Montag, 5. Dezember 2011

Review: Bilskirnir & Barad Dûr - Split EP (LP, Tanhu Records)

Die Klangschmiede Tanhu aus Ungarn kennt man ja schon durch einige Bilskirnir-Veröffentlichungen, so wurden die Splits mit beispielsweise Hunok und Evil dort veröffentlicht. Nun folgt die Bilskirnir Split EP mit den, so schien es mir zumindest, offiziell längst schon aufgelösten Barad Dûr. Beide Bands sind der politisch nicht gerade korrekten Ecke des Black Metals zuzuordnen, wer also ein Problem damit hat, muss diese Rezension logischer Weise ab hier auch nicht mehr weiterlesen.




Beginnen wir mit der Bilskirnir Seite, die da heißt "Lost forever". Gleich zu Anfang wird klar: es handelt sich hier unverkennbar um Bilskirnir, wenngleich dieses Stück eines der wohl intensivsten darstellt, die ich seit langem von diesem Ein-Mann-Projekt gehört habe. Ein wirklich düsteres nostalgisches Lied, welches auch eine gewisse Melancholie und Monotonie nicht verbergen kann. Genau das ist es, was ich von Bilskirnir gewohnt bin, und genau was ich erwarte. Sogar noch etwas mehr. Doch, das sagt mir sehr zu! Da ist es schade, dass von der Band nur dieses eine 7-minütige Stück beigesteuert wurde.
9.0 / 10 Punkte

Barad Dûr liefern mit "Selbstmord" noch einmal ein Stück, nachdem sie sich ja vor ein paar Jahren aufgelöst hatten. Das Lied ist sehr dreckig und sehr rau. Das dürfte wohl aber zum größten Teil an der Demo-gleichen Aufnahme liegen. Rauschen inklusive. Das hat auf jeden Fall Stil und nach ein oder zwei Durchläufen macht der Song auch echt Laune. Musikalisch präsentiert man sich übrigens wie gewohnt eher im Midtempo angesiedelt, nichtsdestotrotz aber aggressiv und wild. Davon hätte es ehrlich gesagt auch noch ein Lied mehr getan. Aber so ist der ganze Spuk dann nach ca. sieben Minuten und 15 Sekunden vorbei.
9.0 / 10 Punkte

Fazit:
Grandiose Arbeit beider Bands. Auch wenn die Lieder unterschiedlicher nicht sein könnten, so sind sie doch jedes für sich sehr ausdrucksstark und repräsentieren gleichzeitig die Grundessenz der beiden Bands. Limitiert auf gerade einmal 500 Exemplare. Die ersten 100 im roten Vinyl.

9.0 / 10 Punkte

Review: Burzum - From The Depths Of Darkness (CD, Byelobog Productions)

Wir schreiben das Jahr 2011 und dies ist nun bereits die zweite Burzum-Veröffentlichung in diesem Jahr. Mir scheint, da hat wohl jemand nach dem Knastaufenthalt wesentlichen Nachholbedarf. Nun denn - "From The Depths Of Darkness" stellt im Gegensatz zu dem genialen Werk "Fallen" kein wirklich neues Album dar - eher eine Art Zusammenstellung mit Neuaufnahmen der Burzum-Klassiker.






So hat Varg für die aktuelle Scheibe seine persönlichen Favoriten der ersten beiden Alben "Burzum" und "Det som engang var" zusammengestellt und diese in ein neues, dem aktuellen Stil Burzum's angepassten Klanggewand gepackt. Und meiner Meinung nach, das sage ich jetzt hier gleich zu Anfang ganz klar und ehrlich, hätte er das lassen sollen. Klar, Produktion usw. klingt alles druckvoller und musikalisch wesentlich ausgefeilter. Aber die Grundatmosphäre dieser Songs wurde komplett mit dem neuen Stil zunichte gemacht. Ich will nicht so weit gehen, und behaupte, dass die Lieder gute Stimmung verbreiten, aber diese disharmonische Melancholie, die den Alt-Werken Burzum's inneliegt, gibt es hier nicht mehr. Das wird auch leider schon direkt beim ersten Song "Feeble Screams From Forests Unknown" deutlich. Übel nehme ich Varg aber vor allem die Interpretation seines Klassikers "A Lost Forgotten Sad Spirit", dessen einstmalige depressiv-hasserfüllte Atmosphäre höchstens noch zu erahnen ist. Hier wirkt er auf Grund der Geschwindigkeit zwar immer noch nostalgisch-melancholisch, aber es ist längst nicht mehr dasselbe. Aber das Album hat auch seine guten Momente, so gefallen mir "Ea, Lord Of The Depths", "My Journey To The Stars" und auch "Key To The Gate" sehr gut. Auch wenn letzteres Stück im neuen Burzum-Gewand eine nicht zu leugnende RAC-Note besitzt und auch wenn die jeweiligen Songs nicht mehr die gleichen Atmosphären besitzen, wie früher. Aber immerhin verstehen es diese Songs wirklich etwas völlig neues aus diesen Liedern zu machen. Klar kennt man die Melodien, aber die Stimmungen, die hier erzeugt werden, wirken den alten Songs nicht zwangsweise aufgedrückt, sondern schaffen es aus etwas Altem etwas Neues zu formen.

Fazit:
Die Meinungen der Anhänger werden Varg sowieso am Arsch vorbeigehen, das zumindest, so könnte man meinen, belegt dieses Album. Blasphemie kann man ihm ja schwerlich vorwerfen, handelt es sich hier doch um seine eigenen Stücke, die er nur neu interpretiert. Ich finde es jetzt auch nicht wirklich schlecht, aber ich sehe es als ein missglücktes Experiment an, was noch nicht einmal von Nöten gewesen wäre. Und aus diesem Grunde ist es eigentlich schon wieder zumindest überflüssig. Andererseits versteht es Varg auch, einige seiner alten Songs mit dem neuen Stil in völlig andere Sphären zu lenken, die aber trotzdem stimmig sind. Ich bin weiterhin sehr zwiegespalten, was diese Veröffentlichung angeht, vor allem weil hier doch in meinen Augen die negativen Seiten überwiegen. Beim Hören dieses Albums könnte man zu der Ansicht gelangen, dass das Projekt Burzum sich selbst überlebt hat. Dass dem eigentlich aber nicht so ist, bewies Varg ja mit dem "Fallen" Album. Mal abwarten, was die Zukunft noch so bringt.

4.5 / 10 Punkte

Review: Winterus - In Carbon Mysticism (CD, Lifeforce Records)

Das Label Lifeforce ist ja eher durch das Veröffentlichen diverser sogenannter Metalcore-Bands bekannt, und deshalb auch nicht wirklich relevant für mich. Auf Anraten eines Bruders hin habe ich mir dann aber doch diese CD aus dem Hause Lifeforce besorgt, soll sie doch recht anspruchsvollen Black Metal enthalten. Nun, Black Metal enthält die Debüt-CD der Amis Winterus auf jeden Fall - wenn auch nicht gerade den innovativsten...





Winterus orientieren sich bei ihrer Art von Black Metal recht stark am Mitt-90er-Black Metal aus Norwegen. So scheinen wohl vor allem Immortal als musikalische Vorbilder Pate gestanden zu haben. Das ist hauptsächlich beim Gesang und beim Drumming heraus zu hören. Beim Gitarrenspiel noch nicht einmal so sehr. Man hört der Band auch ihren Hang zur Perfektion und technischen Spielereien an - das ist zwar einerseits nicht schlecht, macht die Musik aber auch insgesamt unzugänglicher - die Songs gehen nicht direkt ins Hirn. Auch klingt einiges hier doch eine Spur "too much". Zu viel des guten, zu modern, zu mainstream und von der Musik her zu Core-lastig. Für ein wirkliches Voll-Album Debüt wird auch relativ wenig geboten... gerade einmal drei instrumentale Songs, drei Rehearsals am Ende und dann noch drei "wirkliche" Songs - insgesamt kommt man dann auf eine Spielzeit von gut 35 Minuten. Das hätte man besser als Vorab-EP oder als Demo in kleiner Stückzahl vertreiben sollen, den Preis eines Voll-Albums, welches auch über den Underground hinaus im Einzelhandel zu erwerben ist, finde ich hier bei weitem nicht gerechtfertigt! Hinzu kommt, dass ich die Rehearsal- oder Live-Songs wesentlich stärker und emotionaler finde, als den ganzen Rest des Albums!

Fazit:
Die Rehearsals gefallen mir sehr gut - davon ein paar mehr und hübsch als eine schicke Demo veröffentlicht - das wäre der Hammer gewesen. So bleibt lediglich ein (im Einzelhandel) überteuertes Debüt-Album, welches nur halbgar präsentiert wird und nicht wirklich fertig scheint. Trotzdem haben die Songs ihre guten Momente, vor allem, wenn die Mitt-90er-Note in ihrer Musik voll zum tragen kommt - aber allgemein könnte man sich hier als Käufer schon leicht verarscht vorkommen. An dieser Stelle ein Dank an K., der mir sein Exemplar für die Rezension zur Verfügung gestellt hat.

4.0 / 10 Punkte

Sonntag, 4. Dezember 2011

Review: The Midnight Meat Train (Einzel-DVD, Universal Studios)

Endstation: Blutiges Massaker. Zu extrem fürs Kino!!! ... diese und andere schlagkräftigen Worte finden sich auf dem Cover der DVD zu einem der wohl interessantesten Horrorfilme der letzten Jahre. Die Rede ist hier natürlich von oben genannter Filmadoption (2008) einer Kurzgeschichte von Clive Barker mit selben Titel - hierzulande bekannt als "Der Mitternachts-Fleischzug".







Im Gegensatz zu anderen jüngeren Adoptionen dieses Autoren, wie etwa "Book of Blood" oder "Dread" geht es hier, auch dank eines guten Budgets recht heftig und deftig zur Sache. Jedoch bleiben auch andere Punkte, die typisch für die Werke von Clive Barker sind nicht auf der Strecke... so ist der Film wirklich sehr düster von seiner Atmosphäre her, ist psychologisch dicht, hat interessante, kranke Charaktere und natürlich Sex und ein gewisses Maß an Perversion. Natürlich wie eingangs erwähnt auch Hektoliter-weise Blut und herumfliegende Körperteile. Clive Barker stand hier ebenfalls als ausführender Produzent Pate. Worum es genau geht? Leon Kaufman (verkörpert durch Bradley Cooper) ist ein Fotograf. Er betreibt dies jedoch nicht als Hobby - für ihn ist es mehr. Und als er durch einen Freund den Kontakt zu einer angesagten Kunstausstellerin findet, fühlt er sich immer mehr bestätigt. Gleichzeitig versinkt er aber auch immer tiefer in die Abgründe der menschlichen Seele. Er hat sich zur Aufgabe gesetzt, das wahre Gesicht der Stadt New York zu zeigen. Was er findet, reißt ihn nach und nach immer weiter in einen endlosen schwarzen Strudel. So wird er auf den stummen Mahogany (genial: Vinnie Jones) aufmerksam, der ihm nachts vor einer U-Bahn-Haltestelle im Anzug begegnet. Leon ist fasziniert von ihm. Er verfolgt ihn und findet alsbald heraus, dass der Unbekannte als Schlachter arbeitet. Bei seinen weiteren Nachforschungen stellt sich für Leon ein möglicher Zusammenhang zwischen Mahogany und einer brutalen Mordserie in der New Yorker U-Bahn her. Während seiner weiteren Recherchen gerät Leon immer weiter in eine andere dunkle Welt jenseits des Tageslichts, denn alle Spuren führen zu einer verlassenen, längst aufgegebenen U-Bahnstation.

Ein Horror-Thriller, der seines Gleichen sucht. Beängstigend und durchdacht. Kompromisslos, kalt und drastisch. Sowohl in Sachen Atmosphäre und in der Ausführung. Das "Schlachten" der Opfer wird detailreich ausgeführt, und selbst die hier und da eingesetzten CGI verursachen beim Zuschauen Schmerzen. Die Besetzung ist (wenn auch nicht durchweg) gut, die beste Arbeit liefert aber wohl Vinnie Jones ab, dicht gefolgt von Bradley Cooper. Auch sehr lustig ist der Kurzauftritt von Ted Raimi, dem kleinen Bruder von Sam, der auf wirklich beeindruckende Weise sein Leben lässt. Ohne jetzt noch weiter zu viel verraten zu wollen - schließlich soll es immer noch Leute geben, die den Film nicht gesehen haben - ende ich hier jetzt einmal mit der Rezension.

Als Bonus gibt es u.a. ein sehr interessantes Interview mit Clive Barker über den Film, seine Werke und Kunst.

Anbei zum Schluß noch ein interessanter Fakt: nachdem die FSK dem Film in seiner ungeschnittenen Fassung die Freigabe verweigerte, nahmen Universal auch Abstand von einem Deutschland-Release - eine Einstellung, die durchaus begrüßenswert ist, schließlich sollte man der Zensur keine Chance geben.

9.0 / 10 Punkte

Samstag, 3. Dezember 2011

Review: A Forest Of Stars - Opportunistic Thieves of Spring (CD, Prophecy Productions)

Das neue, im letzten Jahr veröffentlichte Album der britischen Band A Forest Of Stars mit dem Titel "Opportunistic Thieves of Spring" kam ursprünglich als CD und LP über das Label Transcendental Creations heraus. Das deutsche Label Prophecy brachte dann für den europäischen Markt noch eine schicke Digi mit der CD und einer DVD raus. Auf diese soll sich diese Rezension auch beziehen.






Die Band habe ich damals zu meiner myspace-zeit eher zufällig und auch beiläufig mal kennengelernt. Ich fand die damaligen Demo-Tracks gelinde gesagt grottig. Ergo hatte ich mich auch nicht mehr wirklich für ihr Debüt-Album "The Corpse of Rebirth" interessiert, und liess dieses einfach an mir vorüber ziehen. Nun bekam ich mehr durch einen glücklichen Umstand das aktuelle Album in die Finger. Und irgendwie interessierte mich ja doch schon, wie diese Band unter professionellen Bedingungen klingen würde. Das Ergebnis hat mich sehr positiv überrascht... hier bietet man eine breite Palette an musikalischem Können. Da wäre natürlich zum einen der sehr avantgardistisch vorgetragende Black Metal, den man auf Grund seines Klanges getrost dem Underground zugehörig zählen kann. Zum anderen klingt das ganze aber auch sehr psychedelisch (was ja quasi auch ein Sinnbild für britische Musik aus der Vergangenheit ist). Ebenso kommen hier klassische Instrumente zum Einsatz wie etwa verschiedene Streicher oder eine Flöte. Dezente Keyboard-Musik ist auch noch zu vernehmen. Insgesamt erinnert die Musik nicht nur einmal an alte nordische Sachen oder auch, um einen Namen zu nennen, an die deutsche Kapelle Die Toten kehren wieder mit dem Wind. Geboten werden insgesamt sechs Songs bei einer Gesamtlaufzeit von guten 75 Minuten! Die DVD indes beinhaltet zwei Videos. Ein offizielles zu "Raven's Eye View" und einen Live-Clip von "Male". Erst genanntes ist handwerklich wirklich gut gemacht und kann sich sehen lassen. Tolle Atmosphäre - was auf das gesamte Album auch zutrifft.

Fazit:
Ein wunderbar nostalgisches Album. Es ist zwar nicht typischer Black Metal, allein schon die Art des Auftetens der Herren erinnert doch eher an Sachen wie The Vision Bleak. Nichtsdestotrotz beinhaltet die Musik hauptsächlich Elemente, die dem rauen Black Metal zuzuordnen sind, auch wenn der Stil hier wirklich sehr weit ausgedehnt wurde. Etwas Besonderes also, auf das man sich allerdings einlassen und für das man sich öffnen muss.

8.5 / 10 Punkte