Donnerstag, 30. Juni 2011

Review: Borderland (Einzel-DVD, Sunfilm, Uncut)

Der Streifen "Borderland" (Grenzland, Grenzgebiet) fiel mir erst gestern in die Hände. Mehr durch Zufall. Ich war mal wieder auf der Suche nach etwas Neuem, was mich vielleicht ansprechen und bewegen kann. Wobei - seit ich das Spiel Dead Space kenne, ist mir klar, dass mich nie mehr ein Film so sehr emotional ansprechen wird, wie dieses eine Game. Aber ich schweife ab...

Ich dachte mir also "nettes Cover, nette Beschreibung... nimmste mit".





Heute angeschaut, muss ich schon sagen, dass ich in sehr angenehmer Weise von dem Film überrascht bin. Inhaltlich geht es um drei junge Männer. Ed, Henry und Phil. Die drei Freunde wollen es vor dem Beginn ihres Studium noch einmal so richtig krachen lassen. Einfach mal die Sau rauslassen. Seine inneren Dämonen befriedigen. Gesagt, getan. Und schon finden die drei sich auf dem Weg zur mexikanischen Grenzen (richtig getippt: es handelt sich bei den dreien wirklich um Amis, wenn auch um ziemlich naive - außerdem scheinen sie allesamt Pazifisten zu sein, doch dazu später mehr). In einem kleinen Kaff kurz hinter der Grenze, im Borderland sozusagen, wollen die Jungs dann auch direkt mal ihren Gelüsten nachgehen, und so besucht man ein Bordell/Bar. Es kommt, wie es kommen muss - Phil, der jüngste und gleichzeitig auch noch religiöseste verliebt sich in eine minderjährige Nutte (die dazu bereits Mutter ist), die er eigentlich in dieser Nacht als "Geschenk" noch nehmen wollte. Ed hat derweil ganz andere Probleme: er "rettet" die Bardame vor den Übergriffen eines Schmierlappens und wird dafür beinahe abgestochen. Die Frau schlägt dem fetten Mexikaner derweil mit dem Baseballschläger eins über. Und Henry... ja Henry ist wirklich nur wegen der Nutten, des Alkohols und der Drogen hier. Nachdem die drei zugedröhnt mit irgendwelchen Pilzen in einer Nacht auf die Piste gehen, wachen nur zwei von ihnen morgens wieder im Hotel-Zimmer auf. Entsetzt stellen Henry und Ed fest, dass Phil, der sich letzte Nacht abgesetzt hatte, spurlos verschwunden zu sein scheint. Ihre Nachforschungen auf eigene Faust ergeben schnell, dass Phil im Drogenrausch in die Fänge einer Art Sekte geraten zu sein scheint. Man wendet sich also an die Polizei, doch die scheint weder interessiert, noch in der Lage zu sein, dem Treiben dieses geheimnisvollen Rings Einhalt zu gebieten. Also machen die zwei Freunde sich mit der Barkeeperin Valeria selbst auf die Suche nach ihrem Freund. Dabei stoßen sie auf den Cop Ullises, der schon eimmal vor einem Jahr mit der Sekte zu tun hatte. Er kennt das Versteck und das Gefängnis von Phil. Was weiter passiert? Ich will nicht zu vieles vorweg nehmen...es reicht zu wissen, dass in diesem Film nicht nur eine "Grenze"  überschritten wird. Kill and revenge. So wird auch aus Leuten, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten, mit einem Male gnadenlose Killermaschinen, aus reiner Verzweiflung und Überlebenswillen heraus. An Schauspielern finden sich hier auch eher weniger bekannte Namen, so werden die drei Freunde von Brian Presley (Ed), Jake Muxworthy (Henry) und Rider Strong (Phil) dargestellt, von denen lediglich der letztgenannte dem ein oder anderen etwas sagen dürfte. So hat er in beiden Teilen von "Cabin Fever" mitgewirkt. Beeindruckt hat mich auch Sean Astin (hauptsächlich bekannt als Sam aus den Herr der Ringe-Filmen), der hier einen wirklich fiesen Bastard von Folterknecht zum besten gibt. Insgesamt eine überzeugende, wenn auch nicht immer ganz rationale Leistung, die hier von allen Beteiligten geboten wird.

Fazit:
So lustig, wie er sich teils in der Besprechung anhört, ist der Film wirklich nicht. Im Gegenteil. Er ist hart. Auf der Rückseite prangt "...in bester Hostel-Tradition" - und tatsächlich finden sich in den vereinzelten Folterszenen Anleihen an das Torture-Porn-Genre. Doch den Film darauf zu reduzieren, würde ihm in keinsterweise gerecht werden. Ich sehe in dem Film eher einen guten Okkult-Horror-Thriller mit derben Gewaltspitzen. Kleine Kostprobe: so wird ein Mann von ein paar Dutzend Kultmitgliedern mit Macheten bearbeitet, auch als er schon längst tot ist. Oder in einer Szene wird eine Frau enthauptet und ihrem blutüberströmten Körper wird ein Ziegenkopf aufgesetzt. Gliedmaßen werden hier sowieso schon mal ganz gerne abgetrennt. Einem abgeschlagenen Kopf werden die Zähne gezogen, damit er als Nahrung zubereitet werden kann und Augen werden aus ihren Höhlen entfernt unter sehr schmutzigen Bedingungen. Ist teils schlimmer als es sich hier anhört, da einiges auch im Off passiert. Trotzdem waren dies Gründe genug für die deutsche Zensurpolitik, hier die Schere mehr als genug anzusetzen, und so fehlen in der FSK 18-Fassung immerhin stolze 6 Minuten. Nicht so bei der schwerer zugänglicheren SPIO/JK-Fassung, die ist komplett ungeschnitten. Welche Fassung ich hiermit empfehle, dürfte klar sein. Ich empfehle ebenfalls, den Film im Original-Ton zu schauen. Die deutsche Synchro ist zwar sehr gut, aber einige der Stimmen kann ich als Hörspiel-Hörer in den Rollen nicht wirklich ernst nehmen, hehe.

8.5 / 10 Punkte

Dienstag, 28. Juni 2011

Review: Ewiges Reich - Blutsturm (CD, Eternity Records)

Oha... was haben wir denn hier? Ein neues Album der Truppe Ewiges Reich aus Kassel? Argh... nach dem völligen Desaster von "Krieg, Hass, Tod" hatte ich eigentlich nicht mehr damit gerechnet jemals wieder etwas von dieser Band zu hören. Weit gefehlt. Ob's was taugt - lest es selbst...








Auf ein kurzes obligatorisches Intro folgt auch gleich der erste Song "Alpha und Omega" - der Anfang und das Ende - und der haut auch schon gleich richtig rein. Nach dieser etwas länger als vier Minuten andauernden Hasstriade habe ich gute Hoffnungen, dass Ewiges Reich zu alter Stärke zurück gefunden haben. Back to the roots! Und... ohja, ich werde nicht enttäuscht, denn schon "In blinder Wut" fängt dreckig rockig an und geht über in eine nette Black Metal-Metzelei, wie man sie von Ewiges Reich zu erwarten hofft. Das kleine musikalische Zwischenspiel in der Mitte des Songs gefällt mir besonders gut. Zu erwähnen sei hier auch noch der Track "Blutsturm II", in dem der bekannte Song des Debüts endlich seine Fortsetzung findet ("Blutsturm II" war zwar auch auf der damaligen Split mit Totenburg vertreten, kommt hier jedoch erstmals auf Album und in komplett restaurierter Fassung). Das Album an sich bietet treibenden, hasstriefenden und verachtenden Black Metal, der mal mehr mal weniger rasend vorgetragen wird. Spieltechnisch allererster Güte und mit Liebe zum Detail. Das erinnert teils an jüngere Bands wie Zorn.

Fazit:
Ein lohnenswertes Album, auch wenn das Niveau in meinen Augen bei einigen Songs nicht konstant gehalten werden kann. Trotzdem zu empfehlen, vorallem wenn man auf die ersten Sachen von Ewiges Reich steht ("Zeit des Erwachens", "Ewiges Reich", "Thron aus Eis"). Positiv auch, dass man bei diesem Album auf ein (in diesem Falle wirklich) überflüssiges Zwischenstück verzichtet hat.

7.5 / 10 Punkte

Review: Drowning The Light - Land of The Dead Sun (CD, Hammer Of Hate)

Das aktuelle Mini-Album dieser australischen Band - na gut, so aktuell ist es auch nicht mehr, immerhin wurden derweil noch zwei Splits und eine Art Best-Of veröffentlicht, aber da kann man bei Drowning The Light ja fast monatlich nach gucken - hat mich mehr durch Zufall erreicht. Denn handelt es sich hier um ein ausschließlich für Finnland bestimmtes Werk, wenn ich das richtig verstanden habe. Egal, die CD ist jedenfalls limitiert auf 1000 Exemplare. Klar, dass man da auch weltweit eine Chance hat, seines zu ergattern... lohnen tut sich die Angelegenheit alle Male.



Mit "Land Of The Dead Sun" haben Drowning The Light nämlich das beste veröffentlicht, was ich seit geraumer Zeit von ihnen vernommen habe. Die gerade einmal vier Song haben dabei eine Gesamtlänge von ca. 18 Minuten. Musikalisch bekommt man sehr primitiven, hallend aufgenommenen Rehearsal Black Metal um die Ohren, gespickt mit sehr viel misanthropischer Kälte, hasstriefender Raserei, Melancholie und Dunkelheit. Eine Ode an die Magie der Nacht und ihre Geschöpfe. Eine Reise ins Schattenreich sozusagen... übrigens ist das Werk von der Live-Besetzung der finnischen Tour eingespielt, deshalb auch der Bezug zum Land.

Fazit:
Es bleibt nichts zu sagen... ein lupenreines Black Metal Album, wie man es sich wünscht. Melancholie und Dunkelheit bestimmen die Atmosphäre, aber auch dem Satanischen wird gefrönt - und nicht nur einmal erinnert das Album an finnische Größen wie Satanic Warmaster, alte Horna oder in Teilen auch an Clandestine Blaze! Ich weiß, dass ich mich mit diesen Vergleichen sehr weit aus dem Fenster lehne, aber so ist es meiner Meinung nach einfach! Aus dieser EP hätte von mir aus ruhig ein ganzes Album werden können.

9.0 / 10 Punkte

Samstag, 25. Juni 2011

Review: Todessucht - Sterbezeit (CD, Black Dominion - 2011)

Das letzte Mal, als ich etwas von dieser relativ jungen deutschen Band zu hören gekriegt habe, war auf der Split mit u.a. Ruinaerus und Leichenstätte aus dem Hause Hammerbund, von der ich ja nun nicht gerade sehr angetan war. Nun präsentiert das Trio aus Niedersachsen mit dieser Veröffentlichung also ihr neustes Werk.







Nun gut, wer Todessucht kennt, wird vom Stil nicht überrascht sein - ebend Depressiver Black Metal, der im schleppenden bis mittellangsamen Tempo vorgetragen wird. Insgesamt gibt es drei Songs zu hören, wobei der erste lediglich ein Intro darstellt. Bei einer Gesamtlaufzeit von etwas mehr als 14 Minuten akzeptabel, positiv fällt übrigens auch direkt auf, dass hier das Intro mal nicht den Großteil der Spielzeit ausmacht. Der Song "Verzweiflungstat I" gefällt mir so eigentlich ganz gut, allerdings hätte ich mir noch eine Spur mehr Eigenständigkeit und etwas mehr Einfallsreichtum erhofft. "Sterbezeit" fängt zwar gut an, kann das erhoffte Niveau aber nicht halten und plätchert die restlichen 4 1/2 Minuten eigentlich nur vor sich hin. Schade, hier gibt's immerhin auch nette Keyboard-Passagen, die ein wenig an Burzum denken lassen.

Fazit:
Leider scheint dieses Klischee zu stimmen, dass die sogenannten Depressive Black Metal Bands die Emos dieser "Szene" sind. Zudem scheinen sich ein Großteil der Bands untereinander geschworen zu haben, exakt gleich zu klingen. Kennt man eine, kennt man eigentlich alle Durchschnittsbands - die neue EP von Todessucht bildet da auch keine Ausnahme. Auch wenn gute Ideen und Ansätze vorhanden sind, so fehlt doch noch der wirkliche Kick und der Wiedererkennungswert. Muss ich nicht haben. Limitiert auf 100 Exemplare. Danke an K., der mir die Möglichkeit gab, die EP anzuhören.

3.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Intro
02. Verzweiflungstat Part I
03. Outro

Laufzeit: ca. 14 Minuten

Montag, 20. Juni 2011

Review: Paria - Unchain The Unclean (CD, Kneel Before The Master's Throne)

Paria haben mal wieder was aufgenommen... so weit nix neues. Fragt sich, ob das neue Werk "Unchain The Unclean" besser wird, als das vorherige "VerminRace", dass für mich persönlich bereits wieder in der Mittelmäßigkeit verschwunden ist.








Nun, ich kann euch alle beruhigen - denn der Black Metal von "Unchain The Unclean" hat nicht mehr viel mit der "VerminRace" gemein. Das ist genau die Musik, für die ich Paria sehr schätze, und was ich auch von ihnen zu hören kriegen will. Schneller, teils auch getragener Midspeed Black Metal der alten Schule, ohne irgendwelchen Schnickschnack, und vorallem auch sehr rockig! Auf einzelne Songs möchte ich eigentlich gar nicht so genau eingehen, denn eigentlich sind sie alle mehr oder minder einfach nur Nackenbrecher - meine persönlichen Anspieltipps sind "Worship" und der titelgebende Track.

Fazit:
Sehr viel besser als das letzte Album. In meinen Augen jetzt auch kein wirklich herausragendes Werk, aber doch schon wesentlich besser als das ganze Mittelfeld. Werde ich mir auf jeden Fall noch öfters anhören.

7.5 / 10 Punkte

Review: Black Death (Einzel-DVD, Sony Pictures, Uncut)

Schon vor einiger Zeit ertauscht, aber erst gestern angeschaut habe ich mir diesen Film mit dem wohlklingenden Titel "Black Death" (für alle, die des Englischen nicht mächtig sind: "Schwarzer Tod"). Richtig getippt - es geht hier um einen Film um eben jenen Schwarzen Tod, oder wie es vielleicht allgemein eher bekannt ist, um die Pest!








Wir schreiben das Jahr 1348, also tiefstes Mittelalter und dabei die Hochsaison der schwarzen Pest., irgendwo in Europa. Alles beginnt in einem Kloster, in dem der junge, nicht ganz so fromme, Novize Osmund lebt. Warum nicht so fromm? Ganz einfach... Osmund liebt eine Frau (ohne natürlich das Wissen seiner Brüder und Oberhäupter). Osmund sitzt momentan in seiner "Zelle" in Quarantäne, denn die Pest geht auch im Kloster um. Osmund hält dies jedoch nicht wie so viele andere für eine Strafe Gottes, und so wendet er sich an eben diesen, um ein Zeichen zu empfangen, was er angesichts seiner Situation und der Umstände (sein Weib ist indes auf seinen Wunsch abgehauen, um sich mit ihm irgendwo später wieder zu treffen) tun soll.
Der Zufall will es, dass just in diesem Moment der Ritter Ulric (ein Sean 'nennt mich Boromir' Bean in Bestform), der im Dienste des Erzbischofs unterwegs ist, in dem Kloster auftaucht. Er ist auf der Suche nach einem geeigneten Führer, der ihn durch ein Moorgebiet zu einem abgelegenen Dorf führt. Osmund sieht dies als das erwartete Zeichen, meldet sich freiwillig und schon sind sie - er, Ulric und seine Mannen - auf der Reise. Er nach und nach erschließt sich Osmund der wahre Auftrag der Männer: jenes Dorf, zu dem sie unterwegs sind, scheint von der Pest verschont zu bleiben auf mysteriöse Weise. Der Erzbischof wittert Teufelswerk, zudem gehen Gerüchte um, dass in diesem Dorf Menschenfresser und Untote umgehen sollen. Ulric hat den Auftrag, den Totenbeschwörer und Hexenmeister des Dorfes ausfindig zu machen und ihn seinem gerechten Prozeß zuzuführen.

Mehr verrate ich an dieser Stelle mal nicht, da alles andere wohl schon zuviel wäre. Nur so viel: bei diesem Film ist nicht nur einmal alles anderes als es zu sein scheint. Die Grausamkeit des Schwarzen Todes in all seinen morbiden Fascetten wird gut zum tragen gebracht und intensiv dargestellt. Sogar an die Pestmasken hat man gedacht. Aber nicht nur die Pest wird hier erwähnt - da die Geschichte im Mittelalter angesiedelt ist, erfährt man natürlich auch sehr viel um den teils sehr verkorksten und verkommenen Aberglauben der normalen Leute (Hexenverbrennungen inkl.), und auch über die Methoden der selbsternannten Christen, deren Verhalten so gar nicht christlich anmutet. Die reichhaltigen und scheinbar der Fantasie keine Grenzen setzenden Foltermethoden der Inquisition kommen natürlich auch noch zum tragen. Auch die Kills in dem Film sind sehr reichhaltig und abwechlungsreich, aber schließlich darf man das bei dem Namen Christopher Smith (Severance) auch erwarten, und für eine FSK 16-Freigabe sind diese passagenweise recht heftig ausgefallen. Kostprobe gefällig? Es werden Köpfe mit Morgensternen eingeschlagen, Gliedmaßen abgetrennt, Zehen mit einer Zange gebrochen und Nägel gezogen. Am beeindruckensten fand ich aber die Tötungsszene mit den Pferden (die sogenannte Vierteilung) ;)

Fazit:
Ein sehr ruhig, aber (vielleicht auch gerade deshalb) sehr drastisch und intensiv erzählter Mittelalter-Streifen. Stellenweise hatte ich schon das Gefühl, dass der Film jetzt in einen christlichen Propagandafilm der katholischen Kirche abdriftet, doch dem ist glücklicherweise gar nicht so. Eigentlich genau im Gegenteil. Der Film hat eigentlich eine solch antikirchliche Aussage, dass es eine Freude ist. Keiner dieser selbsternannten Gottesmänner kommt gut (oder lebend) davon, und Osmund, in den man eigentlich alle Hoffnungen auf ein Fünkchen Menschlichkeit gelegt hat, nimmt am Ende die wohl tragischste Rolle des ganzen Films ein. Damit wäre auch das Thema Rache in diesem Film kurz angeschnitten worden. Für alle, die sich für Filme mit etwas geschichtlichem Hintergrund und mit einer Prise Splatter und Gore begeistern können, sollten mal ein oder zwei Augen riskieren. Ich persönlich ging mit keinen Erwartungen an den Film und muss sagen, dass er mich sehr positiv überrascht hat. Darüber hinaus halte ich ihn für einen der derzeit besten Vertreter des Genres!

8.5 / 10 Punkte

Donnerstag, 16. Juni 2011

Review: Edges Of Darkness (Einzel-DVD, Infopictures, Uncut)

Gleich vorweg der Warnhinweis: lasst euch nicht vom endgeilen Cover und den hahnebüchernen Texten und Lobpreisungen verunsichern... der Film ist ein echter Independent-Streifen und daher auch Low- bis No-Budget! Wen ich jetzt schon verschreckt haben sollte... gut. Denn diese Menschen hätte ich bereits vor einem Fehlkauf gewarnt. Allen anderen werde ich die Show jetzt auch noch vermiesen.







Die Grundstory ist eigentlich gar nicht mal verkehrt... vor dem Hintergrund eines fiktiven Zombie-Apokalypse-Szenarios werden parallel drei Geschichten/Schicksale von Überlebenden erzählt, die sich hinterher mehr oder minder zusammenfügen. Da geht es zum einen um Heather, eine Einzelgängerin und Haudrauf-Lady, die in Wahrheit aber nicht halbwegs so agil und sexy wie auf dem Cover wirkt, die eine Mutter und ihren Sohn vor einem Zombie-Angriff bewahrt und sie bei sich aufnimmt. Es stellt sich heraus, dass der Junge etwas Besonderes ist (jaja, mal wieder werden Kinder zur Rettung der Menschheit glorifiziert - what the fuck...). Deshalb sind auch sogenannte Priester hinter dem Jungen her, die seine Kräfte im Auftrag des Herren für ihre Zwecke missbrauchen wollen (und wer weiß was sonst noch...). So weit, so schlecht, so uninspiriert.
Gleichzeitig irgendwo in der Stadt lebt ein nicht mehr ganz so glückliches Paar zusammen und verbarrikadiert sich in dessen Haus vor der drohenden Zombie-Gefahr. Der Typ ist ein selbsternannter Autor und verbringt seine Tage und Nächte damit, unentwegt auf seinem Computer Tagebuch zu führen und an seinem Roman zu schreiben (was angesichts der Umstände sowieso nie eine Sau lesen wird! - so again: what the fuck...). Das löst bei seiner Freundin natürlich einiges an Frust aus (du liebst deinen PC mehr als mich... blablabla, sülz, blablabla, etc. usw.). Eines Tages entdeckt er dann in der Post von vor einigen Wochen (vor der Zombie-Epidemie - hier wurde also mitgedacht!) einen Umschlag, in dem sein bestellter neuer Prozessor auf den Einbau wartet. Er ist einer der ersten Testpersonen (also 'freu'). Leider verhält es sich mit dem Prozessor anders als erwartet - zum arbeiten benötigt dieser nämlich nicht hauptsächlich Storm sondern eher Blut und Fleisch (what....). Naja wie das ausgeht... kann man sich denken, denn genauso wie man es sich denken kann, geht es schließlich auch aus. So weit, so schlecht, so uninspiriert.
Kommen wir zur letzten Geschichte... die ist vom Prinzip her eigentlich gar nicht mal so uninteressant. Es geht hier ebenfalls um ein Paar, ein Ehepaar, welches sich in seiner Wohnung verschanzt hat. Doch irgendetwas scheint mit den beiden nicht zu stimmen. Als der Mann beobachtet, wie seine Nachbarin von Zombies zerfetzt wird, bricht er in Tränen aus, mit den Worten, dass jetzt wirklich alles vorbei ist. Der wahre Sinn wird ein paar Szenen später klar... nämlich als der Mann mit einer Fremden wieder nach Hause kehrt, da er auf Nahrungssuche war. Jetzt stellt sich schnell heraus: bei den beiden handelt es sich um Vampire, die sich das Mädchen fortan als Nahrungsquelle und -vorrat halten (what the fuck...), da aufgrund der Zombie-Epidemie die Nahrung für die Vampire reichlich knapp geworden ist, bzw. fast gen Null tendiert. Alles scheint nun wieder gut zu werden, bis ihnen aufgeht, dass das Blut der entführten Frau irgendwie komisch zu schmecken scheint. Wer jetzt denkt... 'ey, momentan, die ist bestimmt auch schon zombiefiziert' - falsch! (welche Überraschung!) Was sie letztendlich wirklich ist, wird nicht verraten, auf jeden Fall scheint sie Vampire zu hassen und eine Art Halbdämon zu sein (oh man, beim schreiben merkt man erst, WIE krank das ist). Nun beginnt ein Psychokrieg zwischen den drei Charakteren, der am Ende in blanker Gewalt endet.

Fazit:
Wer jetzt denkt, dass das alles doch gar nicht so schlecht klingt, dem sei gesagt, dass das Grundkonzept eigentlich auch gar nicht mal so schlecht ist - allerdings happert es immens an der Art der Umsetzung. Die ist nämlich schlichtweg Scheiße! Low-Budget ist da erst der Anfang, die meisten Effekte sind zwar handgemacht, wirken aber wirklich primitiv, das konnte Olaf Ittenbach in seinen frühen Jahren schon besser. Die komplette Story ist einfach nur schlecht umgesetzt, weder die Erzählweise noch die schauspielerische Leistung können hier überzeugen (zum Vergleich: meiner Meinung schreibt sogar Ittenbach die fesselnderen und tiefsinnigeren Storys!). Einzig die Story um die zwei Vampire, die angesichts der Zombies einfach nur versuchen zu überleben, in dem sie Überlebende finden, und ihnen das Blut abzapfen hat was für sich und bewahrt den Streifen vor dem totalen Ausfall.... obwohl, nein eigentlich auch nicht wirklich. Dafür ist einfach alles zu amateurhaft. Als Extras winken... richtig geraten - es gibt keine Extras (laut Cover gibt's als Extra zwar ein Wendecover, aber scheiße, das ist für mich kein Extra - das setze ich als Filmfan voraus!). Und noch eine Sache: schaut den Film, wenn ihr ihn schon schauen müsst, unbedingt im englischen O-Ton. Der ist zwar qualitativ nicht unbedingt viel besser als die deutsche Synchro, hält das Niveau aber doch noch etwas über dem eines Pornos.

1.5 / 10 Punkte

Review: Szron - Zeal (LP, Hass Weg/Thor's Hammer)

Auch die Kriegsmaschine aus Polen unter dem Pseudonym Szron rollt wieder und verbreitet seine unheilverkündenden Stücke pestgleich unter dem Erdenvolk.










Das vorliegende Album entstand und wurde ebenfalls bereits im letzten Jahr veröffentlicht. Als CD, wie immer unter dem Banner von "Under the Sign of Garazel". Zugegeben habe ich seit ihrem Album-Debüt "The Purificating Flame of Annihilation" aus dem Jahre 2004 das Schaffen der Szron-Horde nicht mehr sonderlich interessiert weiterverfolgt. Zu polnisch und daher auch zu austauschbar (wenn ihr versteht was ich damit meine) hörte sich das Debüt an, mit einigen Ausnahmen, die damals schon in die gleiche Richtung gingen wie das hier vorliegende Werk - und so verlor ich die Band auch sehr schnell wieder aus den Augen. Jetzt liegt mit dieser Platte das zweite Album der Band vor und ich muss schon sagen... geile Sache! Das hätte ich so nicht erwartet. Richtig guter, schmutziger Black Metal mit sehr dominanter Rock-Note bei den Instrumenten. Dazu eine zwar dem Underground angemessene, aber für die Verhältnisse sehr druckvolle Produktion. Fünf Titel bekommt man als Hörer geboten, und mal abgesehen vom letzten Titel, besitzen diese allesamt Überlänge, so dass man auf eine Spielzeit von über 36 Minuten kommt - genug also, um gerade als Voll-Album zu gelten. Seite A enthält die beiden Stücke "Permafrost" (bei dem es sich aber glücklicher Weise nicht um jenes gleichnamige Lied von der unsäglichen deutschen "Kultband" handelt, deren Name mit A. beginnt) und "The Race Of Satan (Messengers of the Void)". Zweitgenannter hat übrigens ein gut platziertes Break im letzten Viertel und legt danach noch einmal ordentlich los. Beide Stücke bisher also top. Kommen wir zur B-Seite. Die beherrbergt die letzten drei Stücke "Reign in Hydrogen Cyanide", "Nekronihilistik" und "The Beckoning (The Vision)", die in Punkto Qualität durchaus vergleichbar sind mit den ersten beiden, diese sogar halten und teils noch etwas steigern können. So ist der zweite Titel eine wirklich rockige Oldschool Black Metal Nummer, und man fühlt sich direkt an alte Zeiten erinnert, in denen jeder zweite Band-, Album- und Label-Name wahlweise mindestens ein 'Goat', 'Sabbath', 'Vomit' oder 'Venom' (konnten auch kombiniert und variiert werden) enthielt.

Fazit:
Der teilweise doch recht hohe Anteil an Rock-Einflüssen bei den Instrumenten dürfte dafür sorgen, dass "Zeal" längst nicht jedem gefallen wird. Für alle anderen spreche ich hier eine absolute Kaufempfehlung aus. Die mir vorliegende LP-Ausgabe ist limitiert auf 500 Exemplare, allerdings nicht durchnummeriert.

9.0 / 10 Punkte

Review: Sombre Chemin - Hétérodoxie: Opus III (Involution) (LP, Sabbath's Fire)

Das ist es also... das endgültig letzte Album der politisch motivierten Black Metal Band aus Frankreich. Ob es ein würdiger Abschied der seit knappen 10 Jahren existierenden Band ist, lest ihr in folgenden Zeilen...









Sieben Lieder werden hier zum besten gegeben, die teils auch Neuaufnahmen bereits bekannter Songs darstellen. Wie von dem Duo zu erwarten wird hier rauer, aber doch sehr erhabener und epischer Black Metal vorgetragen, der mit gelegentlich eingesetzten Einspielungen und Chor-Samples, sowie akustischen Parts versehen und aufgewertet wurde. Die drei Songs der A-Seite haben es schon ziemlich in sich... gehören sie doch zu fast dem besten, was ich von Sombre Chemin bisher gehört habe. Besonders "L'hymne du Nord" weiß zu gefallen, wobei er zwar neu interpretiert wurde, aber dem einen oder anderen doch von der Split mit Peste Noire bekannt sein dürfte. Sehr episch getragen, aber trotzdem sehr hasserfüllt vorgetragen. "Ainsi fut la nuit" schlägt da ungefähr in die gleiche Kerbe. Seite B enthält die letzten vier Songs, von denen "Enracinement" mit seinen Ambient-Klängen als kurze Überleitung dient. "Svart Dag (The Nothingness)" präsentiert sich dann nach den ersten Sekunden auch schon als wesentlich rauer als die Songs der A-Seite und gleichzeitig als rein instrumentaler Hassbatzen. Bei "Sombre Chemin (Postlude)" verhält es sich ähnlich, mal abgesehen davon, dass hier auch gesungen wird. Dazu kommen dezente Keyboard-Passagen im letzten Teil des Liedes. Und schon ist man auch wieder beim Schluß in Form des Ambient-Stückes "Déracinement". Burzum lässt mal wieder grüßen.

Fazit:
So schlecht, wie es sich hier vielleicht an der einen oder anderen Stelle darstellt, ist die Platte wirklich nicht. Wobei ich sagen muss, dass ich mir vielleicht doch mehr Qualität von der B-Seite erhofft hatte, nachdem die ersten drei Stücke dermaßen reingehauen haben. Bis auf zwei Ambient-Stücke, ein Instrumental und ein wirkliches Lied, was in Punkto Qualität jedoch nicht ganz an die Stücke der ersten Seite rankommt, bleibt nicht viel auf der B-Seite. Ergo hat man eigentlich nur ein halbes wirklich überragendes Album, das man, wie den zweiten Teil des "Hétérodoxie" Opus auch, getrost als EP hätte veröffentlichen können. Trotzdem ist es insgesamt ein würdiges Abschluß-Werk für Sombre Chemin. Limitiert übrigens auf 500 handnummerierte Exemplare.

8.0 / 10 Punkte

Nostalgie-Review: Bluuurgh - In My Embrace (LP, Witchhunt Records)

Anno 1992 erschien diese Platte aus dem Hause Witchhunt Records, die ich just vor ein paar Tagen zufällig in einem Plattenladen erspähte und natürlich sofort einsackte.
Das erste, was ich beim Hören dachte - 'man, wann hast du zum letzten Mal sowas zu hören bekommen'. Die Antwort für mich war  'eigentlich seit Demolition Hammer's "Epidemic Of Violence" gar nicht mehr'. Keine Ahnung warum mir ausgerechnet dieser Vergleich auf Anhieb einfiel - aber er ist irgendwie passend. Die vier Leute aus den Niederlanden geben einen Mix aus hauptsächlich Death-, Thrash- und einer leichten Prise Doom-Metal zum besten.


Der Gesang ist eher an den traditionellen Thrash orientiert, während die Instrumente, vorallem das Schlagzeug sehr in Richtung Death tendiert, auch wenn hier und da schon mal Thrash-Gitarren zu hören sind, samt dazugehörigen Soli. Verdammt geile Sache! Ein echtes Schmankerl, auch für mich, der nur ab und an mal im Thrash/Death-Genre sein Unwesen treibt. Einziger Minuspunkt: der letzte Song, für den es deutliche Abzüge von mir gibt. Ich halte Industrial halt immer noch nicht für eine Kunstform, daran ändert auch "Version" nichts, auch wenn er an für sich ganz erträglich ist und recht nett anzuhören ist - aber ein zusätzlicher "richtiger" Song stattdessen wäre in meinen Augen 100x sinniger gewesen. Über Geschmäcker lässt sich halt streiten, oder eben auch nicht.

Bluuurgh als Band existiert indes aber nicht mehr. Auch stellt diese erste LP der Band gleichzeitig auch ihre letzte Veröffentlichung dar. Schade eigentlich. Was die Typen heute machen, entzieht sich meiner Kenntnis, ist mir gelinde gesagt auch egal, denn wenn sie musikalisch noch aktiv sind, werden sie unmöglich noch an die Klasse  von "In My Embrace" heranreichen. Da ich die Platte selbst in einem Second-Hand-Laden erstanden habe und ich online keinen Shop entdecken konnte, der sie noch als Neuware im Angebot hat, gehe ich mal davon aus, dass ihr sie höchstens noch auf Plattenbörsen oder -läden erstehen könntet, was ich euch hiermit auch sehr empfehle - es lohnt sich!

Review: Griftegard - Solemn : Sacred : Severe (LP, N:C:U)

Was haben wir denn da feines? Ist die Zeit seit Candlemass und den frühen Werken von Opeth stehen geblieben? Was man hier um die Ohren bekommt, klingt wirklich sehr Oldschool - Doom Metal at its best!








Doch zurück zum Anfang. Das Debüt-Album der fünf-köpfigen Band aus Schweden erschien bereits 2009, ursprünglich als CD, im gleichen Jahr dann noch einmal als sehr schicke LP-Version unter dem deutschen Label N:C:U (welches ja für hochqualikative Arbeit steht). Da ist es direkt schade, dass ich "nur" im Besitz der regulären Fassung bin, aber auch die kann sich schon sehen lassen - eingestanztes Logo und Letter in Goldschrift, und auf der Rückseite in matt-schwarz. Vinyl in schwarzer Schutzhülle und einem mehrseitigem Beiheft aus Raukarton in A5-Format. Von der Aufmachung her also schonmal top!

Was die Musik angeht, so wird hier wie bereits schon erwähnt, Doom Metal mit einer gehörigen progressiven Note zelebriert. Dafür, dass ich allgemein kein Freund von Doom bin, und mich nur schwer von diesem Genre begeistern kann, bin ich sehr fasziniert von diesem Album. Eine wirklich schwermütige Atmosphäre, die sich durch die insgesamt sechs (überlangen und epischen) Stücke zieht. Der schauderhafte (und das meine ich durchaus positiv) Klargesang tut sein übriges dazu und zieht den Hörer unerlässlich in seinen Bann.

Fazit:
Für mich kann ich wohl sagen, dass ich froh bin, über dieses Album gestolpert zu sein. Auch wenn ich generell keinen Doom Metal mag, aber was die fünf Herren vom Totenacker hier vom Stapel lassen, das "rockt". Die Platte habe ich jedenfalls längst nicht zum letzten Mal gehört!

9.0 / 10 Punkte

Freitag, 10. Juni 2011

Review: Phlegein - Ancient Battlegrounds (LP, Northern Heritage)

Da erwartet man nichts Besonderes, und auf einmal bekommt man diese 10'' Platte nebst der 7'' EP des finnischen Duos Phlegein, die übrigens noch seperat besprochen werden wird, in die Hand gedrückt mit den Worten, dass es sich hierbei um den geilsten Black Metal seit einiger Zeit handle.







Klar, skeptisch war ich anfangs... meine Bedenken verflogen allerdings schon beim ersten Durchlauf von "Ancient Battlegrounds", der schon erwähnten 10'' Platte, und gleichzeitigem Debüt der Band. Nach einem relativ kurzem Intro, welches übrigens von S.T.W. stammt, geht es gleich in die Vollen mit dem ersten Song "Chaos marching onwards" - schnörkelloser Black Metal, unverfälscht, rau und wild. Keine unnötigen Keyboard- oder sonstige Spielereien. Genau so verhält es sich auch bei dem nächsten Lied "White top", welchen ich an dieser Stelle auch direkt mal als Anspieltipp nennen möchte. Sehr düster, kalt und räudig-rockig vorgetragen - da stört einen auch das schwüle Wetter nicht mehr. Auf der B-Seite befinden sich ebenfalls noch drei Stücke, bei denen es sich um ähnliche Reißer handelt - verzerrte Gitarren, scheppender Schlagzeug-Sound, hallender Schreigesang - so muss es sein! Der letzte Song ist indes ein Bonus, exklusiv für die Vinyl-Ausgabe des Albums. Durch den eher schleppenden Sound hat "Dire and diabolic" auch eher was depressives an sich, was das Lied etwas von den anderen unterscheidet... gefällt mir persönlich aber sehr gut, und rundet das ganze noch einmal ab.

Fazit:
Auch meiner Meinung nach eines der besten Black Metal-Werke der jüngsten Zeit! Da hat sich Northern Heritage mal wieder eine sehr gute Kombo ins Boot geholt. Davon bitte in nächster Zeit ein komplettes Album!

9.5 / 10 Punkte

Donnerstag, 9. Juni 2011

Review: Alcest - Le Secret (LP, Prophecy Productions)

Alcest... dieser Name steht wohlwahr für Qualität in Punkto atmosphärischer Musik. Die Band aus Frankreich um Mastermind Neige, der u.a. auch in Bands wie Peste Noire oder Mortifera aktiv war/ist, veröffentlichte damals mit "Le Secret" das erste Werk unter dem Namen Alcest, wenn man einmal von dem Demo absieht. In den Augen des Künstlers kann es jedoch sehr wohl als Debüt angesehen werden, denn mit "Le Secret" verabschiedete man sich zeitgleich vom sehr rauen Black Metal des Demos und ebnete den Pfad, auf dem die Musik von Alcest fortan wandeln sollte...

Nun wurde dieses Frühwerk, welches ursprünglich als limitierte CD und Kassette erschien, von dem deutschen Label Prophecy wiederveröffentlicht - ebenfalls auf CD... und auf einer sehr edlen Vinyl-Ausgabe. Das Machwerk hält vier Lieder bereit, wobei es sich allerdings eigentlich nur um zwei Lieder handelt - so sind auf der A-Seite jeweils komplett neueingespielte (und durchaus auch intensivere) Versionen der beiden "Le Secret"-Songs zu hören, während die B-Seite die Stücke in der originalen Aufnahme enthält. Wie bereits angeklungen ist, sind besonders die Neueinspielungen sehr interessant, und so bietet "Le Secret" mit einer Spielzeit von etwa 13 1/2 Minuten reichlich Abwechslung, wobei der Gesang durchweg klar vorgetragen wird. Ein akustischer Intro-Part, gefolgt von Burzum-gesken Sphären - besonders der Part ab Minute 9 gefällt mir außerordentlich gut. Ein Stück voller Melancholie und Nostalgie mit Gänsehaut-Garantie. Der zweite Song "Elévation" (ebenfalls etwa 13 1/2 Minuten) steht eigentlich für sich als Titel schon für das sehr prägende künstlerische Merkmal der Band, denn wie so viele Alcest Titel kann auch dieser wieder verschieden interpretiert werden. Das zweite Lied beginnt mit einem sehr schönem, traurig anmutendem Sample (Chor) - was folgt ist wiederrum ein sehr "Filosofem"-orientierter Black Metal-Stil, wenn auch wesentlich schneller vorgetragen, als beim ersten Lied. Und nun kommt auch Neige's wunderbarer Schreigesang zum Einsatz, der sich auch fast vollständig durch das gesamte Lied zieht. Verfeinert wird das ganze mit gut plazierten Breaks und Tempowechseln - bis das ganze dann genau so endet, wie es begonnen hat, mit einem Chor.

Die beiden Originale unterscheiden sich in der Hinsicht zu den Neuaufnahmen, dass sie wesentlich rauer und ungeschliffener klingen. Auch die Spielzeiten unterscheiden sich doch schon um gute 1-2 Minuten. Insgesamt gefallen mir die Neuaufnahmen aber wesentlich besser.

Fazit:
Neige bezeichnet "Le Secret" im Beiblatt als das Debüt-Werk von Alcest im Geiste, da es die Grundidee und den Stil der späteren Werke zum ersten Mal zum tragen bringt. Die Idee dieser Wiederveröffentlichung gefällt mir, auch wenn es vielleicht manche als reine Geldmache abtun würden, so sehe ich in dieser 12'' EP eher eine Überbrückung zum nächsten Album, die sehr detailverliebt daherkommt. Dass man sich bei der EP Mühe gegeben hat, hört man bei den Neuaufnahmen, die eben nicht wie "einfach nur dahingerotzt" klingen, sondern die mit Herzblut vorgetragen sind. Die Originale als B-Seite dazuzupacken ist daher auch ein willkommener Bonus und macht die Sache für die Leute, die das Original noch nicht besitzen, wahrscheinlich nur noch interessanter. Die LP-Version kommt als schwarze Vinyl (500 Stück) und als blau-graue Vinyl (ebenfalls 500 Stück). Die CD ist soweit ich weiß nicht limitiert.

9.5 / 10 Punkte