Sonntag, 29. Januar 2012

Review: Deathgate Arkanum - Seelen (LP, Amor Fati/Non Shall Defy)

Das neue Album des Dortmunder Kultes Deathgate Arkanum ist da! Ursprünglich gedacht als Veröffentlichung unter dem Titel "Das weiße Rauschen" folgt das neue Mammut-Werk "Seelen" konsequent dem Pfad, den man bereits mit "Stillhallen" eingeschlagen hatte. Doch zugleich kann man auch von einer Hommage und einem Tribut an vergangene Zeiten sprechen. Vor allem zu dem ersten Album "Totenwerke" werden hier gewisse Parallelen gezogen, welche den Stil dieser Ein-Mann-Band schon damals einzigartig machten.



Die LP enthält lediglich vier Lieder. Mit einer Gesamtlänge von noch nicht einmal 30 Minuten weiß ich auch nicht, ob man "Seelen" unbedingt als Voll-Album bezeichnen sollte, es ist viel mehr ein konzeptionelles Mini-Album, welches in vier Teile gesplittet ist, und zwar in Tremor I-IV. Die Texte liegen mir leider nicht vor, aber die Aufmachung und die Atmosphären der Liedbeiträge sprechen schon eine deutliche Sprache. Der Begriff "Tremor" stammt bekanntlich aus der Medizin, und beschreibt, um es einfach auszudrücken, ein unwillkürliches Zittern, welches man also nicht bewusst kontrollieren kann. Nun, dieses Zittern kann man beim hören deutlich vernehmen. Vertonte Angstzustände. Kakophonierte Auswüchse eines kranken Geistes. Kälte und Leere, Enge und Beklemmung sind die Gefühle und Umschreibungen, die einen bei dieser Platte unweigerlich und unwillkürlich überfallen. "Tremor I" verheißt schon nichts Gutes, eingeleitet von Störgeräuschen und Samples, die direkt aus der Irrenanstalt stammen könnten, zudem ein Filmzitat (Alles um mich herum beginnt nun zu verschwimmen. Die Dunkelheit bildet einen beschützenden Kreis um mich), baut sich durch die minimalistische instrumentale Untermalung nach und nach eine beängstigende Atmosphäre auf, die dann ihren Gipfel in dem nach und nach einsetzendem Post Black Metal Stück findet, dessen Stil sich schon sehr an dem Erstling "Totenwerke" orientiert. Als letztes erklingen wieder Störgeräusche, die langsam im Nichts verschwinden. "Tremor II" führt konsequent weiter, was Akt 1 begonnen hat. Der Black Metal setzt hier daher sofort ein. Was folgt ist ein für Deathgate Arkanum typischer postmoderner Black Metal Song, wie er auch auf der "Stillhallen" enthalten sein konnte. Unterlegt mit einigen Ambient-Elementen und zur Mitte hin dann in ein eher nihilistisch-klassisches Werk übergleitend, bis der minimalistische Black Metal wieder einsetzt, und Angst und Verstörung beim Zuhörer hinterlässt. "Tremor III" wird von einem düsteren Akustikteil eingeleitet, danach setzen verzerrte Gitarren ein, um sich wiederum mit einer Akustikgitarren abzuwechseln - hier finden auch geschickt platzierte Streicher-Samples ihren Einsatz, was ich durchaus gutheiße! Schließlich erklingt wieder postapokalyptischer Black Metal mit Ambient-Untermalung... der jedoch urplötzlich unterbrochen wird, und Platz macht für ein unheimliches Zwischenspiel, welches direkt aus einem Horrorfilm stammen könnte... bis langsam wieder verzerrte Gitarren einsetzen, der Gesang und ein für Deathgate Arkanum Verhältnisse schnelles Schlagzeug... es kommt einem vor, als wenn dieser kurze Übergang rückwärts abgespielt werden würde. Anschließend folgt eine Passage, die direkt von der "Totenwerke" stammen könnte, und auch nahezu abrupt abgebrochen wird. Sehr beeindruckend! "Tremor IV" schließlich stellt den Abschluss des Werkes dar. Nachdem der Song als schnelle Black Metal-Nummer beginnt, folgt etwa nach einer Minute der Übergang in einen düsteren Ambient, mit Streichern und sonstigen Samples. Anschließend wird der schnelle Black Metal-Stil fortgesetzt, allerdings nun unterlegt mit den Samples sowie diversen elektronischen Spielereien, und letztendlich endet alles wieder in einem düsteren Ambient-Stück, welches dann noch zusätzlich mit fast nicht zu vernehmenden Schreien und Klagelauten unterlegt wurde. Ende.

Fazit:
Wahnsinn... was für ein Werk! Mit "Seelen" hat der Protagonist S. ein Album erschaffen, welches einen auch lange nach dem Hören beschäftigen wird. Ich habe es mir vor dieser Besprechung schon etliche Male angehört, und werde es wohl auch noch etliche Male an- und durchhören. Ein grandioses Machwerk, ein nihilistisch vertontes Gemälde, voll abstoßender Schönheit. Limitiert ist die Platte auf 500 Exemplare im Clear-Vinyl. Interessanter Weise sind die Titel im Klappcover rückwärts verlaufend, ich kann also auch nicht mit Sicherheit sagen, ob "Tremor I" wirklich Akt 1 oder in Wirklichkeit "Tremor IV" ist.

10 / 10 Punkte

Samstag, 28. Januar 2012

Review: Selbsttötung - Daseinsschmerz (MC, Selbstmord Kommando)

Nachdem die CD-Veröffentlichung der Band Einsam Gestorben aus dem Hause SKP ja eher eine herbe Enttäuschung war, bin ich gespannt, wie nun eine der neuen Tape-Veröffentlichung des Labels sind. Bei der Band Selbsttöung handelt es sich um das Schaffen von zwei Leuten, die zwar thematisch ziemlich in die Schiene des depressiven Black Metal gehen, diesen aber (glücklicherweise) nicht unbedingt zelebrieren.







So zeigt sich der Gesang erfreulich grimmig. Trotzdem hat er etwas verzweifeltes an sich und versprüht auch durchaus eine melancholische Atmosphäre. So muss Suizid Black Metal für mich klingen. Aber genug des Vorgeplänkels... das Album-Tape hält für den geneigten Hörer immerhin acht teils überlange Lieder bereit, wobei man sagen muss, dass drei Stück lediglich instrumental sind. Die A-Seite beinhaltet dabei "Einsamkeit" (Einklang), das Titelstück, "Leere" und "Über Pfade des Gebrechens". Die B-Seite besteht aus dem Zwischenstück "Herbstregen", "Im Wahn...", "Ewiges Wintergrab" und den Ausklang "Zerfall". Insgesamt muss ich sagen, dass mir die A-Seite eine Spur besser gefällt, da die Lieder hier doch eine Spur mehr Atmosphäre bieten, zudem finde ich insbesondere das Stück "Im Wahn..." eher langweilig im Vergleich zu den drei Titeln auf der A-Seite - aber gut, dass ist und bleibt ja bekanntlich Geschmackssache.

Fazit:
Eine durchaus gelungene Veröffentlichung aus dem depressive/suicidal Sektor. Zwar nicht perfekt, da in meinen Augen vor allem die B-Seite schwächelt, aber nichts desto trotz kann man sich das ganz gut anhören, und Atmosphäre bietet es obendrein auch. Limitiert ist das Pro-Tape auf 100 handnummerierte Exemplare.

6.0 / 10 Punkte

Mittwoch, 18. Januar 2012

Review: Alcest - Les Voyages de L'Âme (LP, Prophecy Productions)

Nach der Veröffentlichung der Vorab-Single Autre Temps, die einer Auflage von gerade einmal 500 Stück als einseitig bespielte 7er EP erschien, war eigentlich klar, dass ein neues Album bald folgen würde, und das dieses nicht so klingen würde, wie das letzte Werk, sondern sich eher an dem Stil des ersten Albums orientieren würde.







So erschien "Les Voyages de L'Âme" ("Die Reisen des Geistes/der Seele", wenn man so will) nun auch endlich in diesem Monat. Seit Monaten schon vorbestellt. Mit großen Erwartungen. Denn das erste, sowie auch das zweite Album sind, wenn auch eigentlich total unterschiedlich, beides grandiose Werke, die nicht viel Platz für negative Kritik aufkommen ließen. Nun, was soll ich sagen... meine Erwartungen wurden enttäuscht. Nicht bitter enttäuscht zwar, aber dennoch reicht es aus, um Alcest doch einmal mit anderen Augen zu betrachten. Das erste Lied "Autre Temps" ("Andere Zeiten"), übrigens erwähnte Vorab-Single, kann noch durchaus überzeugen. Der Stil orientiert sich wie schon erwähnt an dem 70er Rock des Debüt-Albums. Dazu wurde sogar ein sehr atmosphärisches Video gedreht, was sich ein jeder Interessierte auf youtube anschauen kann. Grandios und künsterlich wertvoll. "Là Oû Naissant les Couleurs Nouvelles" beginnt unscheinbar, steigert sich aber zu einem durchdringenden Werk mit Black Metal-Anleihen, was dann auch Parallelen zum Album-Vorgänger zeigt. Was nach diesem Lied folgt ist allerdings weniger erfreulich. Zwar ist die Musik weit entfernt davon, "schlecht" zu sein, und auf jeden Fall stärker als das Gedudel auf dem Old Silver Key Album. Aber. Sie ist eigentlich schon zu perfekt. Zu vollkommen. Zu klar, um wirklich noch emotional zu sein. Dieses Gefühl, das ich bei den Vorgängern hatte, will sich bei mir einfach nicht einstellen. Der Funken, den ich beim Hören der ersten beiden Alben spürte, will hier einfach nicht überspringen. So plätschern die restlichen Songs eigentlich nur noch dahin. Einzig "Faiseurs des Mondes" ("(Die) Schöpfer der Welten") überzeugt mich noch wirklich, da er dank seiner Black Metal-lastigen Note sehr emotional und kalt wirkt. Und da ist es wieder, dieses schwere, drückende Gefühl einer tiefen inneren Sehnsucht, nach etwas, das kein Geist begreifen kann.

Fazit:
Neben den drei wirklich überragenden Songs, gibt es auf diesem Album noch fünf weitere gute Lieder. Das Problem an denen ist nur, dass dieser Funke der vergangenen Werke Alcest's nicht mehr überspringen will. Meine Flamme konnte das jüngste Album der Band jedenfalls nicht mehr richtig entfachen. Vielleicht waren meine Erwartungen aber auch nur einfach zu groß, nachdem man schon zwei sehr beeindruckende Werke vorlegte... aber man muss schon fair bleiben, denn grundsätzlich ist die Musik wirklich alles andere als schlecht. Veröffentlicht wurde das Album als Vinyl-Edition in verschiedenen Farben (jeweils limitiert auf 500 Stück). Ich persönlich bin mit meiner weißen Vinyl sehr zufrieden (enthält zudem noch ein Poster).

7.0 / 10 Punkte

Review: Ordo Obsidium - Orbis Tertius (CD, Eisenwald Tonschmiede)

Ende letzten Jahres erschien das Debüt-Album der Black Metaller aus Amiland Ordo Obsidium. Und zwar über das deutsche Label Eisenwald. Nun sind neuere Sachen, die jenseits des Pazifiks zu uns rüberschwappen, nicht gerade für ihre Qualität bekannt. Ob Ordo Obsidium diesen Eindruck widerrufen können, lest ihr im folgenden.







Gleich zu Anfang wird einem eigentlich klar, dass man es hier mit keinem durchschnittlichen Werk zu tun hat. So weist der erste Song immerhin eine stolz Länge von rund 12 Minuten auf. Und das ist mal kein inspirationsloses Geduddel, das unnötig in die Länge gezogen wurde. Das Lied "Nequaquam Vaccum" präsentiert sich als okkulte Schwarzmetall-Nummer, die zur Mitte hin einen schönen Funeral Doom-Touch bekommt, was die ganze Angelegenheit nur noch okkulter erscheinen lässt. Nachdem man dann wieder ein paar Takte schneller wird, wandelt sich das Stück wieder in einen (mittel)schnellen hymnischen Black Metal Song. Ein Lied vom Schlag "das hätte man auch einzeln als 7'' Single stehen lassen können". Das nächste Lied mit Namen "Into The Gates Of Madness" bringt es dann immerhin noch auf knapp 7 1/2 Minuten. Der zweite Song unterscheidet sich wiederum auch schon etwas vom ersten, denn hier wird 1A Black Metal mit einer mystischen Note gespielt - etwa vergleichbar mit bspw. Kathaaria. Insgesondere was die Geschwindigkeit anbelangt. Im letzten Viertel setzt dann ein kleines Break in Form eines Akustik-Parts ein, mit Keyboard-Untermalung und geht dann wieder über in einen okkulten Black Metal-Part. Der dritte Song "Orbis Tertius" beginnt als lupenreine Funeral Doom Nummer - und der Stil zieht sich durch den ganzen Song. Auch der Gesang scheint hier um einiges mehr Doom zu besitzen, als bei den vorhergegangenen Liedern. Ein starkes monumentales Epos an Verzweiflung, welches wie der erste Song eigentlich auch für sich selbst stehen könnte. Kommen wir zum vorletzten Song, namentlich "Emptiness Of The Moon". Dieser bietet wieder sehr starken Black Metal, hymnisch und erhaben... okkult! Das erinnert mich wieder an Kathaaria, aber in musikalischer Hinsicht auch etwas (entfernt) an alte Immortal-Werke. Es fällt eigentlich gar nicht auf, dass das Lied über neun Minuten Länge besitzt - und schließlich endet es in einem kurzen Keyboard-Outro, welches gleichzeitig auch das nun folgende letzte Stück "By His Unflinching Hand" übergangslos einleitet. Dieses knapp 12 1/2 Minuten lange Lied verschreibt sich wieder voll und ganz dem Funeral Doom. Die Symbiose aus Gesang und Instrumenten wirkt vollkommen, und so ein Gefühl von Verlassenheit und bloßer Trauer hatte ich durchgehend bei einem einzigen Lied lange nicht mehr. Zum Abschluss folgt noch ein fast herzzerreißender Akustikteil. Und das war's. Zurück in der Realität... schnell die Wiederhol-Taste betätigen.

Fazit:
Ein sehr starkes Album. Doch wirklich... es gibt momentan wirklich nicht viel, was mich zu begeistern weiss, und was meine schwarze Seele entzückt, aber dieses Album gehört definitiv dazu! Ordo Obsidium werden, bei gleichbleibender zukünftiger Qualität, in meinen persönlichen Olymp aufgenommen. Und selbst, wenn dies nicht der Fall sein sollte, dann haben sie mit ihrem Debüt auf jeden Fall etwas sehr besonderes, monumentales geschaffen. Ein Album, dass sich keiner entgehen lassen sollte, der auf düstere atmosphärische Musik steht.

10 / 10 Punkte

Montag, 16. Januar 2012

Review: Wunjo - Eye Of The Wolf (MC, Talheim Records)

Eine relativ junge Pagan Black Metal Kombo aus Italien hört auf den Namen Wunjo. Eben diese Zwei-Mann-Band präsentiert mit diesem Tape, nach einer Demo, ihr erstes Mini-Album.

"Eye Of The Wolf" ist in meinen Augen, um es gleich zu Anfang auf den Punkt zu bringen, ein zweischneidiges Schwert. Nach einem kurzen Intro, welches nett klingt, geht es gleich los mit dem ersten Song "Night Of The Werewolf". Ein eher mittelprächtiger Song, der zwar nicht wirklich schlecht ist, der aber auch nicht so wirklich zünden will. "Pagan War" ist da schon eine Spur besser, da er auch wilder vorgetragen wird. "Born Of New Sun" schlägt in die gleich Kerbe. Es wird gebolst, was das Zeug hält, zudem hält dieses Lied noch ein gutes Gitarrensolo am Ende bereit. "Ave Alla Vittoria" ist gar eine richtige War Metal Hymne geworden. "Italia Pagana" fängt hymnisch an mit einem Chorsample, geht dann aber gleich wieder über in einen kurzen, aber deftigen War Metal Song mit Death-Vokills.

Fazit:
Nun ja... insgesamt keine wirklich beeindruckende Veröffentlichung, aber trotzdem immer noch besser, als so manch anderes aus dem Sektor. Limitiert auf 100 Exemplare.

7.0 / 10 Punkte

Dienstag, 10. Januar 2012

Review: Hat - We Are A Sign Of Hell (darkness become) (CD, Black Dominion)

Hat aus Polen existieren seit dem Jahr 2005. Bisher hatte ich von dem trinkfesten Trio jedoch null mitbekommen, umso erfreuter war ich dann, mir mal die neue EP der Band anhören zu dürfen.









"We Are A Sign Of Hell" stellt neben einer Demo und einer Split, das mittlerweile dritte Lebenszeichen der Band dar. Mit gerade einmal drei Liedern und einer Spielzeit von etwa 14 Minuten ist dieses Vergnügen jedoch etwas sehr kurz geraten. Vor allem weil man hier eigentlich auch nur zwei eigene Stücke zum besten gibt. "The Majesty Of The Beast" macht dabei den Anfang und ist ein fieses Stück thrashigen Underground Black Metals, so wie man es von polnischen Bands wie z.B. auch Mordhell gewohnt ist. "Under The Black Flags" schlägt etwa in die gleiche Kerbe, wird anfangs wesentlich langsamer vorgetragen, ist im Mittelteil dann rasend und wird zum Ende hin noch einmal richtig wild. Das gefällt mir sehr gut. "Cursed, Scarred And Forever Possessed" schließlich stellt ein Celestial Bloodshed Cover dar. Eben jene Band aus Norwegen, die anno 2008 mit ihrem Debüt-Album für großes Aufsehen sorgte, und deren Sänger ein knappes Jahr später erschossen wurde. Die Essenz dieses Songs wurde von Hat sehr gut eingefangen, die eher melancholisch-depressive Atmosphäre sehr gut in ein low-fi Gewandt gepackt worden. Gute Umsetzung!

Fazit:
Die polnischen Hat werde ich auf jeden Fall weiterhin im Auge behalten. Zwar lässt sich auf den drei enthaltenen Songs ihr wirkliches Potential nur erahnen, aber ich denke, auf einem wirklichen Voll-Album wird diese Band gut abgehen. Übrigens kommt die EP als Pro-CDr, ltd. auf 100 Exemplare.

7.5 / 10 Punkte

Review: Einsam Gestorben - Einsam gestorben (CD, Selbstmord Kommando - 2011)

Ach du (un)heilige Scheiße... Herr Fäulnis hat mal wieder ein neues Projekt am Start. Ich weiss nicht, ob ich mich freuen soll, oder die CD doch lieber direkt im Müll entsorge... aber wir wollen ja fair bleiben. Ich meine neben absoluten Gurken wie Todessucht, Grauzeit und wie sie alle heissen, gab es ja auch durchaus brauchbares Material (Triebtat)...









Nun, auf der CD von Einsam Gestorben, einmal mehr veröffentlicht durch SKP, bietet man dem geneigten (oder ungeneigten) Hörer satte vier Stücke... wobei, eigentlich sind es nur zwei Stück - den Ein- und Ausklang hätte man sich getrost sparen können und stattdessen noch zwei wirkliche Lieder draus machen können. Was nun die beiden wirklichen Lieder anbelangt, titelgebend "Einsam gestorben" und "Sehnsucht", so präsentiert man natürlich depressiven Suizid Black Metal, das gelingt überraschender Weise sogar ganz gut, wobei "Einsam gestorben" definitiv an Innovation vermissen lässt, und noch nicht einmal zum Ende hin wirkliche Emotionen zeigt. Bis auf diesen schwulklingenden Schrei im letzten Drittel. "Sehnsucht" ist da doch eine Spur besser... der Gesang ist relativ gut, die Instrumente gefallen mir ebenfalls besser, aber auch hier passiert in den 15 Minuten nicht viel mehr als noch beim vorhergegangenen Stück. Das ist leider auch das generelle Problem, was diese Scheibe hat - das Fehlen wirklicher Innovation (wenn man davon überhaupt bei DSBM sprechen kann) und wirklich emotionaler Momente.

Fazit:
Besser als Grauzeit auf jeden Fall, aber noch wesentlich entfernt von der Qualität von Triebtat. Dieses Mini-Album verschwindet bei mir eindeutig in der Masse der Belanglosigkeiten. Dass es Fäulnis besser kann, hat er bewiesen - deshalb verstehe ich auch nicht, warum man dutzende von Projekten auf die Beine stellen muss, die alle relativ von der gleichen miesen und belanglosen Qualität sind. Hat man sowas nötig? Meiner Meinung nach eindeutig nicht.

2.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Einklang
02. Einsam gestorben
03. Sehnsucht
04. Ausklang

Laufzeit: ca. 15 Minuten

Donnerstag, 5. Januar 2012

Review: Obskene Sonare - Der letzte weiße Hirsch (CD, Talheim Records)

Tja, das neue Jahr wird ausgerechnet von einer Band aus Österreich eingeleitet. Kein gutes Omen, bedenkt man, dass aus unserem Nachbarland selten brauchbares Material in Sachen Black Metal kommt. Obskene Sonare bildeten da in meinen Augen schon immer eine löbliche Ausnahme. Nun folgt nach gerade einmal einer Demo, einem Mini-Album und einer Single das erste und zeitgleich leider auch letzte Album.






Eines gleich einmal vorweg: musikalisch gibt es von meiner Seite rein gar nichts zu meckern. Die Musik hat zwar nicht direkt etwas mit Black Metal zu tun, sondern scheint auch von Werken alter Bethlehem beeinflusst zu sein. Der Überbegriff Dark Metal passt hier eigentlich ganz gut. Aber dazu dann gleich auch später. Erst einmal von Anfang an:
Als ich die CD erhalten hatte, hatte ich leider nicht ausgiebig Zeit, mich mit diesem Werk auseinander zu setzen. So warf ich dann auch nur schon einmal Blicke ins Beiheft. Nach den geschriebenen Worten, wollte ich mir dann doch mal sehr gern die Musik auch anhören, und so habe ich dann Tage damit zugebracht, dieses Album in jeder freien Minute zu hören. Inzwischen gefällt es mir sogar sehr gut. Trotzdem kann ich einiges, was der Herr Akanoth so von sich gibt, so nicht stehen lassen. Sich von der Szene loszusagen, da sie ja nur noch aus Großmäulern besteht, scheint ja sowieso momentan ziemlich Trend, aber auch mal losgelöst davon: seine geschriebenen Worte klingen zwar vernünftig, durchdacht und ehrlich... aber nachvollziehen kann ich sie teils nicht wirklich. 1. jeder, der auch nur etwas von Black Metal versteht, weiß dass die Österreicher Szene bis auf wenige Ausnahmen nichts wert ist, 2. wer es nötig hat, Absurd zu covern, der muss sich nicht um den Umkreis wundern und 3. scheint ihm selbst nicht (mehr) sehr viel am Black Metal gelegen zu sein, wenn er sich komplett von der Musik zurückzieht - wegen ein paar Spinnern, die man ja immer und überall findet. Vielleicht interpretiere ich seine Worte ja auch einfach nur falsch (wenn dem so ist, lasse ich mich gerne eines besseren belehren). Black Metal ist für mich zwar einerseits auch Musik, der man natürlich entsagen kann, aber in erster Linie bedeutet Black Metal für mich eine gewisse Lebenseinstellung, die man nicht einfach ablegen kann.
Soviel also nur zu dem Geschriebenen. Kommen wir also einmal auf das Hauptthema, die Musik zu sprechen: die kann sich wirklich hören lassen. Wie beschrieben, ertönt hier eine schwer zu beschreibende Musik, vorallem deshalb, weil sie auch schwer zu vergleichen ist. Der Vergleich zu alten Bethlehem ist zwar nicht ganz abwegig, passt allerdings doch nicht so wirklich. Es ist halt doch noch Black Metal, und der hat seine Wurzeln tief im Untergrund. Das Intro "Als der Anblick des Mondes meine Erinnerungen weckte" hält schon eine Überraschung bereit. Beginnend mit ein paar Zupfern an der akkustischen Gitarre, erklingt ein schon fast träumerisch-harmonisches Ambient-Stück, gefolgt von einer Soundcollage, die aus musikalischen Bruchstücken der vergangenen Werke besteht. Und so erschließt sich einem letztlich auch der Titel. "Der Verzicht auf das diesseitige Leben ist hart. Aber der Verlust des Paradieses ist noch härter." Dieser zentrale Satz der islamistischen Glaubenslehre (wird auch gerne von Christen verwendet), leitet das Lied "Befragung im Grab" ein, dessen Text im direkten Kontext zu dieser Aussage steht. "Der beste Arzt" ist musikalisch gesehen wohl der beste Verweis auf das alte Schaffen von Bethlehem, mal abgesehen von den Black Metal-Parts. Welcher Arzt der beste ist, dürfte wohl jedem hier klar sein. "Scenocide" stellt eine Abrechnung mit der bereits schon einmal weiter oben erwähnten Personengruppe dar. "Duhom i telom" wird durch ein Filmsample eingeleitet. Mir fällt zwar der Film nicht ein, weiß aber definitiv, dass ich es kenne. Der Song stellt für mich einen der Höhepunkte des Album dar. "Deszendenz" erinnert an die älteren Sachen von Fäulnis, eben so krank. "Wie ein erloschener Stern..." ist der Black Metal-Szene an sich gewidmet und in diesem Fall stehen die Lyrics und der Titel wohl für sich. Der Song ist jedenfalls genial. Das erinnert mich auch ein wenig an Nargaroth. Ähnlich ist das auch beim letzten titelgebenden Stück, welches zwar auch wieder durch Samples aus einem (oder mehreren Filmen) unterlegt ist, allerdings komme ich auch hier wieder nicht auf den Namen eben diesen. Aber kennen tue ich es auf jeden Fall. Verdammtes Gedächtnis... interessanter Weise endet das Album mit den gleichen Klängen wie es begonnen hat. Der Kreis schließt sich also, und die Erinnerungen kehren stetig wieder und bleiben bestehen.

Fazit:
Insgesamt betrachtet ist das neue Werk "Der letzte weiße Hirsch" des Ein-Mann-Projektes Obskene Sonare ein überraschend opulentes Machwerk geworden. Jedenfalls eins der authentischsten persönlichen Alben, die ich in letzter Zeit gehört habe. Achja, und noch eine Sache zu dem Vergleich zu Nargaroth - in meinen Augen wirkt dieses Album mit seinen Aussagen x-mal authentischer, da sich Obskene Sonare als Projekt inzwischen aufgelöst hat... denkt man da an ähnliche Aussagen seitens Nargaroth, und bedenkt, dass der Mann unter gleichem Bandnamen immer noch (zum größten Teil) die gleiche Musik macht, wirkt dies geradezu lachhaft und als nicht konsequent genug.

9.0 / 10 Punkte