Freitag, 25. Mai 2012

Review: Drowned In November - Just Killing Me (MC, Depressive Illusions)

Aus dem Hause Depressive Illusions stammt das mir vorliegende Tape der argentischen Ein-Mann-Kapelle Drowned In November. Der Einzelkämpfer Antonio Sanna präsentiert mit "Just Killing Me" die erste Demo seines Projektes. Na dann mal schauen...









Einen, wenn auch nicht ganz so, schlechten Eindruck macht schon das überlange Intro. "Thy Light" ist an und für sich kein schlechtes Ambient-Stück - da gibt es weitaus schlechteres mit weniger Atmosphäre - aber wie so oft passiert hier nicht wirklich was, und daher ziehen sich die acht Minuten... hätte man durchaus kürzer machen können. Als direkt mal vorgespult. Der erste richtige Song ist dann auch gleich der titelgebende. "Just Killing Me" fängt überraschend rasant an. Wow... das bin ich ja mal so gar nicht von DSBM gewohnt! Na gut, rasend ist jetzt übertrieben, immerhin bewegt man sich tempomäßig eher im gemäßigten Midtempo. Allerdings verfliegt die Vorfreude ziemlich schnell, da sich das eingehende Riff andauernd nur wiederholt, Gesang - ebenfalls Fehlanzeige, das geht dann ungefähr bis zur Hälfte der gut sieben Minuten. Dann ein kurzes Break und der eigentliche Song beginnt richtig. Peitschende Drums, böses Gitarrengewitter, akzeptabeler Schrei-/Krätchzgesang. Das hat was, und klingt in meinen Augen besser, als vieles andere, was ich aus dem DSBM-Sektor kenne. "Place Of Peace" ist dann aber wieder ein kanpp neun Minuten langes Ambient-Stück, in dem zwar mehr passiert, als im Intro, aber nichts desto trotz kann ich damit irgendwie nicht mehr richtig warm mit werden - das ist Musik, die mich vielleicht früher mal berührt hätte, aber heute lässt es mich doch weitestgehend kalt. "Meditation Years" stellt auch ein eher gediegendes Instrumental-Stück dar, lässt sich aber gut anhören und hat eine gewisse Atmosphäre. "Forever" ist dagegen wieder ein Black Metal-Song, der im Stile der zweiten Hälfte von "Just Killing Me" gehalten ist, die Gitarren gefallen mir hier auch gut und sind recht ordentlich. Als nächstes hat man sich an einem Song von Burzum versucht - leider nicht aus der frühen Black Metal-Ära des norwegischen Meisters sondern aus seiner Ambient-Scheisse-Ära. Nein danke, schlechte Cover von bereits schlechten Stücken braucht wirklich KEIN Mensch! Das Outro "The Neverending Story" finde ich aber durchaus sehr hörenswert mit seinem Pianomäßigen Klang. Und somit endet die Demo nach guten 50 Minuten Spielzeit.

Fazit:
Was soll ich noch sagen... bis auf einen ganz ordentlichen Song,einem (halben) wirklich guten Song und einem guten Outro, bietet diese Kassette nicht wirklich viel. Mir zumindest - ich denke mal, dass es wohl auch durchaus Menschen geben wird, die das anders sehen werden - reicht das hier dargebotene Material nicht, um wirklich im Kopf hängen zu bleiben. Wirklich schade, da die Lieder teilweise wirklich Potential zeigen. Limitiert auf 100 handnummerierte Exemplare und über das russische Label Rigorism sogar als limitierte CDr erhältlich.

3.5 / 10 Punkte

Review: Karg - Gedankensplitter (EP, Seelengreif Klangwelten)

Karg, die zweite. Dieses Mal widme ich mich der auch bereits im letzten Jahr erschienen Vinyl-EP "Gedankensplitter". Diese wurde nahezu zeitgleich mit der MCD "Scherben" veröffentlicht - jedenfalls soweit ich das damals mitbekommen habe.








Zunächst sticht hier das Artwork ins Auge, schlichtes Stillleben und trotz der Farben einfach... karg. Zudem fällt der neue Logo-Schriftzug auf, der etwas moderner gehalten ist, als das bekannte Logo der ersten beiden Alben (erinnert an grobes Graffiti) - was allerdings auch gut zum hier dargebotenen Post Black Metal passt. Die beiden Lieder sind nämlich doch noch etwas anders im Stil als die Klänge, die man auf der "Scherben" zu hören bekam. "Moment im Spiegel" beginnt sehr ambient mit Akustikgitarre und Keyboard, ein klassischer Melodiebogen folgt und schließlich ein Schrei. Dann geht es über in einen fast schon epischen Post Rock/Black Metal Sound, in dem vorallem die Gitarren und das Schlagzeug hervorstechen. Hauptaugenmerk ist natürlich wieder auf den kranken Schreigesang von V. Wahntraum gerichtet. Etwa zu Beginn des letzten Viertels hört man dann noch einmal eine kurze aber nette Akustikeinspielung. Genau so ambient wie der Song begann, endet er dann auch wieder in einem Filmsample, diesmal aus dem Film "Into The Wild", den ich, wie ich gestehen muss, nicht kenne (jedenfalls noch nicht, auf Grund des genialen Zitates werde ich ihn aber wohl mal sichten müssen). Der zweite Song ist "Nimm mir das Licht!" - erinnert mich irgendwie an Nordreich, die mal einen ähnlich klingenden Titel auf der Split mit Bilskirnir hatten. Doch dieser Vergleich passt natürlich sowohl musikalisch als auch rein ideologisch nicht. Den Stil des Songs kann man mit dem des ersten vergleichen, wirkt aber passagenweise ungleich wilder und aggressiver. Natürlich kommt dieser Eindruck nicht von ungefähr, und solche Textstellen wie "Schrei! Schrei so laut du nur kannst, vielleicht fällt sie dann endlich in sich zusammen diese Welt!" sprechen für sich und noch dazu eine mehr als deutliche Sprache. Auch das Ende "Hör endlich auf zu schlagen, mein Herz..." ist derart selbstzerstörerisch poetisch, dass man eigentlich nur noch alles um sich herum zerschlagen möchte, nachdem der Song geendet hat.

Fazit:
Eine, mit etwa 10 1/2 Minuten Gesamtspielzeit zwar recht kurze, aber recht hörenswerte EP. Natürlich immer gesetzt dem Fall, dass man sich mit melancholischem Post Black Metal anfreunden kann - BM Puritisten werden an dieser Veröffentlichung wohl eher nicht ihre Freude dran haben. Aber für die ist "Gedankensplitter" wahrscheinlich auch gar nicht gedacht. Die EP kommt mit einem Textbeiblatt, welches die Lyrik der beiden Lieder enthält, sowie mit zwei Stickern. Limitiert ist das ganze auf 300 handnummerierte Exemplare. Übrigens gefällt es mir zu sehen, dass mal wieder eine Band das "Never Stop The Madness" Abzeichen auf ihrem Cover trägt. Nostalgie pur.

8.5 / 10 Punkte

Mittwoch, 23. Mai 2012

Review: Karg - Scherben (CD, Self Mutilation Services/Razed Soul)

Vergangenes Jahr erschien dieses Mini-Album (EP) als CD von dem Ein-Mann-Projekt Karg aus Österreich. Nach nun mehr den beiden vollständigen Alben "Von den Winden der Sehnsucht" Teil 1 und 2, einer Split mit der deutschen Band Andrarakh und einer weiteren Vinyl-EP (auf die ich in einem späteren Review auch noch zu sprechen kommen werde) liegt hier dieses vier Lieder umfassende Werk vor. Vier Lieder mit einer Spielzeit von insgesamt etwa 32 Minuten! Man bewegt sich also wieder und wie gewohnt im Bereich der Überlängen, wobei der kürzeste Song gute 6 Minuten und der längste etwa 10 1/2 Minuten geht.


Die CD beginnt dann auch gleich mit dem Titellied "Scherben". Eingeleitet durch einen markerschütternden Schrei folgt ein sehr melancholisches Stück Post Black Metal, wie man es von der Band gewohnt ist und dass in etwa vergleichbar mit neueren Sachen von Deathgate Arkanum ist. Meiner Meinung nach eines der besten Stücke, die das Projekt bisher heraufbeschworen hat. Das Keyboard erinnert auch vereinzelt an "Filosofem" von Burzum. "Welkend" folgt, und wird von gleich zwei Samples eingeleitet. Irgendwie scheint es der gleichnamige Film über die Band "The Doors" V. Wahntraum wirklich angetan zu haben, so tummelten sich ja schon Ausschnitte aus eben diesem ja bereits auf dem "Von den Winden der Sehnsucht #2" Album. ...ich hoffe, du gehst lächelnd von uns, wie ein Kind, in den kühlen Rest eines Traumes... das ist wohlfürwahr grandiose Poesie und passt in dem Kontext zum Lied an sich und dem eigenen Text wunderbar. Bei der Keyboard-Melodie im letzten Viertel hat man sich anscheinend von den Norwegern Dimmu Borgir inspirieren lassen, klingt es doch etwas nach dem Outro aus "Det Nye Riket" vom 'For All Tid'-Album, wenn auch leicht abgewandelt. Aber das ist ja nun wirklich mal keine Schande - da gibt es ja auch noch dutzend andere, die sich von dieser, zugegebener Maßen, genialen Melodiefolge beeinflussen ließen (man höre sich das Keyboard in Balnasar's "Gedankenhass" mal an - klingt vertraut, oder?!). "Heimatlos" beginnt mit einer eher akustisch klingenden Gitarre, geht aber schnell in eine schnelle Post Black Metal Nummer über. Zwar mit knappen sechs Minuten der kürzeste Song der CD, aber nichts desto trotz sehr intensiv in seiner Spielweise. Besonders nennenswert ist hier das Gitarrensolo im letzten Viertel. Auch das Filmzitat am Ende passt wie die Faust auf's sprichwörtliche Auge. Dies stammt aus dem sehr guten Film "Ken Park", der in Deutschland u.a. im Zuge der 'KinoKontrovers'-Reihe (u.a. auch "Menschenfeind" und "Irreversibel") veröffentlicht wurde. Den letzten Song schließlich stellt "Fernweh" dar, der mit mehr als 10 Minuten Laufzeit aufwartet. Insgesamt geht es hier mit etwas mehr Ambient-Einfluss zur Sache, so erschallt im Mittelteil ein Keyboard-Solo, ist jedoch auch allgegenwärtig wahrnehmbar - stören tue ich mich daran nicht, da es dem Lied noch zusätzliche Atmosphäre verleiht und so eine noch traurigere Stimmung erzeugt wird.

Fazit:
Eine mehr als solide MCD einer der meiner Meinung nach aktuell hörenswertesten österreichischen Black Metal Bands - vorallem auch deshalb, weil der Stil von Karg wirkliches Interesse zu wecken weiss und Atmosphäre und Stimmung zu erzeugen versteht. Von mir gibt's eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für all jene, die sich mit Black Metal jenseits der puritistischen Grenzen der Marke Deathgate Arkanum, Andrarakh, Fäulnis oder meinetwegen auch Todesstoß anfreunden können.

9.0 / 10 Punkte

Review: Livid - Das Blut der Ballerinas (Blu-ray, Sunfilm, Uncut)

Gestern kam ich nun endlich mal dazu, mir das neue Machwerk der Inside-Macher anzuschauen. Inside hat sich trotz aller Kritik, wie Kenner wohl bereits wissen, einen festen Platz im Reigen des modernen französischen Terror/Horror-Kinos gesichert. Und für seine Zeit (immerhin liegt die Veröffentlichung von Inside nun immerhin schon annähernd fünf Jahre zurück) war dieser wirklich als Monstrum zu bezeichnen - da wurden Grenzen und Tabus gebrochen, in dem eine Wahnsinnige einer Unschuldigen ihr noch ungeborenes Kind wegnehmen wollte. Auf bestialische Weise, versteht sich. Ein guter Schnittbericht zu dem Film findet sich wie immer bebildert unter http://www.schnittberichte.com.


Nun wollte sich das Regisseur-Duo wohl mal an etwas neuem versuchen... so scheint es zumindest bei der Sichtung von Livid. Der hat nämlich mit dem eingangs erwähnten Terrorfilm oder allgemein mit der Terror-Welle aus Frankreich (allen voran natürlich der erschütternd-geniale Film Martyrs, oder der Vorreiter High Tension von Alexandre Aja) nicht sehr viel bis gar nichts gemein. Livid ist Poesie. Livid ist märchenhaft. Aber nichts desto trotz ist Livid böse. Bevor ich jedoch näher auf den Film eingehe, hier erst einmal ein paar Fakten zur BD. Als Sprachen gibts die Auswahl zwischen deutsch und dem französischen OT, inkl. deutschen UT, natürlich liegt das Bild in guter HD Abtastung vor. Die Veröffentlichung für Deutschland ist, man mag es angesichts einiger vorhandener Splatter-Szenen kaum glauben, uncut und - was noch verwunderlicher ist - FSK 16. Trotzdem wird das Medium auf Grund einiger beigefügter FSK18-Trailer mal wieder als nicht jugendfreier Film angepriesen. Ich frage mich, ob diese, ich nenne sie mal 'Mogelpackungen' wirklich den Verkauf nennenswert ankurbeln. Ich persönlich würde mir auch Filme mit einer Freigabe ab 12 zulegen, solange sie Atmosphäre besitzen (bestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Moon!). Zudem scheint bei der Programmierung der BD was schief gelaufen zu sein, so startet der Film direkt nach dem man die Disk eingelegt hat. Es gibt also kein Topmenü. Das kann man dann erst während des Films aktivieren. Aber irgendwie ist das auch vollkommen irrelevant, da die vorhandenen Trailer, die es als einzige Extras gibt, sowieso kein Mensch braucht. Auf den Covern pranken dann auch gleich noch so reißerische Ausschnitte aus verschiedenen Kritiken wie "Das neue Schock-Manifest aus Frankreich!" (aus dem Virus), dem ich nur teilweise zustimmen kann, denn wirklich viele Schock-Momente gibt es hier nicht. Total von der Rolle ist aber das Zitat von dreadcentral.com: "Originell, atmosphärisch und reichlich Gore!". Mal ganz ehrlich, der erste Fakt trifft ja gerade noch zu und Atmosphäre ist auf jeden Fall sehr gut eingebracht in dem Film, aber Gore? Es gibt KEINE EINZIGE Gore-Szene in diesem Film! Da lobe ich mir doch den Kommentar der Cinema, der da schlicht lautet: "Ein Horrormärchen der besonderen Art". Das kann man so stehen lassen. Wobei ich mit der Cinema-Kritik (ausnahmsweise) auch noch weiter einhergehe und sage, dass mich bei so einem Film mal wirklich ein gutes Making-Of oder ein Audiokommentar als Extra gefreut hätte, da vorallem das Ende des Films den Betrachter relativ ratlos zurücklässt und somit der fantasievollen Interpretation keine Grenzen gesetzt sind.

Kommen wir aber zu dem eigentlichen Kern dieser BD - nämlich dem Film an sich. Livid hat, wie schon erwähnt, sowohl von der Geschichte als auch seiner Machart her, nicht das geringste mit dem zu tun, was man von den beiden Herren Bustillo und Maury bisher gewohnt war/ist. Es geht um eine junge Frau namens Lucy, die ihren ersten Arbeitstag als häusliche Krankenpflegerin durchlebt. Die Tour mit ihrer Praxisanleiterin führt sie auch in die ablegende Villa der alten Madame Jessel. Madame Jessel liegt schon seit Jahren in einem tiefen Koma und wird beamtet, Dank ihres Vermögens "geniesst" sie jedoch das Privileg nicht in ein Heim verfrachtet zu werden. Zudem scheint es auch keinerlei Angehörigen zu geben, seit ihre Tochter in Kindestagen gestorben ist. So erzählt es Lucy jedenfalls ihre Anleiterin. Dieses erzählt ihr weiterhin aber auch von einem Schatz, der irgendwo in der Villa versteckt sein soll. Nach diesem ersten Arbeitstag trifft sich Lucy mit zwei Freunden in einem Pub. Sie erzählt die Geschichte der Alten und erwähnt dabei auch das Gerücht um den angeblich versteckten Schatz, was ihre Freunde (sie mit eingeschlossen) dazu veranlasst, in der nächsten Nacht in die Villa einzubrechen und sich auf die Suche nach dem verborgenen Vermögen zu machen. Doch was sie letztendlich in den Gemäuern finden, ist alles andere als Gold, Juwelen oder Diamanten...

Fazit:
Ich möchte nicht zuviel vorwegnehmen, weshalb ich meine Inhaltsangabe auch nicht weiter ausführen werde. Nur so viel: die drei erwartet ein wirklich düsterer, teils beängstigender Ort (wer hätte das gedacht!?). Die Story gibt an und für sich natürlich nicht sehr viel her (vorallem wenn ich mir die Arbeit im Zuge der Krankenpflegetätigkeiten anschaue, schließlich bin ich ebenfalls in dem Bereich tätig, kann ich teils nur den Kopf schütteln - alles andere als realistisch! Sehr nett empfinde ich allerdings die, wenn auch nur beiläufige und eher unterschwellige Kritik am bürokratischen Gesundheitswesen), was aber nicht wirklich stört, denn die Bilder des Films sind gewaltig und poetisch in Szene gesetzt. Ein erfreulich old-schooliger Film, der es auch vermag, das Feeling der alten europäischen Horrormärchen, die zumeist in den 80ern (ich denke da vorwiegend an die britischen und italienischen Produktionen) entstanden, ins Moderne zu transportieren. Eine wirklich schön-schaurige Gruselmär, die auch eher für einen geselligen Filmeabend geeignet ist und niemandem wirklich weh tun wird. Trotz der FSK-Freigabe ab 16 hat der Film noch einiges an Splatter zu bieten, so wird einem Mädchen blutig die Kehle zerbissen, oder ein Kopf mit einem Hammer und ähnlichem Gerät bearbeitet. Es werden Bäuche aufgeschlitzt, Augen zugetackert und einem Monster wird der Unterkiefer abgerissen. Wo wir wieder bei dem Thema "reichlich Gore" wären... die letzte Szene könnte man zwar auch als Gore bezeichnen, aber fällt doch eher in den Splatter-Bereich - da merkt man halt doch, dass der Film eine eher niedrige Freigabe hat. Aber es kommt hier ja nicht hauptsächlich auf die blutigen Effekte, sondern viel mehr auf die Atmosphäre an - und die kann was.

8.0 / 10 Punkte