mit Sjelskrig und Czarnobôg, inklusive AK's - ganz Rambo-Style - und die Sonnenbrille ist mal wirklich 'Porno', hrhr.

Hinzu gesellt sich in der innen mit Schaumstoff gepolsterten Box ein Logo-Aufnäher (rund, schwarzes Logo auf weißem Grund), sowie ein Poster mit dem Coverartwork der CD-Auflage und ein Textblatt, welches neben einem weiteren Poser-Foto (diese Sonnenbrille - zum schreien) alle Texte enthält. Leider ist der Druck hier nicht so 100%-ig gut, bzw. die Schrift evtl. auch zu klein, denn gut leserlich ist anders. Aber das ist meckern auf hohem Niveau.

Was das Tonmaterial der Kassette angeht, so ist dieses wie bereits schon weiter oben erwähnt, komplett remastered. Verantwortlich für diese Bearbeitung zeichnet das Regensburger Tonstudio Never Ending Music, welches hier grandiose Arbeit geleistet hat. Durch die nochmalige Aufarbeitung der Lieder wirken diese noch einmal so kraftvoll und doppelt so 'böse', wie in ihrer ursprünglichen Form auf der CD. Das ist genau das, was man von einer Wiederveröffentlichung erwarten dürfte.

Fazit:
Eine durch und durch gelungene Veröffentlichung, und das ist eigentlich auch genau das Release-Format, welches "Auf ewig mit Dunklem vereint" auch verdient hat. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das Tape wohl hauptsächlich als Einzelveröffentlichung released worden, nur für einige Wenige wurde dann diese Box gefertigt, die wirklich sehr edel verarbeitet wurde, inklusive dem Schriftzug auf der Frontseite. Leider sind weder das Tape noch die Box ansich handnummeriert oder generell irgendwie sichtbar nummeriert, was mich als eigentlichen Anhänger von Limitierungen etwas enttäuscht - doch wie schon gesagt: das ist meckern auf hohem Niveau und nimmt diesem Release auch nichts von seiner eigentlichen Qualität! Von der Box wurden laut Angaben auf der Seite von Urtod Void 16 Stück gemacht, von dem regulären Tape sind weitere 15 Stück vorhanden, bringt die ganze Angelegenheit auf eine Limitierung von insgesamt 31 Exemplaren. Eventuell habt ihr bei zügiger Nachfrage bei Urtod Void sogar noch Glück, und könnt noch eine Kopie für eure Sammlung ergattern - denn eins ist klar: Das Teil gehört definitiv in JEDES Regal, was sich ernsthaft als Black Metal-Sammlung bezeichnet! Da sich diese Rezension jetzt nicht nur allein auf die Musik, sondern auf das Gesamtkunstwerk (was es ist) bezieht, vergebe ich die volle Punktzahl...

9.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Sterbend die Wahrheit sehen
02. Elegy of Madness
03. Es schimmern schwarz die heim'schen Wälder
04. Possessed by Solitude and Void
05. Tormented by Devils

Laufzeit: ca. 32 Minuten

Freitag, 14. März 2014

Review: Kawir & Nergal & Embrace Of Thorns & Soulskinner - Emissaries of a Profane Advent (LP, Hammer of Hate Records)

Ein finnisches Label vereinigt vier Truppen der härteren Metal-Gangart aus Griechenland unter seinem Banner. Wenn das nichts ist. Vor allem, wenn es sich bei dem Label um Hammer of Hate und bei den Bands um die Kult-Bands Kawir und Nergal handelt. Embrace of Thorns und Soulskinner sagten mir bisher allerdings rein gar nichts. Erstere habe ich zwar in irgendeinem Zusammenhang mal namentlich gehört, aber wirklich beschäftigt habe ich mich mit ihnen nicht.





Beginnen wir mit Kawir. Der doch recht rasante Stil, der sowohl erhabenen und räudigen Black Metal mit viel Melodie und Rhythmus verbindet, überrascht hier nicht wirklich. Zunächst erhabener Klargesang, dann durchgehend Gekeife. Überrascht nun auch nicht wirklich. Zum Ende hin noch ein sehr paganer Akustikakt. Das klingt halt typisch nach Kawir. Aber genau so möchte man sie auch, nicht wahr?! Ihr "Prometheus" kann auf jeden Fall überzeugen, auch wenn hier nichts wirklich Neues geboten wird.

Es folgen ihre Landsleute Nergal mit ihrem Titel "Flegethon". Doch halt... was zur Hölle ist das? Ambient? Keyboard-Gewichse? Auweia. Hoffentlich vergeht das schnell wieder. Aber schnell wird mir klar, dass dies nicht der Fall sein wird, und nachdem diese Seite der Platte durch ist, riskiere ich dann doch einmal einen Blick ins weltweite Netz. Doch tatsächlich: dort ist zu lesen, dass es bei der Platte offenbar einen Presswerkfehler gegeben hat, und der Song von Nergal nicht drauf ist, sondern irgendetwas anderes. Keine Ahnung, was es ist - aber es schmerzt. Erheblich!

Platte gewendet und es erschallen Embrace of Thorns aus den Boxen. Da fühlt man sich doch gleich wieder heimiglich. Ihr Beitrag "Dismal Augur of the Hierophant Mass" kann sich auch durchaus hören lassen, bietet einen gelungenen Mix aus Death mit Black Metal, versetzt mit einer herrlichen 80's/90's-oldschool Thrash Metal-Note. Geil!

Den Rausschmeißer liefern mit ".44 Caliber Killer" die vier von Soulskinner. Geboten wird Death Metal der alten Schule, der auch einige Anleihen an den Grind besitzt. Jetzt nicht so ganz meins, aber das hier gehört definitiv zu den besseren Sachen, die ich aus der Sparte gehört habe - daher sei an dieser Stelle auch für diese Band eine klare Empfehlung ausgesprochen meinerseits.

Fazit:
Ja, wie bewertet man so etwas nun? Kawir überzeugen, wie immer. Nergal sind im Endeffekt leider gar nicht vertreten (wahrscheinlich durch einen Fehler im Presswerk), stattdessen bekommt man allerübelstes Keyboard-Gewichse um die Ohren, wogegen die Ergüsse eines Varg Vikernes noch reines Gold sind. Embrace of Thorns und Soulskinner überzeugen durch ihren sehr oldschooligen Sound. Zwar wiegt die Tatsache, dass Nergal nicht enthalten sind, sehr schwer - trotzdem muss ich sagen, dass sich die Anschaffung dieser 10'' MLP trotzdem lohnt - allein wegen Kawir und Embrace of Thorns! Muss letztlich jeder für sich entscheiden. Eine Neuauflage wird es indes nicht geben, auch keine fehlerfreie Auflage als Austausch. Schade finde ich auch, dass hier für den ehrlichen Käufer nicht die Möglichkeit eines Downloads des Nergal Songs geschaffen wurde. In dieser Form nur...

5.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
Kawir
A-01. Prometheus
 Nergal
A-02. Flegethon (das Lied ist leider nicht wirklich enthalten, dafür etwas 'anderes')
Embrace of Thorns
B-03. Dismal Augur of the Hierophant Mass
Soulskinner
B-04. .44 Caliber Killer

Review: Die Toten kehren wieder mit dem Wind - Ein Wanderer (CD, Eigenproduktion)

Damit hätte ja nun wohl kaum jemand gerechnet... urplötzlich bekomme ich einen omninösen Musik-Trailer zu "Ein Wanderer" zu Gesicht, dem neuen Album des Ein-Mann-Projektes Die Toten kehren wieder mit dem Wind, und bin sofort hin und weg. Schließlich liegt der letzte Longplayer auch schon gute vier Jahre zurück. Grund genug also, um mal wieder beide Lauscher zu riskieren - denn wenn der Name dieser Band fällt, darf man ja bekanntlich mit allem rechnen... außer mit R'n'B.




Zunächst einmal sticht wieder die Aufmachung heraus: Pro-CDr in einer handgefertigten und gebundenen Verpackung, die entfernt an ein Digisleeve erinnert. Das hat mal wieder sehr viel Stil und verbreitet schon vor dem Hören einen wohligen Underground-Charme, der dem Gros der Bands heutzutage ja leider völlig abgeht. Die meisten Black Metaller wollen halt auch nur bloße Popstars sein.

Was mich dann auch gleich zum wichtigsten Punkt dieser Besprechung bringt... der Musik. Enthalten sind acht Lieder, von denen vier instrumentaler Natur sind, die restlichen vier stellen sehr atmosphärischen Black Metal dar. Was direkt zu Beginn auffällt, aber auch insgesamt betrachtet der Fall ist, ist, dass der Ambient-Einfluss, der sich ja hier und da schon auf den vergangenen Werken fand (und auf "Stille" seinen bisherigen Höhepunkt erreichte), hier noch weiter ausgebaut und ihm auch allgemein wesentlich mehr Platz zugesprochen wurde. Das mag nun nicht jedem gefallen, vor allem Puritisten werden von diesem Album eher bitter enttäuscht sein. Aber, und das ist mal ein verdammt großes ABER, für diese Leute wurde die Musik Bradhenr's schließlich auch nie gemacht, und wahrscheinlich auch nie wirklich gedacht. Die Toten kehren wieder mit dem Wind war schon immer mit einer experimentellen Note behaftet (zumindest sehe ich das so), und auch immer eher philosophischer Natur, als irgendwelche Klischees zu bedienen. Wie der Name der CD daher schon vermuten lässt, handelt es sich hier um eine spirituelle Reise - weniger um Musik, die man ganz irdisch abfeiert. "Ein Wanderer" zwingt den Hörer förmlich dazu, sich mit ihm zu beschäftigen, ihm zuzuhören und sich mit ihm auseinanderzusetzen und sich auf ihn einzulassen. Klar bleibt der reine Black Metal da etwas auf der Strecke - ist aber nichts desto trotz vorhanden. Die ambienten Klänge sind manchmal stolz, erhaben und mystisch. Dann aber auch wieder düster, majestätisch, kalt und leer. Erinnern mich in Zügen an Werke Vinterriket's, ohne diese jedoch zu kopieren. Lied "VI" hat mit seinem eher geflüsterten Gesang / Wispern etwas von der Gothic-Band Sopor Aeternus, was wohl auch an den Glockenspielen liegen dürfte. Hinterher gesellen sich noch verzerrte, Black Metal-typische Gitarren hinzu, bis das ganze mit einem Chor ausgeklungen wird. Die sonstigen Black Metal-Anteile sind typisch für die Band und stehen Beiträgen von vergangenen Alben wie "Am Ufer des Sees" oder "Ich träume von Finsternis" in nichts nach. Auch leichte Anleihen an den Doom sind vorhanden.

Fazit:
"Ein Wanderer" ist wohl eher als das zu betrachten, was es letztendlich ist: als musikalisches Experiment und Wagnis, über den Tellerrand zu schauen. Musik jenseits aller Grenzen und Normen zu schaffen. Dass solche "Stilwandlungen" und Gradwanderungen selten gut, denn eher oftmals in die Hose gehen, brauche ich wohl keinem mehr zu erzählen. Im Falle des neuen Albums von Die Toten kehren wieder mit dem Wind ist es meiner Meinung nach aber absolut gelungen. Dieses Album besitzt eine Ausstrahlung, die ihres Gleichen sucht und erzeugt so unglaublich dichte Atmosphären, die in der Lage sind, diese Kälte und die Einsamkeit des Protagonisten fast schon körperlich spürbar zu machen. Musik, garantiert nicht für jedermann. Doch Leute mit einem Sinn für gute Musik mit viel Atmosphäre und für Klänge, die die Finsternis atmen, sei dieses Album nur empfohlen! Zu bestellen direkt bei der 'Band' auf der offiziellen Heimseite oder gleich per email an dietoten@nurfuerspam.de.

9.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. I
02. II
03. III
04. IV
05. V
06. VI
07. VII
08. VIII

Laufzeit: ca. 71 Minuten