Donnerstag, 30. Mai 2013

Review: Venenum - Venenum (LP, Sepulchral Voice Records)

Venenum... lateinisch soviel wie Zaubertrank oder auch Gift. Welcher Name könnte besser zu einer traditionellen Death Metal Kombo passen? Die Band aus Deutschland besteht aus vier Leuten, von denen Gitarrist P.T. zumindest mir auch von der Black/Thrash-Gruppe Hellish Crossfire her etwas sagt. Zelebriert wird wie schon erwähnt Death Metal der alten Schule, fies und gemein. Dabei aber durchaus melodisch...





Gleich der Opener "Bewitched Craft" gibt die Richtung vor. Nach einem kurzen einleitenden Teil geht es gleich in die vollen über. Dreckig und mit jeder Menge Rotz wird dann eine Art Death Metal dargebracht, die ich schon lange nicht mehr in dieser Form vernommen habe, und die ich wie ich gestehen muss, seit dem Ableben von Death auch schmerzlich vermisst habe. Klasse Auftakt! Wo kommen die Jungs nochmal weg? Nicht etwa Amiland. Auch keine Nordländer. Tatsächlich aus Deutschland! Und da bleibt mir nur zu sagen: es geht doch! Wieso muss man bis anno 2012 warten, um aus diesem Land solche anständige (Death Metal) Musik zu vernehmen?! Fuck off diesen ganzen neumodischen und größtenteils emotionslosen und belanglosen Mist, der heutzutage veröffentlicht wird. This is the real shit! Dieser Eindruck setzt sich auch mit "Crown of Reversion" fort. Headbang-Melodien aus dem Schlund der Hölle, langgezogene endlos tiefe Gitarrensoli, schwere und schleppende Passagen paaren sich mit wüster Raserei. Musik für die Horde, und allen Posern direkt auf's Maul. Genau so muss dat und nich' anders! Kurzer Seitenwechsel und nach einem erneuten kurzen Instrumental geht es gleich auch weiter mit "Sacrosanct Transcendence", der mit tiefen Gitarren und Glockenschlägen beginnt, und alsbald äußerst rhythmisch in einen eher schleppenderen Death/Doom übergeht, gespickt mit immer wieder auftretenden instrumentalen Soli. So etwas intensives und gleichermaßen auch authentisches hört man heute leider viel zu selten... und nach einem letzten kurzen instrumentalen Part folgt auch schon leider das letzte Lied "Lunar Tombfields", und das zieht einem dann noch einmal komplett die Schuhe aus. Besser kann man den alten Death Metal wohl nicht mehr in die heutige Zeit transferieren. Das klingt wie ein Bastard aus Morbid Angel ("Altar Of Madness", "Covenant") und Death ("Spiritual Healing", "Symbolic"). Einfach nur geil!

Fazit:
Eine der besten Death Metal-Platten, wenn nicht DIE beste Death Metal-Platte, die ich in letzter Zeit gehört habe. Venenum schlagen mit ihrer EP voll ein und wenn ihr mich fragt, ist es diese Band mehr als wert im Auge behalten zu werden. Wer auch nur etwas für guten Death Metal mit leichtem Doom-Einschlag übrig hat und für solcherlei Atmosphären empfänglich ist, der wird hier gut bedient. Auch wer mit oben genannten Bands etwas anfangen kann, wird hier bedenkenlos zugreifen können.

9.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Bewitched Craft
A-02. Veneficium
A-03. Crown of Reversion
B-04. Deathscent
B-05. Sacrosanct Transcendence
B-06. Abominate Ways
B-07. Lunar Tombfields

Laufzeit: ca. 28 Minuten

Review: Orchid - The Mouths of Madness (LP, Nuclear Blast)

Auch bereits ein paar Wochen / Monate draußen ist das neue Album der US-Doom Metaller/Okkult-Rocker Orchid. "The Mouths Of Madness" ist nicht nur der Titel des Albums, sondern auch der Titel eines meiner Lieblingsfilme (naja, zumindest lautet der Originaltitel "In The Mouth Of Madness" verdammt ähnlich). Bezüge zu dem Carpenter-Filmchen mit Sam Neill in der Hauptrolle gibt es aber weniger - obwohl, die Musik könnte durchaus aus in dem Streifen vorkommen.




Orchid zelebrieren auf ihrem zweiten Langspieler dann auch genau das, was man von ihnen erwartet. Okkult angehauchten Doom Rock mit einer gewissen Stoner Note im Stil der 70er - 80er. Auch sind durchaus Hard Rock-Elemente sowie einige Metal-Einflüsse spürbar. Immerhin wird die Band vom Label ja liebendgerne mit den guten alten Black Sabbath verglichen. Etwas zu sehr für meinen Geschmack. Mit ihrem neuen Album, und auch schon mit vergangenen Veröffentlichungen, machen Orchid deutlich, dass sie doch mehr sind, als ein billiger Abklatsch eines sich mittlerweile selbst überlebten Kultes. Klar, die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen - und es ist wohl jedem Hörer von Anfang an klar, wer die größte Inspirationsquelle der Band ist/war. Doch wie schon erwähnt, bringen Orchid auch genug eigene Ideen, bzw. andere Einflüsse mit ein, um als eigenständig gelten zu dürfen. Wie das Solo im letzten Viertel von "Marching Dogs of War", welches etwas an Rock'a'Billy oder Country Rock denken lässt. Oder der Song "Nomad", der sehr stark die Luft wilder Metal-Kombos der 80er atmet - ich denke da bespielsweise an Iron Maiden zu "Number Of The Beast"-Zeiten. "Mountains of Steel" dagegen ist sehr doomig ausgefallen und bietet zum Schluss sogar noch klassische Unterstützung vom Keyboard. "Leaving it All Behind" bietet da eher eine psychedelische Atmosphäre, und man erhält ein Gefühl des Schwebens im leeren Raum. Diese tragenden Melodien gefallen mir besonders. Besinnlich düster wird es dann mit "Loving Hand of God", das beschwörend doomig anfängt, sich zur Mitte hin aber wandelt und in einen Stoner/Hard Rock Mix übergeht, reichlich Gitarrensoli inklusive. Zum Ende wird's dann wieder ruhiger. Geiler Song, und in meinen Augen eines der Highlights des Albums. Wenn das Label schon gerne den Vergleich mit Black Sabbath aufführt, so kann ich zum folgenden "Wizard of War", zu welchem auch ein offizielles Video gedreht wurde, nur sagen, dass dieser Song zukünftig mit Sicherheit so etwas wie Black Sabbath's "Paranoid" werden dürfte. Der Song hat Kult-Potential! Eingängige Melodie, nicht zu lang, kraftvoll, kerniger und flotter Gesang. In meinen Augen hat sich die Band da eine Hymne geschaffen. Ich bin gespannt, ob das in Zukunft auch andere Leute so sehen werden. "See You on the Other Side" stellt den Rausschmeißer Song und gleichzeitig auch den längsten dar. Ebenfalls, wie schon bei "Nomad", ist das Spiel der Instrumente eher am Stil der 80er NWOBHM-Bewegung orientiert, eine große Nummer mit guten Übergängen von Rock zu Akustik und wieder zurück und wohl platzierten Gitarrensoli.

Fazit:
Bisher bin ich von Orchid absolut überzeugt. Nach dem großartigen ersten Album "Capricorn" und mehreren EP-Veröffentlichungen folgt nun das neue Voll-Album. Einerseits muss ich der Band anrechnen, dass sie versucht, den Stil weiterzuentwickeln - wobei das bei DEN Vorbildern natürlich schwierig ist - andererseits habe ich bei "The Mouths of Madness" nicht mehr das gleiche Gefühl, wie noch bei "Capricorn" oder "Heretic". Das Album ist Meilen davon entfernt schlecht zu sein, aber irgendetwas fehlt mir hier doch. Aber immerhin sind hier durchaus sehr gute Lieder zu finden, und mit "Wizard of War" hat man meiner Meinung nach seine eigene Band-Hymne geschaffen - wie ich ja auch schon erwähnte. Keine Ahnung, ob andere Fans oder die Band selber das auch so sehen. Kommen wir zu den Veröffentlichungsformen: neben einer normalen stinknormalen CD-Ausgabe, gibt es auch eine limitierte Digi-CD in Vinyl-Optik, mit Poster und Aufnäher. Natürlich gibt es das ganze auch noch auf Vinyl und zwar in schwarz und clear (Nuclear Blast) und exklusiv im Shop der Össis von Napalm Records auch in pink und in purple vinyl (bereits ausverkauft). Limitierungen sind jeweils mit 100 angegeben - aber man kennt das ja bei solchen großen Shops - ist eine Auflage vergriffen, kommt gleich die nächste und ohne Durchnummerierung ist das eh alles für die Tonne.

8.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Mouths of Madness
A-02. Marching Dogs of War
A-03. Silent One
B-04. Nomad
B-05. Mountains of Steel
B-06. Leaving It All Behind
C-07. The Loving Hand of God
C-08. Wizard of War
C-09. See You on the Other Side

Laufzeit: ca. 56 Minuten

Mittwoch, 29. Mai 2013

Review: The Idiots - Amok (LP, Idiots Records)

...zur Abwechslung mal etwas völlig anderes. Nichts okkultes. Nichts, was auch nur im entferntesten mit Black Metal zu tun hat. Mit Metal auch nur bedingt. Warum also diese Besprechung? 1. - weil ich mich als Dortmunder einfach verpflichtet sehe, guten Shit zu besprechen und 2. weil es einfach verdammter Kult ist! Ja liebe Freunde, The Idiots melden sich nach lächerlichen 13 Jahren nach ihrer Auflösung mit ihrem letztjährigen Album "Amok" zurück.





Die einen oder anderen werden sich noch erinnern... The Idiots um den Meister Sir Hannes (der ja auch mit seiner Band Honigdieb sehr aktiv ist) hat mal vor ein paar Jahren (1978) als Oi! Punk Band angefangen, der Stil wandelte sich aber sehr schnell in Hardcore Punk. 1989 verließ Hannes dann die Band und The Idiots lösten sich nach kurzer Zeit auch auf. Vor gut 25 Jahren dann öffnete der Plattenladen "Idiots Records" seine Pforten - und dieser Kultladen existiert noch heute, mittlerweile sogar ziemlich im Herzen Dortmunds. Im letzten Jahr feierte man dann das Comeback und trat u.a. auf dem traditionellen Festival "Rock in den Ruinen" auf. The Idiots aus Dortmund gelten damit als eine der dienstältesten Punkbands Deutschlands, und scharen weltweit eine beachtliche Fan-Gemeinde um sich. Wer sich mal ein paar Eindrucke von früheren und auch heutigen Auftritten der Band machen will, soll dies doch mal bitte im Internet recherchieren. Krankes Scheiße. Was mich dann auch direkt zum aktuellen Werk der Band führt.

So macht gleich der Opener "Verseucht" klar, was Sache ist. Schöne Melodien? Fehlanzeige. Politisch korrekte Texte? Drauf geschissen. Dazu ein absolut kranker Gesang irgendwo zwischen Punk, Thrash Metal und Neuer Deutscher Härte. Ein bisschen Indie Pop ist auch heraus zu hören. Und die Refrains gehen einfach nur ins Ohr und laden zum Mitgröllen ein. Einfach alles kaputt machen. Dieser Eindruck setzt sich auch bei "Heavy Metal Psycho Punk" fort. Der Titel ist übrigens auch eine passende Beschreibung der Musik an sich. Textauszug gefällig? "Dieser Zirkus ist nicht unser Bahnhof/Unser Zug fährt zur Heavy Metal - Punk Rock Show/Wir sind Heavy Metal Psycho Punks/Dynamisch - skurill sehr charmant/ Heavy Metal - Psycho - Punk/Wir sind Heavy Metal Psycho Skins". Alles klar, damit ist wohl alles gesagt. Genau so einen Schlag wahlweise in die Fresse, die Genitalien oder sonst wohin, wo es besonders wehtut gibt's auch bei "Hampelmann" ("Du bist ein Hampel - Ampel - Pillemann/Ein Pissewotzki ein Garnichts - Kann/Du bist ein Hampel - Ampel - Pillemann/Ein Vollpfosten - ein Pannemann/Hampel -Ampel- du bist ein Hampel-Ampel Pillemann") oder "Nur eine Nummer" ("Ich bin die Nummer von der Nummer/eine Null die keiner kennt/Ich bin die Nummer von der Nummer/eine Null die sich erhängt"). "Fleischwolf" ist dann mal nicht nur von diesem musikalischen Metal/Punk Mix aus eine absolut kranke Nummer, auch der Text scheint einem geisteskranken Hirn entsprungen zu sein ("Ich bin der Fleischwolf gierig und geil/Mache aus dir Würstchen aus dein'm Hinterteil/Ich bin der Fleischwolf gierig und geil/aus Gehirn wird Sülze echt lecker und fein"). Einfach Hammer - es sollte mehr Bands geben, die sich so etwas trauen.
Kommen wir zur B-Seite. Schon bei "Alter Schwede" wird klar, dass es hier wesentlich punkiger und traditioneller zugeht. So stammen einige Titel wie "Schweine ins Weltall" (sehr Oi! lastig), "Emmy Oh Emmy" (der wohl geilste Punk-Love-Song, den ich je gehört habe) oder das Stooges-Cover "I Wanna Be Your Dog" (muss man dazu noch etwas sagen?!) aus den Jahren 1983 - 1989 und haben sehr viel von dieser alten Oi!-Punk-Attitüde, zu der man am liebsten anfangen würde ungehemmt drauf los zu poggen. Hämatome, angebrochene Rippen und blaue Augen nicht ausgeschlossen. Der Titelsong ist dann nochmal gesondert hervorzuheben, denn sowohl der Text ("Amok Amok Amok - ich schieß' mich selber tot/Amok Amok Amok - wo ist mein geistiges Brot/Ich mach kaputt was mich kaputt macht") als auch die Musik grenzt einfach an eine Explosion aus Wut und Frustation. Und "A.N.G.E.L.A." ist einfach nur der Brüller. Welche Angela hier wohl angesprochen wird, wird natürlich nicht verraten und auch nicht direkt ausgesprochen - so ist es denn letztlich der Interpretation des Hörers überlassen, diesen Song jeder (seiner) ungeliebten Angela auf dieser abgefuckten Welt zu widmen. In diesem Sinne "Ich mach kaputt was mich kaputt macht"...

Fazit:
Ich muss gestehen, als nicht alt-eingesessener Ruhrpottler habe ich bisher nur sporadisch von den alten Sachen der Idiots gehört. Schande über mein Haupt und so. Umso besser, dass ich mit der Reunion der Band die Möglichkeit habe, sie neu kennen zu lernen. Den Laden kenne ich ja nun auch schon ein paar Jahrzehntchen und gehe dort mal mehr, mal weniger regelmäßig ein oder aus. Was über "Amok" zu sagen bleibt ist, dass es ein verdammt intensives, kraftvolles und frisches, wie auch geisteskrankes und durch und durch verstörendes Album geworden ist. Mit Texten, die von krankhaft genial, über ekelhaften Kotzegeschmack bishin zu einem unwohligen Gefühl, was einem beherzten Tritt in die Magengrube gleichkommt reichen. Ja, Hannes' direkte, meist zynische und sehr provokante Kritik an den Missständen dieser Welt wird bestimmt nicht jeder nachvollziehen oder verstehen können. Auch werden es wohl gerade die Sittenwächter der Nation nicht sonderlich lustig finden, hehe. Auch ist die Wut und die Aggressivität hinter den Liedern damals wie heute spürbar, es scheint, als sei diese Band niemals weg gewesen. Und ich hoffe, dass weitere Werke folgen werden, denn bei dieser ganzen Scheiße heutzutage ist noch lange nicht alles gesagt. Das Album ist übrigens auch als CD im Digi erhältlich, welche ein zusätzliches Lied ("Kartoffelsalat") enthält. Ich bin auch mal gespannt, wie lange sich das Album wohl im öffentlichen Handel halten wird, denn ich geh mal stark davon aus, dass eine evtl. Indizierung hier nicht lange auf sich warten lassen wird - aber deutsche Mühlen arbeiten ja bekanntlich laaangsam. Na denn, PROST!

9.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Verseucht
A-02. Heavy Metal Psycho Punk
A-03. Der Tod
A-04. Die Nummer
A-05. Hampelmann
A-06. Fleischwolf
A-07. Märtyrer
B-08. Alter Schwede
B-09. Schweine ins Weltall
B-10. Amok
B-11. Emmy Oh Emmy
B-12. Ein bisschen Scheiße
B-13. I Wanna Be Your Dog (The Stooges Cover)
B-14. A.N.G.E.L.A.

Laufzeit: ca. 42 Minuten

Freitag, 24. Mai 2013

Review: Hetroertzen - Exaltation of Wisdom (LP, Lamech Records)

Mit Grausen erinnere ich mich noch an die beiden vergangenen Werke "A Crimson Terrible Vision" und "Rex Averno" dieser Band aus Chile, die ich vor Jahren einmal in meinem Besitz wusste. Dass ich sie los wurde, spricht für sich, und nicht gerade für die Band. Wobei Hetroertzen instrumental eigentlich nie sonderlich schlecht waren, der Gesang ging eigentlich auch in Ordnung. Doch irgendwie war die Musik nie besonders genug, nie atmosphärisch genug, nie wirklich okkult genug. Das soll sich mit "Exaltation of Wisdom" nun ändern...



Zunächst mal etwas zur Aufmachung des Albums: schwarzes Vinyl in Klarsicht-Hülle, mit schwarzem Schutzumschlag (beidseitig silbern bedruckt) und einem Pappcover, welches innen blutrot bedruckt ist. Zum Lieferungumfang gehört ebenso ein Poster und das Buch "Elationis Sapientiae", dem 'Book of the Dragon's Art', welches auch die Limitierungszahl angibt und, wenn man den geschriebenen Worten Glauben schenken darf, mit Blut markiert wurde. Enthalten sind Linernotes, die kompletten Texte und allerlei satanische, verstörende und antikosmische / -gnostische Zeichnungen und Bilder.

Kommen wir zur Musik: Gleich zu Beginn, wird deutlich, dass es sich bei diesem Album um etwas Besonderes handelt. Da ist nichts mehr von den einstigen Ecken und Kanten zu vernehmen. Und somit kann ich mit Überraschung feststellen: Hetroertzen vermögen mit ihrer Musik mitzureißen und zu fesseln. Düstere und tiefschwarze okkulte Atmosphären, die hier bereits auf den drei Liedern (das Intro zähle ich mal nicht mit, obgleich es sich hier um eines der stimmungsvollsten Vertretern handelt, die ich in letzter Zeit gehört habe) der A-Seite erzeugt werden. Musikalisch bewegt sich das Ganze zwischen Mid-, Up- und Slow-Tempo. Gekonnte Breaks und wohl platzierte Tempowechsel innerhalb der Lieder, sowie ein sehr fascettenreicher Black Metal-Gesang zwischen Schreien, Gekeife, Growls und Beschwörungsriten tun ihr übriges. Und so vergeht die Laufzeit der ersten Seite eigentlich auch viel zu schnell. Schnell die Platte gewendet. Und gleich "Mystery Of The Fallen" schöpft aus den Vollen und kommt einem Inferno gleich. Für mich neben "Perpetual Eclipse Stigmata" das bisherige Highlight der Platte! Auch weil hier das bereits beschriebene Wechselspiel der Instrumente vollends ausgespielt wird. Hier passt einfach alles. Wesentlich anders verhält es sich bei den noch folgenden zwei Liedern auch nicht mehr. Düsterer okkulter Schwarzmetall. Nicht mehr, nicht weniger.

Im Übrigen würde sich in dem Fall von "Exaltation of Wisdom" durchaus eine Doppelanschaffung auf LP und CD lohnen, da beide Medien eine grundlegend verschiedene Fascette des Albums besitzen. So erwartet einen auf der CD eine nahezu glasklare, saubere und druckvolle Produktion, die jedoch nichts von der Grundatmosphäre einbüßt, sondern sie eher in ein anderes Licht rückt. Währenddessen man auf der LP zwar ebenfalls eine druckvolle, aber ungleich düsterere und rauere Produktion um die Ohren zu hören bekommt. Was einem da mehr zusagt, oder welches Medium man dann bevorzugt, kann man ja selbst entscheiden. Ich persönlich mag beide Fassungen.

Fazit:
Ein wahrer Hammer! Wäre das Album nicht schon älteren Datums, ich würde ihm glatt das Prädikat 'Album des Jahres' aufdrücken! Zumindest aber gehört es zu den intensivsten Black Metal Alben, die ich mir in diesem Jahr zugelegt habe. Und das ist ja immerhin auch schon etwas. Die Platte zu ergattern, dürfte sich jedoch bereits als schwierig erweisen, da das Teil mittlerweile doch recht rar geworden ist (immerhin war der Release schon im Jahr 2010/2011). Limitiert ist die LP auf 500 handnummerierte und blutbeschmierte Exemplare.

9.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Incinerating Illumination
A-02. Like the Serpent
A-03. Perpetual Eclipse Stigmata
A-04. The Final Breath of Mankind
B-05. Mystery of the Fallen
B-06. Light Beyond the Obscure
B-07. The White Priestcraft

Laufzeit: ca. 52 Minuten

Review: Morrigan - Diananns Whisper (LP, Undercover Records)

Nachdem sich die Band vor knapp drei Jahren aufgelöst hatte, hat sich das Duo schon vor einer Weile wieder aufgerafft. Das Ergebnis dieser Wiedervereinigung ist nicht etwa, das, bereits vor der offiziellen Bekanntgabe der Auflösung im Jahr 2010, angekündigte Album "Werwolfs, Witches and Demons", sondern das mir hier vorliegende Werk "Diannans Whisper". Wie sich die lebende Legende Morrigan nach der Reunion anno 2013 anhört und was man von dem Album halten und erwarten darf, schildere ich euch nun in meinen nachfolgenden Eindrücken...


Eingeleitet wird das Ganze durch den kurzen Opener "Call Of The Morrigan", gut soweit zum Standard. Die ersten Takte von dem folgenden Titel "Shadowwanderer" lassen bereits vermuten, dass sich an dem bewerten epischen Viking-/Black Metal-Mix der Band nicht allzu viel geändert hat. Vom Stil her könnte der Song gut und gerne aus der "Headcult"- oder "Celts"-Session stammen. Auf die Dauer (ich habe mir das Album noch vielleicht schon zum fünften Mal angehört) nervt mich sogar dieser - nennen wir es mal 'eigenwillige' - Klargesang nicht mehr. Was allerdings bereits hier auffällt: die Produktion, bzw. das endgültige Abmischen, scheint nicht so recht geglückt zu sein. Oder vielleicht war es ja sogar so gewollt. Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall hört es sich für mich nach gewollt, aber nicht gekonnt an. Das ändert sich auch bei "Bloodwidow" nicht. Hier fällt es gar noch mehr ins Gewicht, da diese bombastische Epik, die durch Choreinlagen erzeugt wird, durch die vermurkste Produktion nicht wirklich bombastisch rüberkommt. So bleibt ein immer noch recht stimmungsvoller und atmosphärischer Black Metal-Song, der musiakalisch an das "Celts"-Album der Band erinnert. Nur das dort die Abmischung gestimmt hat. "Warbitch" ist da weitaus kerniger in seiner Machart und erinnert mit seinem thrashigen Grundtenor an alte Bathory-Sachen. Hier passt diese merkwürdige Produktion auch mal, da es sich wie eine Rohfassung des Liedes anhört, was es im Endeffekt nur noch böser erscheinen lässt. Klasse finde ich hier den sehr guten Mittelteil, der sich in stimmungsvollen Gitarrensoli und Chorsamples verliert und dann wieder in diesen fiesen thrashigen Black Metal übergeht. Über allem natürlich der absolut fiese kehlige Black Metal Gesang von Beliar. Als nächstes folgt "Thy Nasty Reaper", und das, so muss ich leider sagen, stellt den ersten Tiefpunkt der CD dar. Die Instrumente erinnern an eine chaotische und vermurkste Produktion alter Cradle Of Filth Sachen (doch, hört euch zum Vergleich mal die "Dusk... & Her Embrace" an) - zumindest geht das die ersten guten drei einhalb Minuten so, dann glücklicherweise ein Wechsel und es geht über in eine Chorpassage - bevor es dann jedoch wieder ziemlich chaotisch wird. "13 Steps At Dawn" stellt dann den Totalausfall dar und beginnt, man könnte meinen, als eine Art Hommage der Band an Bathory's "Song To Hall Up High", wandelt sich dann aber in eine Art seichten Heavy Metal-/Hard Rock-Murks. Diese lasche Produktion ist wirklich das allerletzte. Das Schlagzeug hört sich so pussyhaft an, dass es nicht mehr feierlich ist und man sich vorkommt, als wäre man geradewegs in das Land der Rosa-Eichhörnchen-Züchter katapultiert worden. Autsch. "The Gallic War" entschädigt dafür aber wieder, wenn auch nicht auf ganzer Linie, dafür fehlt immer noch der wirklich Druck hinter. Aber mit diesem Song weiss man als Morrigan-Anhänger wenigstens etwas anzufangen. Und dieser Mix aus "Headcult" und "The Damned" steht der Band gut zu Gesicht. Genauso wie beim nächsten Lied vom gleichen Schlage "Maze Of The Graves". Wären definitiv Anwärter für das Prädikat 'Band-Hymne' (von denen Morrigan ja schon einige geschaffen haben, auch schon in der Zeit als die Band noch Mayhemic Truth hieß). "The Singing Hangman" ist dagegen wieder eine Spur epischer und bombastischer. Dass es sich hier genauso mit dem Klang verhält, wie bei allen anderen Liedern, brauche ich nicht mehr zu erwähnen. Schade. Auch "Diananns Whisper" hat sehr viel Potential, von dem jedoch wieder einiges zunichte gemacht wird. Es fehlt das wirklich Druckvolle, was diese Morrigan-typischen Atmosphären erzeugt. Wenn es hier jedoch zumindest spürbar ist. Den Abschluss bildet das epische Werk "Dustdevils".

Fazit:
Morrigan - lebende Legende hin oder her. Mit der Veröffentlichung von "Diananns Whisper" in dieser Form hat sich die Band wahrlich keinen Gefallen getan. Das Grundkonstrukt stimmt, die Lieder sind gewohnt atmosphärisch und bieten jede Menge Epik und auch düster-träumerische Klangwelten. Jedoch wird vieles durch eine in meinen Ohren vermurkste Produktion einfach zunichte gemacht, und nicht zuletzt diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass einige Lieder einfach nicht so wirklich zünden. Auch bietet man der geneigten Hörerschaft nicht wirklich viele neue Ideen. Das gesamte Werk klingt wie eine Reise durch die Alben "Celts", "Headcult" und "The Damned". Immerhin versucht man aber noch frischen Wind in das Geschehen zu bringen. Ich habe vielleicht auch einfach zu viel von einem neuen Morrigan-Album erwartet. Schade um ein eigentlich solides Black Metal-Album, was durch seine zu seichte Produktion einfach einiges an Atmosphäre einbüßt. Erschienen als CD, Vinyl im Splatter-Look (100 Stück) und in schwarz (400 Stück). Ich hoffe, dass Morrigan sich mit dem nächsten Album wieder steigern werden. Mit Sympathie-Bonus gibt's von mir:

6.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Call of the Morrigan (Intro)
A-02. The Shadowwanderer
A-03. Bloodwidow
A-04. Warbitch
A-05. Thy Nasty Reaper
A-06. 13 Steps at Dawn
B-07. The Gallic War
B-08. Maze of the Graves
B-09. The Singing Hangman
B-10. Diananns Whisper
B-11. Dustdevils

Laufzeit: ca. 55 Minuten

Freitag, 17. Mai 2013

Review: Vinum Sabbatum - Songs From The Convent (CD, Eyes Like Snow)

Schon eine Weile weiß ich dieses Machwerk der finnischen Band Vinum Sabbatum in meinem Besitz, jedoch hatte ich bis vor einer Woche nicht wirklich die Zeit und Muse mich eingehender mit dieser Musik auseinander zu setzen. Wie das Cover und das beteiligte Label Eyes Like Snow (bekannter Weise ein Unterlabel von Northern Silence) bereits vermuten lassen, handelt es sich hier um Doom Metal der alten Schule. Doch aufgehorcht... in dem Album "Songs From The Convent" steckt noch einiges mehr und es hält noch einige nette Überraschungen parat...


Der erste Gedanke, der mir gleich zu Anfang, wenn die Orgel den "Angel of Mourning" einleitet, durch den Kopf schoss war, dass sich das hier doch verdammt nach 60er/70er anhört. Iron Butterfly. The Doors. Deep Purple. Dieser Eindruck bleibt auch trotz der relativ schleppenden Instrumente erhalten. Doomig und psychedelisch. Hat im Gesang auch so ein wenig von The Cure. Das Lied vermag es sogar sich zum Ende hin nochmal richtig zu steigern. Mit Choreinsatz und einer netten Gitarrenarbeit. Der sehr doomig-schleppende Anfang von "Demon Dance (Chorea Sancti Vici)" erinnert in seiner Bedrohlichkeit ein wenig an die eher langsamen Momente auf Asphyx's "The Rack", was dann folgt kann man getrost als einen Bastard aus The Doors, Saint Vitus und Deep Purple beschreiben. Orgel meets Heavy Metal, meets Psychedelic, meets Hard Rock, meets Stoner, meets Doom Metal. Wie das alles zusammenpasst? Keine Ahnung, aber irgendwie funktioniert's. Der Song rockt auf jeden Fall ordentlich. Jedoch sollte man schon ein Gespür für solche Musik haben. "Sinister Sister" ist da nicht anders, ich würde ihn persönlich jedoch noch mehr das Prädikat 'retro' aufsetzen. Mit dem Chor im Refrain, der Orgel und der relativ flotten Melodie erinnert er mehr an 70er Jahre Hard Rock, Psychedelic Rock und anfängliche Metal-Bands, weniger an Doom. Auch könnte ich mir den Song sehr gut als Sountrack zu einem 80er Party-Horror-Streifen Marke "Night Of The Demons" vorstellen, genau wie den übernächsten "Witch Woman", der in seiner Machart doch etwas zu sehr an die psychedelischen Momente von The Doors oder Deep Purple angelehnt ist, der Choreinsatz erinnert mich dagegen an Momente aus dem immer noch aktuellen Tito & Tarantula Album "Back Into The Darkness". Aber das Lied besitzt eine gute Atmosphäre und die Musik hat was.

Fazit:
Insgesamt bietet das Album sieben Lieder, die in dem genannten Retro-Stil zwischen klassischem Doom Metal, Psychedelic Rock und okkultem Hard Rock gehalten sind. Handwerklich solide und nicht zu verachten. Die Produktion ist allerdings nicht wirklich als 'druckvoll' zu bezeichnen, jedoch kann das auch durchaus gewollt sein, um diesen Retro-Effekt authentischer zu machen. Wer mit den in der Besprechung genannten Bands etwas anfangen kann und auch aktuellen Bands, die diesen alten Stil spielen, nicht unbedingt abgeneigt ist, sollte mal ein oder zwei Ohren riskieren.

8.5 / 10 Punkte

Montag, 13. Mai 2013

Review: Phlegein - Silver Veins (LP, Northern Heritage)

Das Duo Phlegein aus Finnland melden sich nach der großartigen 10'' MLP "Ancient Battlegrounds" und der selbstbenannten 7'' nach annähernd zwei Jahren wieder. Diesmal - und ich glaube meine Bitten scheint irgend jemand doch erhört zu haben - in Form eines vollwertigen Albums! "Silver Veins" heißt das gute Stück, und was es taugt, lest ihr nun in folgenden Zeilen...






Den Anfang macht ein instrumentaler Einklang auf dem Piano. Sehr stimmungsvoll und zieht sich mit seinen knappen eineinthalb Minuten auch nicht zu sehr in die Länge. "Invisible in the Shadows" stellt dann den ersten richtigen Song des Albums dar. Gleich geht's auch in die vollen ... donnerndes Schlagwerk, peitschende, doch rhythmische Gitarren. Ein hasskeifender Gesang. Schnell fühlt man sich wieder heimisch und in guter Gesellschaft. Auch fällt positiv auf, dass Phlegein an ihrem Stil festhalten und keinen Milimeter davon abweichen. In anderen Worten: hier wird endlich mal wieder ein reines Black Metal Album geboten. Einfach nur Black Metal - ohne irgendwelchen Schnickschnack, ohne genrefremde Einflüsse, ohne irgendwelche Klischees. Just Pure Spirit! Dementsprechend macht- und kraftvoll ertönt bereits die erste Darbietung aus den Boxen. All das wird jedoch noch überboten durch das folgende Stück "Maisema suruaan laulaa", welches erst sehr sachte beginnt, dann in einen rockig-rhythmischen Gitarrenlauf übergeht und dann zu einem Black Metal Song steigert, der irgendwo zwischen Mid- und Uptempo angesiedelt ist. Was den Song aber wirklich abhebt sind seine Riffs und Breaks, die wirklich an alte, glanzvollere Zeiten erinnern. "Lost Ancient Echoes" beginnt dagegen eher schleppend, nimmt dann aber enorm an Fahrt zulegt, nur um dann wieder in diese hypnotisch schleppende Stimmung überzugehen, um dann schließlich wieder in einen schnelleren Gang zu schalten. "On Cold White Soil" stellt den letzten Beitrag der A-Seite, der dann aber auch keine wirklichen Überraschungen mehr bietet. Ein atmosphärischer handwerklich solider Black Metal, der hier im erhabenen Midtempo vorgetragen wird. Was hier noch hervorsticht ist das langgezogene Gitarrenspiel zur Mitte hin. Ich liebe diese Wechsel. Mit dem instrumentalen "Call of the Wild" wird die B-Seite eingeleitet. Hypnotisch und monoton - Burzum lässt grüßen. Danach gibt's mit "Layers of Torment" wieder ordentlich was auf die Fresse. Das Schlagzeug peitscht voran und verkündet den Sturm. Brachial geht's dann auch weiter innerhalb des Liedes weiter. "The Smell of Death and Despair" ist dagegen wieder etwas gediegender, etwas schleppender und depressiver gehalten. "Silver Veins of Kaldoaivi" ist im Stil von "Layers of Torment" gehalten und bietet im letzten Viertel noch einen echt hymnischen Ausklang. Das letzte Lied des Albums ist dann "Journey to the World Under" und stellt einen würdigen Rausschmeißer für "Silver Veins" dar. Vor allem das Gitarrenspiel zum Ende hin kann sich hören lassen.

Fazit:
Endlich wieder ein lupenreines Black Metal Album. Nichts mit Klischees. Nichts mit Trends. Nichts mit Subgenre. Einfach nur schwarze Tonkunst. So muss das, und nicht anders! Die LP kommt in gewohnter Northern Heritage Qualität daher, bietet jedoch keinerlei Texte. Aber wen interessiert da hier schon? Hier geht's schließlich auch mehr um die Atmospähre und Emotionen! Phlegein haben meine Erwartungen mit diesem Album jedoch nicht gänzlich erfüllt, irgendwie fehlt mir hier noch etwas. Etwas, was ich bei "Ancient Battlegrounds" regelrecht spüren konnte, hier aber nur ansatzweise wiederfinde. Ich kann nicht beschwören, was es genau damit auf sich hat, aber Kenner der Werke Phlegein's werden vielleicht verstehen, was ich damit meine. Limitiert ist die Platte wie immer bei diesem Label auf 500 Exemplare (denke ich mal, ist zwar keine Limitierung angegeben, aber diese Zahl ist bei NH ja gängig).

8.5 / 10 Punkte

Freitag, 3. Mai 2013

Review: Harakiri for the Sky - Harakiri for the Sky (CD, Art of Propaganda)

Nun hat es auch mich endlich erreicht... das Nebenprojekt von Karg-Mastermind V. Wahntraum, der hier unter dem Namen J.J. auftritt. Ob es sich hier allerdings um eine Art Nebenprojekt oder um eine vollwertige Band handelt, kann ich nicht sagen. Fakt ist, dass sich die beiden Mitglieder bereits von diveresen anderen Bands her kennen. Wie dem auch sei... das Debüt von Harakiri for the Sky kann sich hören lassen.





Ja, und wie sich das hören lassen kann... kaum habe ich die CD eingelegt  geht es nach einem kurzen akustischen Einklang mit Gewitter auch gleich in verzerrte Gitarren über, die an melancholische Spiele Nargaroth's oder Burzum's denken lassen. Der Vergleich zur zweit-genannten Band fällt dann auch gleich noch mehr ins Gewicht, wenn das Schlagzeug und der Gesang erklingen. Das ist hypnotisch und erhaben. Verträumt und voll trister Traurigkeit. Und verdammt wütend. Das klingt wie eine moderne Form von Burzum's "Filosofem" (im Black Metal-Part). Klar, dass sich hier auch Zitate aus Karg wiederfinden lassen, aber das sei verziehen. Harakiri for the Sky funktioniert auch definitiv als eigene Band. Nach den ersten guten acht Minuten "Lungs filled with water" bin ich bereits völlig der Musik ergeben. Hoffnungslos, gefangen in einem Wechselbad der Emotionen. "02:19 AM, Psychosis" erinnert nicht nur vom Titel her an aktuelle Werke von Fäulnis, auch in musikalischer Hinsicht wird genau das geboten, was man als Sick Black Art bezeichnen könnte. Allerdings fahren hier Harakiri for the Sky eher einen Post Rock-Stil auf, der an die inzwischen aufgelöste Band Amesoeurs denken lässt. Dieses Wechselspiel zwischen hypnotischem Black Metal und Post Rock/Punk Doom muss man halt mögen. Auf keinen Fall zu verachten ist hier aber die Arbeit des Schlagzeugers, der im letzten Viertel richtig Gas gibt. "From yesterday to ashes" ist dann endgültig eine reine Post Rock/Black Metal Nummer geworden, deren Melodiebögen nur so über allem zu schweben scheinen. Völlig losgesagt von dieser Welt. Auch hier wieder die sehr schnellen Drums ab ca. der dritten Minute. Der vorletzte Song des Albums "Drown in my Nihilism" bietet dann von jedem etwas - Post Rock, depressiver Black Metal, Shoegaze. Neben dem ersten Song für mich definitiv einer der intensivsten des Albums! "Dancing on Debris" ist dann zum Schluß noch ein richtiger Rausschmeißer, beginnt sehr zaghaft und wegt dann einem Sturm gleich alle Gefühlswelten mit sich fort. Der Zustand jeglicher Empfindung hat dieser Beitrag bereits eindeutig hinter sich gelassen.

Fazit:
Ich weiß, jetzt werden wieder einige schreien "nicht schon wieder Post Rock / Black Metal / Shoegaze Scheiße". Und ja Leute, ich gebe euch sogar recht. Das Gros dieser Bands ist einfach Müll, da zu belanglos, austauschbar oder einfach nur schlecht. Doch das ist beim Gros der 'reinen' Black Metal Bands heutzutage nicht anders. Und glücklicher Weise gibt es sowohl als auch erfreuliche Ausnahmen. Wie eben Harakiri for the Sky. Das Rad wird hier zwar auch nicht neu erfunden, aber immerhin legt man sehr viel Wert auf Atmosphäre, genau wie man sich um eine gewisse Individualität und um detailverliebte, dennoch klar Songstrukturen bemüht hat - außerdem: man merkt beim Hören einfach, dass hier eine Menge Herzblut mit reingeflossen ist. Hinzu kommt eine schicke Aufmachung sowie die recht persönlichen Texte.

8.0 / 10 Punkte

Review: Godless North - World in Flames (EP, Darker Than Black)

Godless North aus Amiland melden sich auch mal wieder zurück. Und zwar in Form dieser 7'' EP, die ganze zwei (man höre und staune) neue (!!) Lieder bereit hält.









Nun, das Cover macht ja schon deutlich, was einen hier erwartet... militanter Black Metal.
"World in Flames" beginnt rhythmisch und eher rockig langsam, steigert sich dann aber urplötzlich in ein wahres Schwarzmetall-Gewitter, welches auch durch stimmungsvolle Tempowechsel und Breaks besticht. Auf der anderen Seite findet sich der Titel "Reich in Ruins" und ist ungleich räudiger als noch das erstgenannte Lied, besitzt jedoch auch eine gute Atmosphäre, die durch Tempowechsel erzeugt wird.

Fazit:
Militant, mit einem Hauch rotziger Rock-Note. Unter'm Strich jetzt aber keine Veröffentlichung, die man unbedingt sein Eigen nennen müsste. Dafür wird hier mit diesen zwei Liedern, die eher im soliden Mittelfeld anzusiedeln sind, definitiv zu wenig geboten. Aber immerhin hat man mal wieder etwas neues von dieser Ami-Band vernehmen können.

6.5 / 10 Punkte